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Orthopädie 26. August 2013

Ortho-geriatrisches Konzept reduziert die Mortalität

Multidisziplinäre Betreuung verbessert das Outcome nach Schenkelhalsfrakturen erheblich.

Rund zehn Prozent der Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch versterben innerhalb von zehn Tagen nach der Fraktur. Ein britisches Team präsentierte auf dem EFORT-Kongress in Istanbul ein neues Behandlungskonzept für ältere Patienten, das die Zeit bis zur Operation, die Sterblichkeit und die Häufigkeit postoperativer Komplikationen reduziert.

Etwa einer von zehn Patienten mit einer Fraktur des Oberschenkelhalses verstirbt innerhalb von 30 Tagen. Ein Team von Orthopäden und Unfallchirurgen der Universitätsklinik Nottingham (GB) hat jetzt ein neues multidisziplinäres Therapiekonzept speziell für ältere Patienten entwickelt, das beim 14. Kongress der Europäischen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie (EFORT) in Istanbul vorgestellt wurde. Der umfassende Behandlungsansatz, so zeigen die präsentierten Daten, verbessert die Ergebnisse und reduziert die Therapiekosten.

Multidisziplinäres Team

Ein Mitglied des ortho-geriatrischen Teams nimmt an allen unfallchirurgischen Morgenbesprechungen teil und evaluiert alle älteren Patienten mit Schenkelhalsfraktur, bevor sie operiert werden, berichtete Studienautor Mark Gaden: „Jeder Patient mit besonders dringenden medizinischen Problemen wird prioritär behandelt.

Patienten mit Oberschenkelhalsfrakturen werden auch nach dem chirurgischen Eingriff vom ortho-geriatrischen Team begutachtet, das die allgemeine Betreuung, die Vermeidung von Komplikationen, die Sturzprävention, das Monitoring der Knochendichte, die Demenz-Früherkennung, das Entlassungsmanagement sowie die Behandlung allfälliger akuter Gesundheitsprobleme unterstützt.“ Dem multidisziplinären Team gehören neben Orthopäden auch Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Pflegepersonen, Entlassungsmanager und Osteoporose-Spezialisten an.

Verringerte Mortalität, schnellere Operation

Um die Wirksamkeit des ortho-geriatrischen Maßnahmenpakets zu evaluieren, wurden die Daten von vor und nach der Einführung des neuen Angebots behandelten Patienten verglichen. Insgesamt wurden 1.642 Patienten mit einer Schenkelhalsfraktur in die Studie eingeschlossen, 813 von ihnen wurden nach dem alten und 829 nach dem neuen Therapiekonzept behandelt. Die 30-Tages-Mortalitätsrate fiel von 9,23 auf 8,44 Prozent. Zugleich wurde im Rahmen des neuen ortho-geriatrischen Behandlungsmodells deutlich rascher operiert: 70 Prozent der Patienten kamen innerhalb von 40 Stunden in den OP, vorher waren es nur 55 Prozent gewesen.

Ein rascher Eingriff ist eines der Schlüsselelemente, betonte Gaden: „Eine längere Zeit bis zur Operation erhöht nachweislich die Komplikationsrate in dieser Gruppe von Patienten, insbesondere das Auftreten von Lungenentzündungen oder Druckgeschwüren. Die präoperativen Beiträge des ortho-geriatrischen Teams zielen vor allem auf eine rasche Optimierung des Allgemeinzustands der älteren Patienten ab, damit sie möglichst schnell operiert werden können.“ Damit führe das Interventionsmodell zu einer Reduktion bei Komplikationen und Sterblichkeit, bei der Dauer des stationären Aufenthalts und bei den Kosten, so Gaden. „Ein ortho-geriatrischer Service, das haben unsere Erfahrungen gezeigt, verbessert ganz klar die Ergebnisse. Zentren, die Oberschenkelhalsfrakturen behandeln, sollte die Einführung eines solchen Behandlungskonzepts erwägen.“

Quelle: Pressemitteilung zum EFORT-Kongress 2013; Abstract 2395: The introduction of an orthogeriatric service to a large teaching hospital improves outcomes for elderly patients with a proximal femoral fracture.

springermedizin.de, Ärzte Woche 35/2013

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