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HNO 7. Oktober 2013

Neue Gesetzeslage bei ästhetischer Chirurgie

Was HNO-Ärztinnen und -Ärzte wissen müssen.

Mit 1. Jänner 2013 ist das Bundesgesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen (ÄsthOpG) in Österreich in Kraft getreten.

Das Gesetz regelt ästhetische Behandlungen und Operationen ohne medizinische Indikation. Piercen, Tätowieren und kosmetische Behandlungen nach der Gewerbeordnung sind ausgenommen. Medizinische Behandlungen wie Botox oder Filler-Injektionen gelten nicht als Operation, unterliegen aber als ästhetische Behandlung auch diesem Gesetz.

Angeborene gravierende Missbildungen, Fehlbildungen oder Anomalien sowie entstellende Missbildungen, Verletzungen oder Narbenbildung sind nicht betroffen, weil medizinisch indiziert.

Leider unklar formuliert ist die Frage der Operation abstehender Ohren, da die Otoplastik im Gesetzestext beispielhaft erwähnt ist als nicht medizinisch indizierte Operation, andererseits in den Erläuterungen zum Gesetz hochgradig abstehende Ohren als Missbildung angeführt und damit ausgenommen sind. Die Frage bleibt unbeantwortet, welche Kriterien ein hochgradig abstehendes Ohr ausmachen. Jedenfalls empfiehlt es sich, bei der Diagnose die Dysplasie des Ohres anzuführen. Da ästhetische Behandlungen und Operationen bei Kindern unter 16 Jahren generell verboten sind, ist die oben erwähnte Unterscheidung essenziell, wenn eine kindliche Otoplastik gewünscht wird, und ist man nur bei hochgradig abstehenden Ohren bei Kindern auf der sicheren Seite.

Zwischen 16 und 18 Jahren sind ästhetische Behandlungen und Operationen nur nach Ausschluss einer krankheitswertigen psychischen Störung durch einen klinischen Psychologen oder Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und zusätzlicher Elterneinwilligung gestattet. Bei besachwalteten Personen besteht ein eigenes Prozedere.

Wer darf welche ästhetischen Operationen durchführen?

Fachärztinnen und Fachärzte für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie haben keine Einschränkungen. Fachärztinnen und Fachärzte anderer Sonderfächer dürfen nur die in der Durchführungsverordnung der ÖÄK angeführten Operationen machen und keine anderen. Für die Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde wurden die in der Tabelle angeführten Operationen in der Verordnung der ÖÄK am 17. Dezember 2012 freigegeben.

Es wird darauf hingewiesen, dass man sich bei der Ausübung des Berufes auf jene ästhetischen Operationen und Behandlungsmethoden zu beschränken hat, in denen ausreichende Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten erworben wurden.

Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin dürfen nur bestimmte Eingriffe ausüben, für die sie über eine Anerkennung durch die ÖÄK verfügen. Sie müssen gleichwertige Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten nachweisen wie Fachärzte.

Weitere wichtige Regelungen

• Eintragung der Ärzte, die zur Durchführung bestimmter ästhetischer Operationen berechtigt sind, einschließlich der diesen zugeordneten ästhetischen Operationen, in eine allgemein zugängliche Liste auf der Website der ÖÄK.

• Fortbildungsverpflichtung im Bereich der angebotenen Behandlungen und Operationen, die durch eine VO der ÖÄK geregelt werden soll.

• Detaillierte Regelung der Aufklärung für den Arzt, der Patient darf nicht auf die Aufklärung verzichten.

• Hinweis, dass die Kosten selbst zu tragen sind – auch für eventuell erforderliche Nachoperationen. Ein schriftlicher Kostenplan ist zu erstellen, wenn wesentliche Kosten anfallen (dzt. über 1.603,– €, wird jährlich auf der Webseite der ÖÄK ausgewiesen) oder der Patient es wünscht.

• Die Fotodokumentation vor und nach der Operation ist für Arzt und Patient verpflichtend.

• Es müssen folgende Fristen eingehalten werden: 14 Tage Bedenkzeit von der Aufklärung bis zur Einwilligung. Die Einwilligung muss mindestens einen Tag vor der Operation erfolgen.

• Ein Operationspass muss ausgestellt werden, in dem der Zeitpunkt der Aufklärung, Einwilligung und Operation sowie Operationsart und Kontrolltermine eingetragen werden müssen. Ein Formular ist von der ÖAK-Website downloadbar.

• Die Werberichtlinien bzw. -verbote sind detailliert aufgeführt. Es gibt ein Provisionsverbot für Zuweisungen. Werbevortrage, Hinweise auf besondere Preisgünstigkeit oder kostenlose Beratungsgespräche sind verboten.

• Erworbene Fort- und Ausbildungszertifikate etc. und Vorher-Nachher-Bilder dürfen gezeigt und veröffentlicht werden. Ein Hinweis „.ästhetische Chirurgie“ oder „ästhetische Medizin“ ist erlaubt.

• Sanktionen sind Verwaltungsstrafen bis Euro 15.000 bei schwerwiegender Gefahr für Leib und Leben oder die Gesundheit oder bei Wiederholung bis Euro 25.000. Zusätzlich droht ein Disziplinarverfahrenbei der ÖAK.

Autor: Robert Pavelka ist Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, ästhetischer Chirurgie, und ehemaliger Vorstand der HNO-Abteilung des LK Wiener Neustadt.

Der Originalartikel ist erschienen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift Skriptum 6/2013.

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Freigegebene Operationen für HNO-Ärzte

• Auflagerungsplastik, Gesichtsimplantat

• Brauenoperation

• Eigenfetttransfer (Lipofilling) oberhalb des Schlüsselbeins

• Entfernung von Xanthelasmen (chirurgisch oder mit ablativem Laser) im Hals und Gesichtsbereich ausgenommen okulär

• Facelift (Rhytidektomie)

• Fettabsaugung (Liposuktion) oberhalb des Schlüsselbeins

• Halslift

• Kinnplastik (Genioplastik)

• Nasenplastik (Rhinoplastik)

• Ober- und Unterlidoperation

• Operation abstehender Ohren (Otoplastik)

• Stirnlift

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