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Chirurgie 29. April 2013

Minimal-invasive Therapie in der Gastroenterologie

Hohe Effektivität bei der Therapie des Zenkerdivertikels im oberen Ösophagus, der Achalasie und bei der Behandlung von Tumoren in der Wand des Gastrointestinaltraktes.

In keinem Gebiet der gesamten Medizin hat es in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine solche Verschiebung von offen chirurgischen Methoden hin zur minimal-invasiven endoskopischen, aber auch medikamentösen Therapie gegeben wie in der Gastroenterologie, betonten Experten im Rahmen einer Pressekonferenz des 119. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) im April in Wiesbaden.

Begonnen hat diese dramatische Entwicklung mit der endoskopischen Entfernung gutartiger Polypen im gesamten Gastrointestinaltrakt und der endoskopischen Steintherapie im Gallengang – beides bis dato eine Domäne der Chirurgie. Fortgesetzt wurde die Entwicklung mit der endoskopischen Blutstillung, zum Beispiel bei blutenden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren und der endoskopischen Behandlung von Varizen im Bereich der Speiseröhre und des Magens.

Auch die palliative Therapie stenosierender Prozesse, insbesondere in der Speiseröhre und der Gallenwege, wurde ebenso zur Domäne der endoskopischen Therapie wie die moderne Ernährungstherapie bei schluckgestörten Patienten, die mittels endoskopisch gelegter PEG-Sonde ernährt werden. Die Entdeckung der pathogenetischen Bedeutung des Helicobacter pylori-Keimes und dessen medikamentöse Beseitigung führte darüber hinaus zum „Aussterben“ der Ulkuschirurgie.

In der letzten Dekade hat neben der Optimierung der palliativen endoskopischen Tumortherapie die kurative endoskopische Resektion von frühen Karzinomen für Furore gesorgt. „Dies gilt insbesondere für den sogenannten „Wohlstandskrebs“, dem durch Säurerückfluss ausgelösten Krebs der Speiseröhre“, hob Prof. Dr. Christian Ell, Direktor der Klinik Innere Medizin II (Gastroenterologie, Hepatologie, Stoffwechsel, Endokrinologie, Diabetologie, Pneumologie, Infektiologie) und stellvertretender Leiter des Darm- und Pankreaskrebszentrums, HSK Dr. Horst Schmidt Klinik GmbH vom Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden hervor. Durch das Leitsymptom Sodbrennen und die verbesserte endoskopische Diagnostik ist es heutzutage möglich, Frühstadien des Speiseröhrenkrebses zu erkennen und diese dann einer minimal-invasiven endoskopischen Resektion zu unterziehen. Dieses Verfahren hat die klassische Zweihöhlen-Ösophagusresektion aufgrund seiner überzeugenden akuten und Langzeitergebnisse zur Reserve werden lassen.

In gleicher Weise können frühe Karzinome des Magens, des Dünndarms und auch des Dickdarms endoskopisch entfernt und ein aufwendiges offen chirurgisches Vorgehen vermieden werden.

Die Geschichte der minimal-invasiven Therapie in der Gastroenterologie ist aber noch längst nicht abgeschlossen. Neuere Entwicklungen zeigen eine hohe Effektivität bei der Behandlung des sogenannten Zenkerdivertikels im oberen Speiseröhrenbereich, der Behandlung der Achalasie und auch bei der Behandlung von Tumoren, die sich in der Wand des Gastrointestinaltraktes ausbilden (submuköse Raumforderungen).

Andererseits sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch in der Viszeralchirurgie eine starke Entwicklung hin zur minimal-invasiven Chirurgie in der letzten Dekade stattgefunden hat, sodass beide Fachbereiche immer mehr aneinander rücken und sich gegenseitig ergänzen und nicht miteinander konkurrieren. Aus diesem Grund gehört die Zukunft weder der Gastroenterologie noch der Viszeralchirurgie alleine, sondern der Viszeralmedizin.

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