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Kardiologie 16. September 2013

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Herzinsuffizienz: Fernüberwachung hilft, Todesfälle zu verhindern.

Heutzutage ist es möglich, den kardialen Gesundheitszustand eines Patienten mithilfe implantierter Geräte kontinuierlich aus der Ferne zu überwachen. Dadurch lassen sich Verschlechterungen sehr früh erkennen. Durch diese telemedizinische Fernbetreuung kann bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz offenbar die Sterberate deutlich reduziert werden, wie erstmals eine Studie zeigt.

Viele Patienten mit Herzinsuffizienz sind Träger eines implantierten Defibrillators (ICD) oder eines Gerätes zur kardialen Resynchronisation (CRT). Solche Geräte können nicht nur lebensbedrohende Arrhythmien terminieren und die gestörte Herzfunktion verbessern. Sie können heute auch die Funktion erfüllen, fortlaufend den Zustand von Herz und Gerät zu überwachen und Informationen darüber automatisch an Ärzte oder klinische Zentren weiterzuleiten (home monitoring). So kann früh auf sich abzeichnende Probleme reagiert und therapeutisch gegengesteuert werden. Wie erfolgreich implantatbasiertes Telemonitoring bei chronischer Herzinsuffizienz sein kann, zeigt die jetzt beim ESC-Kongress in Amsterdam erstmals vorgestellte IN-TIME-Studie.

Implantate mit Telemonitoring-Funktion

In diese Studie einer internationalen Arbeitsgruppe um den Leipziger Kardiologen Prof. Dr. Gerhard Hindricks sind 716 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium II/III) aufgenommen worden, die alle ein Implantat mit Telemonitoring-Funktion (Hersteller: Biotronik) erhielten – entweder einen ICD (42 Prozent) oder ein Gerät zur kardialen Resynchronisation (CRT-D, 58 Prozent). Die von diesen Geräten gelieferten Informationen (etwa zu Veränderungen des Herzrhythmus, zu Schock-Abgaben oder Systemfunktion) wurden, automatisch, und ohne jedes Zutun der Patienten, per Mobilfunk an eine zentrale Datenstelle am Herzzentrum der Universität Leipzig übermittelt. Nur bei der Hälfte der Studienteilnehmer hatten die Ärzte aber auch tatsächlich Zugang zu den eingegangenen Informationen (Telemonitoring-Gruppe), bei der anderen Hälfte beschränkte man sich ohne Kenntnis der übermittelten Daten auf die übliche Standardtherapie.

Verschlechterungen der Herzinsuffizienz seltener beobachtet

Primäres Ziel der Studie war, die Auswirkungen der implantatgestützten Fernüberwachung auf die Progression der Herzinsuffizienz zu untersuchen. Die klinische Verschlechterung wurde anhand des modifizierten Packer-Scores bewertet – eine Kombination unter anderem aus Tod jedweder Ursache, ungeplanten Krankenhausaufenthalten wegen dekompensierter Herzinsuffizienz sowie NYHA-Stadium. Nach einem Jahr war der Anteil der Patienten, bei denen anhand dieser Kriterien eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz objektivierbar war, in der Telemonitoring-Gruppe signifikant niedriger als in der Gruppe mit Standardtherapie (18,9 versus 27,5 Prozent).

Gesamtmortalität signifikant niedriger

Auch bei der Mortalität ergab sich ein überraschend deutlicher Vorteil des Telemonitorings: Mit 3,4 versus 8,7 Prozent war die Rate der Todesfälle in dieser Gruppe signifikant niedriger als unter der Standardtherapie. Noch bleibt genau zu klären, welche „Trigger“ im Einzelnen wie rasch gegensteuernden Therapiemaßnahmen ausgelöst haben und von welcher Art diese Maßnahmen waren. Diese Analyse, so Hindricks, soll nun folgen.

 

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September .2013, Amsterdam. G. Hindricks: In-TIME-Study – The Influence of Implant-Based Home Monitoring on the Clinical Management of Heart Failure Patients with an Impaired Left Ventricular Function; vorgestellt am 1.9.2013, Hot Line II: Late Breaking Trials on Intervention and Devices.

springermedizin.de/ob, Ärzte Woche 38/2013

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