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Kardiologie 16. September 2013

Hoher BMI an sich kein Risiko

Entscheidend scheint die metabolische Gesundheit zu sein.

Immer mehr Menschen sind übergewichtig. Hypertonie, Diabetes und Dyslipidämien sind die Folgen. Ein hoher BMI per se erhöht allerdings das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko nicht.

Wer etwas zu viel auf den Rippen hat, hat nicht zwangsläufig ein höheres Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko als ein schlanker Mensch. Wenn man metabolisch gesund ist, ist das Risiko sogar niedriger als das eines normalgewichtigen Menschen, dem Hypertonie, eine gestörte Glukosetoleranz oder erhöhte Cholesterinwerten zusetzen. Schwerer wiegt offenbar vielmehr, ob man metabolisch gesund oder ungesund ist – dieser Zusammenhang wurde in einer Studie an insgesamt 261.489 jungen zeugungsfähigen dänischen Frauen (Durchschnittsalter: 30,5 Jahre) untersucht. Die Ergebnisse stellte Dr. Michelle Schmiegelow vom Gentofte Hospital Hellerup in Dänemark auf dem ESC-Kongress 2013 vor.

Die Studienautoren teilten die Frauen in vier Gruppen ein: normalgewichtige Frauen (BMI: 18,5 bis ‹25 kg/m2) mit keiner metabolischen Erkrankung, normalgewichtige Frauen mit mindestens einer metabolischen Erkrankung (Bluthochdruck, gestörter Glukosemetabolismus, Dyslipidämie); übergewichtige Frauen (BMI = 25 kg/m2) mit keiner metabolischen Erkrankung und übergewichtige Frauen mit mindestens einer metabolischen Erkrankung.

Mit Bluthochdruck und Co steigt das Risiko

Nach einem mittleren Follow-up von 5,5 Jahren hatten die übergewichtigen, aber metabolisch gesunden Frauen kein höheres Risiko als die schlanken, metabolisch gesunden Frauen. Wenn die beleibteren Frauen allerdings an einer metabolischen Erkrankung litten, war ihr Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko viermal höher als das der schlanken, metabolisch gesunden. Das der schlanken, aber metabolisch ungesunden Frauen war fast doppelt so hoch. „Das heißt, dass Übergewicht an sich bei jungen Frauen nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist“, so Schmiegelow. Adipositas ist allerdings einer der treibenden Auslöser für Bluthochdruck, Diabetes, Dyslipidämien etc.

Überwicht ist Auslöser für metabolische Erkrankungen

Es ist also der metabolische Gesundheitszustand, auf dem der Zusammenhang zwischen Übergewicht und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko beruht. Dahin gehend müsse man Übergewicht auch als kardiovaskulären Risikofaktor interpretieren, schlussfolgerte Schmiegelow. Dies ließe für junge übergewichtige, gesunde Frauen noch die Chance, ihr Risiko für metabolische Erkrankungen und damit auch ihr Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko zu verringern, wenn sie ihren Lebensstil frühzeitig änderten.

Auch für Prof. Heinz Drexel, Vorsitzender dieser ESC-Pressekonferenz, ist klar: „Der BMI darf nicht für sich alleine stehen.“ Als Maßeinheit für das kardiovaskuläre Risiko sei der Bauchumfang auch besser geeignet als der BMI. Denn auch ein fitter Mensch kann einen erhöhten BMI haben. Bekanntlich wiegt Muskelmasse ja mehr als Fett. „Deshalb sollte jeder auch seinen Bauchumfang kennen“, appelliert Drexler. Denn Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht, es ergibt vielmehr ein komplexes Bild.

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC) vom 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. S. Skott Andersen, et al. Associations between being obese but metabolically healthy and risk of myocardial infarction, stroke and mortality – a nationwide study of fertile women. European Heart Journal 2013, vorgestellt von Dr. Michelle Schmiegelow.

springermedizin.de, Ärzte Woche 38/2013

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