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© Monika Hunácková / shutterstock
 
Kardiologie 16. September 2013

Unterschätzter kardialer Risikofaktor

Temperaturschwankungen sind schlecht für die Herzgesundheit.

Winterliches Wetter wirkt sich ungünstig auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren aus, und bei größeren Temperaturschwankungen kommt es häufiger zu Herzinfarkten als an warmen Tagen. Das zeigen aktuelle Studien aus der Schweiz und Belgien, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurden. Die Häufigkeit von Herzinfarkten stieg bei einem Sinken der niedrigsten Tagestemperaturen um 10 Grad um jeweils 7 Prozent an.

„Menschen passen sich generell an die Außentemperaturen an, es gibt eine ähnliche Lebenserwartung im Norden wie im Süden“, kommentierte Prof. Dr. Thomas Stefenelli vom SMZ Ost-Donauspital in Wien. „Es scheinen die Schwankungen zu sein, die den Kreislauf zusätzlich zur verminderten körperlichen Aktivität in der Winterzeit belasten. Temperaturschwankungen, auf die man nicht angemessen eingestellt ist, werden als möglicher kardialer Risikofaktor noch unterschätzt. Vor allem Menschen mit einem erhöhten Herzrisiko sollten zu große Temperaturveränderungen vermeiden.“

„Zusätzliche Analysen zeigten, dass der Triggereffekt von niedrigen Temperaturen nicht nur im Winter auftritt“, erklärte Studienleiter Prof. Dr. Marc Claeys. „Offenbar können auch relativ geringe Temperaturunterschiede zwischen Innenräumen und dem Freien die Häufigkeit von Herzinfarkten fördern. Ein möglicher Mechanismus, der den Zusammenhang zwischen Kälte und Herzinfarktrate erklären könnte, sei die Stimulation von Kälterezeptoren im sympathischen Nervensystem, die zu einer Erhöhung der körpereigenen Ausschüttung von Katecholaminen führt.“ Darüber hinaus fördern Kälte die Thrombozyten-Aggregation und die Zähflüssigkeit des Bluts, was wiederum das Risiko von Blutgerinnseln und Thrombosen steigert. Nicht nachweisen konnte die Studie einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Herzinfarkthäufigkeit.

Dr. Pedro Marques-Vidal und seine Kollegen vom CHUV Lausanne analysierten 10 Bevölkerungsstudien aus 7 Ländern (Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, Russland und Schweiz), in die insgesamt 107.090 Personen eingeschlossen waren. Verglichen wurden Blutdruck, Blutfett- und Blutzuckerwerte, Body-Mass-Index und Bauchumfang in den unterschiedlichen Jahreszeiten. Einige der Risikofaktoren waren im Winter (Jänner-Februar) stärker ausgeprägt als im Jahresdurchschnitt, im Sommer (Juni-August) hingegen niedriger. So war der systolische Blutdruck im Sommer im Durchschnitt 3,5 mmHg niedriger als im Winter – ein individuell nicht sehr hoher, aber auf die Gesamtbevölkerung bezogen relevanter Unterschied. Der Bauchumfang war im Sommer durchschnittlich um einen Zentimeter geringer als im Winter, das Gesamtcholesterin um 0,24 mmol/L niedriger. „Unsere Daten liefern Hinweise, dass manche Risikofaktoren quasi Sommerurlaub machen. Das könnte erklären, warum die Sterblichkeit aufgrund von kardiovaskulären Ursachen im Winter höher ist. Für den Einzelnen bedeutet das, im Winter im Interesse der Herzgesundheit noch mehr auf gesunde Ernährung und Bewegung zu sorgen“, so Marques-Vidal.

Quelle: Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. ESC Abstracts: 2661- Seasonality of cardiovascular risk factors - an analysis including over 100,000 participants in seven countries; 1769 - Environmental triggers of acute myocardial infarction: does air pollution matter?

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