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OA Dr. Christian Ebner,KH der Elisabethinen, Linz
© Alina Novopashina / dpa

Tagungsort des diesjährigen Dreiländertreffens Herzinsuffizienz war die deutsche Hauptstadt Berlin.

 
Kardiologie 11. Oktober 2013

Herz im Stress

Unter diesem Titel fand von 26. bis 28. September das Dreiländertreffen Herzinsuffizienz in Berlin statt.

Cardio News Austria sprach mit OA Dr. Christian Ebner, Leiter der ÖKG-AG Herzinsuffizienz über die Highlights der Tagung.

Was ist das Tückische an der Erkrankung?

Ebner: Die Herzinsuffizienz ist eine komplexe Endstreckenerkrankung, deren Behandlung, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, eine große Herausforderung darstellt. Es bedarf der Zusammenarbeit unterschiedlicher Spezialisten, um die Patienten optimal zu betreuen. Dabei gilt, dass sich ein tragendes Behandlungskonzept nicht automatisch aus den einzelnen Befunden ergibt. Vielmehr ist es die Bewertung der Befunde im klinischen Kontext durch ein erfahrenes Experten-Team, das eine individuell optimierte Therapie ermöglicht. Die Rolle des Koordinators zu übernehmen, liegt in der Verantwortung des Herzinsuffizienz-Spezialisten. Eine Entscheidung, die zunehmend wichtiger wird, ist, zum richtigen Zeitpunkt einen Interventionisten beizuziehen.

Stichwort Intervention - welche Optionen wurden in Berlin diskutiert?

Ebner: Sehr interessant fand ich die Therapie mit einem biokompatiblen Alginat-Hydrogel, das direkt in den Herzmuskel injiziert wird. Es soll die Wand des linken Ventrikels verstärken und so zu einer effizienteren Pumpleistung führen. Ergebnisse aus Tierexperimenten und erste Anwendungen beim Menschen sind vielversprechend. Die Therapie eignet sich jedoch nur für eine limitierte Patientengruppe, da die Injektion eine Thorakotomie erfordert. Behandelt wurden bisher hauptsächlich Patienten, bei denen unabhängig von der Therapie mit Alginat-Hydrogel eine Operation am Herzen geplant war.

Was halten Sie vom „Parachute Device“?

Ebner: Die Methode klingt vielversprechend, vor allem weil keine offene Operation nötig ist. Das Device, welches die Form eines kleinen Schirms hat, wird perkutan über einen Katheter in die linke Herzkammer eingebracht. Es wird im Apex verankert und aufgespannt, wodurch es gelingt, apikale Akinesien oder Aneurysmen nach ausgedehntem Vorderwandinfarkt gewissermaßen auszuschalten. Das Schirmchen kleidet die Innenwand aus, stellt die ursprüngliche Herzform wieder her, verkleinert das Volumen und soll so eine Besserung der Pumpfunktion ermöglichen. Es könnte dazu beitragen, Patienten, bei denen eine Aneurysmektomie als nötig erachtet wird, vor dieser Operation zu bewahren. Ein dritter neuer interventioneller Ansatz ist ein Device, das gemeinsam mit einem Herzschrittmacher implantiert wird. Die Manschette umfasst den zervikalen N. Vagus und ermöglicht gemeinsam mit dem Herzschrittmacher eine pulssynchrone Stimulation dieses Nervs. Hintergrund dieses Konzeptes ist eine Imbalance zwischen sympathikotoner und vagaler Beeinflussung des Herz-Kreislaufsystems, wie sie bei vielen herzinsuffizienten Patienten vorliegt. Die vagale Stimulation soll dieser Imbalance entgegenwirken und damit die Symptomatik und den Verlauf der Herzinsuffizienz günstig beeinflussen.

Von Hightech-Verfahren zurück zur Praxis - welche neuen pharmakotherapeutischen Ansätze gibt es?

Ebner: Ein großer Hoffnungsträger ist Serelaxin. Es hat in der RELAX-AHF Studie bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz zu einer Besserung der Dyspnoe und nach 180 Tagen auch zu einer signifikanten Reduktion der Mortalität geführt. Eine weitere große Studie wird nun anlaufen, an der auch österreichische Zentren teilnehmen werden, darunter auch unsere Abteilung am KH der Elisabethinen in Linz. Bei Serelaxin handelt es sich um ein vasokatives Peptidhormon mit vielfältigen biologischen und hämodynamischen Wirkungen, das als einmalige Infusion verabreicht wird. Ein zweiter Hoffnungsträger ist das „gute, alte“ Digitalis. Klingt absurd, ist aber wahr. Es ist eine Studie mit Digitoxin geplant, welche endlich Daten liefern soll, die dem heutigen Standard entsprechen. Im Rahmen der Tagung in Berlin gab es eine hochinteressante Pro & Kontra Sitzung, bei der sich etwa zwei Drittel der Teilnehmer als regelmäßige „Digitalis-User“ bekannten.

Waren auch innovative Versorgungsmodelle Thema der Veranstaltung?

Ebner: Ja, es wurde über verschiedene Ansätze gesprochen. Persönlich sehr beeindruckt hat mich die Vorstellung der Herzinsuffizienz-Station von Bad Neustadt bei Würzburg. Dort wird neben der Therapie großes Augenmerk auf eine rasche, zielgerichtete und umfangreiche Diagnostik gelegt. Denn genau zu wissen, wo das Problem liegt, ist die wichtigste Voraussetzung für einen geeigneten Therapieansatz. Dieser Grundsatz wird an der Herzinsuffizienzstation Bad Neustadt beispielgebend umgesetzt. Die ständige Betreuung der Patienten erfolgt durch niedergelassene Ärzte und mobile Herzinsuffizienzschwestern, wobei beide Berufsgruppen intensiv mit der Spezialstation vernetzt sind. Das Konzept funktioniert extrem gut, ist aber auch sehr aufwendig.

Wie weit ist der Aufbau eines länderübergreifenden Netzwerks für seltene Herzmuskelerkrankungen fortgeschritten?

Ebner: Derzeit sind wir damit beschäftig, die rechtlichen Voraussetzungen für ein solches Register zu schaffen. Doch Biodaten grenzüberschreitend auszutauschen ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Da gibt es viele Hürden zu überwinden. Trotzdem: Das Ziel ist ein D-A-CH-Register, in dem alle drei Länder Patienten eintragen, um anhand erweiterter Fallzahlen Erkenntnisse über die verschiedenen Formen der seltenen Herzmuskelerkrankungen zu gewinnen, die uns bislang fehlen.

Wie ist der Stand bei den angeborenen Kardiomyopathien?

Ebner: Für einige Diagnosen stehen genetische Tests zur Verfügung. Davon, dass uns ein Gentest alle wichtigen Informationen liefert, die wir für die Patientenbetreuung benötigen, sind wir aber noch weit entfernt. Welche Erkrankung genau der Patienten hat, wie hoch sein eigenes Risiko und das seiner Nachkommen ist, - für diese Einschätzung sind noch immer die klassischen Tools des Kardiologen, nämlich Anamnese, Familienanamnese, klinischer Befund und Echokardiografie nötig.

Ihr Resümee zur Tagung?

Ebner: Die Herzinsuffizienz bleibt ein spannendes Thema. Neben den vielen neuen Therapieansätzen ist nach wie vor das Wichtigste eine optimierte neurohumorale Blockade. Kollege Pölzl hat in Berlin die Daten des Österreichischen HI-Registers präsentiert. Sie zeigen nicht nur, dass Patienten, die ihre Medikamente - ACE-Hemmer , Betablocker und MRA’s- regelmäßig einnehmen eine bessere Prognose haben. Sie zeigen auch, dass die Überlebenschancen steigen, wenn die empfohlene Zieldosis erreicht wird. Wem es gelingt, die Patienten medikamentös bei der Stange zu halten und die Medikamentendosis zu optimieren, hat bereits viel zur Prognoseverbesserung des jeweiligen Patienten beigetragen.

Interview: Dr. Anita Kreilhuber

Zur Person

OA Dr. Christian Ebner ist Leiter der Herzinsuffizienz-Ambulanz, II. Interne Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Interne Intensivmedizin, KH der Elisabethinen, Linz. Er ist außerdem Leiter der ÖKG-Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz.

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