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Diabetologie 21. August 2013

Zwischen Couch und Fernseher

Wii-Spielekonsole hilft Diabetikern, Gewicht und HbA1c-Wert zu verringern.

Durch die simple Bereitstellung einer Spielekonsole einschließlich eines interaktiven Bewegungsprogrammes gelingt es, bei zuvor körperlich inaktiven Patienten mit einer Diabetes-Erkrankung, ihr Gewicht, ihre Stoffwechseleinstellung und auch ihre Lebensqualität zu verbessern.

Prof. Dr. Stephan Martin und Dr. Kerstin Kempf vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum in Düsseldorf präsentierten die Ergebnisse ihrer randomisierten und kontrollierten Studie, die von Novartis und Nintendo unterstützt wurde, beim diesjährigen Jahreskongress der American Diabetes Association in Chicago.

Für übergewichtige Diabetiker ist regelmäßige Bewegung sowie eine Verringerung der Zufuhr von Kohlenhydraten das A und O der Behandlung. Das Problem dabei ist die Motivation, so Martin.

Das Prinzip beweisen: Bewegungsspiel mobilisiert

Mit seiner „proof of principle“-Studie beschritt er dabei neue Wege. „Viele inaktive Patienten verbringen viel Zeit vor Bildschirmen. Deshalb haben wir versucht, sie eben dort zur mehr Bewegung zu motivieren, ohne Änderung der Lebensgewohnheiten, erklärte der Diabetologe.

Studienpatienten waren 220 Diabetiker, die durchschnittlich 61 Jahre alt waren, einen Body Mass Index (BMI) von 34 aufwiesen und die mit Metformin und/oder DPP-4-Inhibitoren mit einem HbA1c von sieben Prozent gut eingestellt waren.

120 Patienten erhielten ohne weitere Instruktionen für drei Monate eine Spielkonsole Wii und ein dazugehöriges Balance-Board sowie das interaktive Bewegungsspiel Wii Fit Plus.

100 weiteren Patienten sagte man, dass sie drei Monate auf die Spielekonsole warten mussten. Solange dienten sie als Kontrollen. Anschließend wurde auch ihnen für drei Monate eine Wii zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis der einfachen Maßnahme war positiv, so Martin. Zum einen besserte sich die Stoffwechsellage, der HbA1c-Wert sank in den drei Monaten mit der Wii um 0,3 Prozent – und das bei bereits niedrigen Ausgangswerten. Beide Gruppen steigerten mit der Spielekonsole ihre körperliche Aktivität und verloren dadurch Gewicht, Gruppe 1 etwas mehr als ein Kilogramm, Gruppe 2 schließlich etwa zwei Kilo. Gleichzeitig besserten sich Lebensqualität, subjektives Wohlbefinden, Depressions-Scores und ein Score, der die Diabetes-spezifische Belastung erfasst. Das war klinisch relevant, so Martin.

Cave: Antidiabetika mit Hypoglykämie-Gefahr

Würde die Interaktion mit einem regelmäßigen Coaching bezüglich Belastungsart und Ernährung kombiniert, könnten die positiven Effekte mit verdoppelt werden, schätzt Martin.

Gerade für ältere Patienten seien interaktive elektronische Bewegungsspiele gut geeignet. Allerdings rät Martin darauf zu achten, dass bei zuvor körperlich inaktiven Patienten keine Diabetes-Medikamente mit Hypoglykämie-Gefahr eingesetzt werden. Unter Metformin und DPP-4-Hemmer wie Vildagliptin, die in der Studie verwendet wurden, besteht keine Unterzuckerungsgefahr.

springermedizin.de, Ärzte Woche 34/2013

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