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Immunologie 25. Oktober 2013

ÖGP 2013: Update Pneumologie I – Allergologie

Fortschritte in Diagnostik und Therapie und Paradigmenwechsel in der Prävention

Spezifische Immuntherapie

Die spezifische Immuntherapie hat sich in den letzten Jahren zu einem fixen Bestandteil des Therapiespektrums des allergologisch tätigen Arztes entwickelt. Eine aktuelle Überblicksarbeit der PRACTALL-Gruppe in Zusammenarbeit mit der EAACI und AAAAI unterstreicht die Bedeutung dieser kausalen Therapieform [1].

So ist die Wirkung einer Immuntherapie zumindest so stark wie eine medikamentöse Therapie mit Antihistaminika, Steroiden oder Leukotrienrezeptor-Antagonisten bei allergischer Rhinokonjunktivitis. Dazu kommt, dass möglicherweise die Rate an Neusensibilisierungen vermindert und die Progression der allergischen Erkrankung zu einem Asthma bronchiale aufgehalten werden kann. Bezüglich des therapeutischen Einsatzes der SIT bei Asthma zeigte sich ein Steroid-sparender Effekt durch den Einsatz der SIT.

Zu ökonomischen Aspekten der SIT gibt es auch erste Ergebnisse. So zeigte eine aktuelle Untersuchung, dass bereits 3 Monate nach Beginn einer SIT eine Kostenersparnis für das Gesundheitssystem zu verzeichnen ist, die nach18 Monaten in etwa 40 % der Gesundheitskosten beträgt [2].

Die Zukunft der Immuntherapie liegt in verschiedenen Bereichen (Abb. 1 nach Burks et al 2013). Neben der Art der chemischen Modifikation des Allergens bzw. der Verwendung rekombinanter Hypoallergene oder Peptide ist der beste Applikationsweg noch immer Ziel der Forschung. So wurden beispielsweise interessante Möglichkeiten der intranodalen Applikation (direkt in den Lymphknoten) bei Katzenallergien untersucht [3], wo bereits nach 3 Injektionen immunologische Effekte zu sehen waren. Dieselbe Schweizer Forschungsgruppe untersuchte auch die Möglichkeit einer epikutanen Immuntherapie bei Gräserallergikern. Heuschnupfensymptome konnten dabei um ca. 30 % im Vergleich zu Plazebo verbessert werden [4]. Interessant ist auch die Idee bei Katzenallergikern nicht den Patienten, sondern direkt die Katze zu impfen. Unveröffentlichte Daten von Kündig T. et al. zeigen dabei die Möglichkeit einer Reduktion des im Speichel produzierten Katzen-Allergens auf 1/10 des Ausgangswertes (EAACI 2013).

Abb1-Horak

Abb. 1: Die Zukunft der Immuntherapie

Komponentendiagnostik

Die differenzierte Untersuchung der Allergene auf die für die Allergie relevanten Einzelkomponenten (Molekulare Allergiediagnostik) hat in den letzten Jahren für neues Interesse gesorgt. Ein wichtiges Anwendungsgebiet besteht dabei in der Möglichkeit einer differenzierten Risikoevaluierung bei bestimmten Nahrungsmitteln. So ist der Nachweis einer Sensibilisierung (spezifisches IgE) gegen bestimmte Proteine der Erdnuss (Ara h 2) oder Haselnuss (Cor a 9, 14) assoziiert mit einer klinisch relevanten Nussallergie und der Möglichkeit einer anaphylaktischen Reaktion assoziiert [5]. Typische kreuzreaktive Allergene gegen Birkenpollen (sogenannte PR10 oder Betv1-Homologe) sind meist mit einem oralen Allergiesyndrom (Brennen, Juckreiz im Mund) assoziiert. Neuere Untersuchungen zeigten aber, dass es auch bei einer reinen Sensibilisierung gegen Betv1-Homologe (wie z. B. Cor a 1) zu Anaphylaxien kommen kann.

Im Bereich der inhalativen Allergene wurde neben den bisher bekannten relevanten Komponenten der Hausstaubmilbenallergie (Der p 1,2, 5,7,21) heuer auch das Der p 23 [6] als ein mögliches Hauptallergen der Hausstaubmilben von der Arbeitsgruppe von Rudolf Valenta beschrieben. Dieses ist Teil der peritrophischen Matrix, die den Gastrointestinaltrakt auskleidet. Die mögliche diagnostische und therapeutische Bedeutung von Der p 23 muss noch untersucht werden.

Stellenwert der Prävention

Die Paradigmen der letzten Jahre bezüglich Prävention haben sich zuletzt deutlich verändert. Stillen wird weiterhin für die ersten 4 – 6 Lebensmonate empfohlen und hat auch auf die Entwicklung von Allergien und Asthma einen präventiven Effekt [7]. Bezüglich der Einführung von Beikost kam es jedoch zu einer Änderung. Während früher empfohlen wurde, bei allergiegefährdeten Kindern Beikost langsam, schrittweise einzuführen und hochallergene Nahrungsmittel (Nüsse, Fisch etc.) im ersten Lebensjahr gar nicht zu verabreichen, wird heute die frühe Einführung einer größeren Zahl von Nahrungsmitteln als schützend bewertet.

Generell liegt der Schwerpunkt der Prävention derzeit nicht so sehr auf der Allergenvermeidung, sondern eher auf der Stärkung von protektiven Faktoren und frühen Immunmodulation. Mehrere Studien zum präventiven Einsatz einer frühen spezifischen oralen Immuntherapie sind im Laufen. Weiters gibt es zwei aktuelle Reviews zum Einsatz von Prä- und Probiotika, die einen mäßigen Effekt auf die Entwicklung der atopischen Dermatitis zeigen [8]. Gestützt werden diese Daten durch neue Erkenntnisse der Hygienehypothese aus den Bauernhofstudien, die zeigen, dass die Diversität von Bakterien, mit denen Kinder (bzw. schon deren Mütter) vor allem im 1. Lebensjahr konfrontiert werden, entscheidend für die Entwicklung des Immunsystems in Richtung Toleranz ist [9].

Bezüglich der Supplementierung von Vitamin D und Allergieprävention ist die Datenlage noch nicht überzeugend, sodass hier noch weitere Studien abgewartet werden müssen. Zum Thema Vitamin D und Asthma sind derzeit über 40 Studien im Laufen (www.cinicaltrials.gov).

Die Haltung von Haustieren im Säuglingsalter zeigt in einer neuen gepoolten Analyse von 11 Kohorten-Studien kein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Allergien oder Asthma bis zum Schulalter [10].

Literatur

 

1 Burks AW et al. (2013) J Allergy Clin Immunol; 131: 1288-96.

2 Hankin CS et al. (2013) J Allergy Clin Immunol. Apr;131(4):1084-91.

3 Senti G et al. (2012) J Allergy Clin Immunol. May;129(5): 1290-6.

4 Senti G et al. (2012) J Allergy Clin Immunol. Jan;129(1): 128-35.

5 Masthoff LJ et al. (2013) J Allergy Clin Immunol. Aug; 132(2):393-9; Thanh D Dang et al. J Allergy Clin Immunol; 129:1056-63.

6 Weghofer M et al. (2013) J Immunol. Apr 1;190(7):3059-67.

7 Kull I et al. (2010) J Allergy Clin Immunol. May; 125(5):1013.

8 Pfefferle PI et al. (2013) JACI;131:1453, Fooland et al. JAMA Dermatol. ;149:350.

9 Ege MJ et al. (2011) N Engl J Med. Feb 24;364(8):701-9.

10 Lødrup Carlsen KC (2012), PLoS One.; 7(8):e43214.

Zur Person
Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak
Allergiezentrum Wien West
Hütteldorferstraße 44 – 46
1150 Wien
Fax: +43/1/982 41214
E-Mail:

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