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Kardiologie 16. September 2013

Plötzlicher Herztod bei Männern

Neue Studie: Bewegung senkt Risiko für plötzlichen Herztod auch bei schlechter Fitness.

Bewegung senkt das Risiko für einen plötzlichen Herztod bei Männern, auch bei solchen mit einer schlechten kardiorespiratorischen Fitness. Das zeigt eine finnische Studie, die von Dr. Jari Laukkanen und Dr. Hagnas Magnus von der University of Eastern, Kuopio, Finnland, auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurde.

Untersucht wurden 19 Jahre lang Männern zwischen 42 und 60 Jahren. In der Gruppe mit schlechter Fitness und wenig Bewegung war das Risiko für einen plötzlichen Herztod zweimal höher als in der Gruppe mit guter Fitness und viel Bewegung. Männer mit schlechter Fitness, aber einem hohen Niveau körperlicher Aktivität zeigten keine signifikante Risikoerhöhung.

„Die Studie zeigt einmal mehr, dass Männer durch gute körperliche Fitness und einen körperlich aktiven Lebensstil ihr Risiko für einen plötzlichen Herztod deutlich senken können, in dieser Studie um 50 Prozent“, so Prof. DDr. Josef Niebauer, Salzburg. „An einen so starken Effekt kommen selbst die besten Medikamente nicht heran. Und die gute Nachricht ist, dass diese Verbesserung der Prognose ein zusätzlicher Effekt war, also zusätzlich zu einer eventuell bereits durchgeführten medikamentösen Therapie entstanden ist. Wenn es das Therapeutikum „Bewegung/Sport“ als Tablette gäbe, so würde spätestens diese Studien einen Ansturm auf Apotheken auslösen. Leider werden wir wohl vergeblich auf einen Anstieg bei den Anmeldungen in den Fitness-Centern und Sportvereinen oder einen Ausverkauf in den Sportgeschäften warten müssen.“

Zur Risikostratifizierung auch Ergometrie durchführten?

Da die körperliche Fitness neuerlich als einer der stärksten Prädiktoren für den plötzlichen Herztod identifiziert wurde, schlagen die Autoren vor, dass zur Risikostratifizierung auch zusätzlich eine Ergometrie durchgeführt werden könnte. Niebauer in diesem Zusammenhang: „Dadurch könnte zum einen das Risiko für einen plötzlichen Herztod abgeschätzt werden und zum anderen auch eine schlechte körperliche Fitness in der Ergometrie als Motivation zur Lebensstiländerung führen.“

Plötzlicher Herztod ist für etwa die Hälfte der Todesfälle bei koronaren Herzerkrankungen verantwortlich. Er tritt rasch nach dem Auftreten erster Symptome auf und lässt kaum Spielraum für wirksame medizinische Interventionen.

Die Studie untersuchte die Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, kardiorespiratorischer Fitness (CRF) und dem Auftreten eines plötzlichen Herztods. Die kardiorespiratorische Fitness, gemessen anhand der maximalen Sauerstoff-Transportkapazität gibt an, wie gut Atmung und Blutkreislauf in der Lage sind, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Das Aktivitätsniveau (LTPA) wurde per Fragebogen ermittelt: Ein Drittel der Untersuchten wies ein niedriges Bewegungslevel (Verbrauch von weniger als 191 Kalorien pro Tag im Jahresschnitt) auf. Ebenfalls ein Drittel der Männer hatte niedrige CRF-Werte.

Für die Datenanalyse wurden die Studienteilnehmer in vier Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 wies hohe CRF und hohe LTPA auf, Gruppe 2 hohe CRF und niedrige LTPA, Gruppe 3 niedrige CRF und hohe LTPA und Gruppe 4 niedrige CRF und niedrige LTPA. Im Beobachtungszeitraum von 19 Jahren traten 193 Fälle von plötzlichem Herztod auf. In der Gruppe 4 mit schlechter Fitness und wenig Bewegung war das Risiko für einen plötzlichen Herztod zweimal höher als in der Gruppe 1 mit guter Fitness und viel Bewegung. Männer mit schlechter Fitness, aber einem hohen Niveau körperlicher Aktivität (Gruppe 3) zeigten keine signifikante Risikoerhöhung. „Das zeigt, dass mehr Bewegung bei Männern mit einer schlechten kardiorespiratorischen Fitness das Risiko für einen plötzlichen Herztod verringern könnte“, so Dr. Laukkanen.

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. ESC Abstract 3750 – High leisure-time physical activity reduces the risk of sudden cardiac death among men with low cardiorespiratory fitness.

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