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Liberation Treatment bewirkt keine Besserung der Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose.
 
Neurologie 13. April 2013

Venoplastie bei MS

Ein Eingriff an den Halsvenen bei Patienten mit multipler Sklerose hat schlechtere Ergebnisse erbracht als die Scheinbehandlung.

Bereits vor drei Jahren wurde erstmals vor dem als Liberation Treatment bekannten Eingriff gewarnt und darauf hingewiesen, dass die zugrunde liegende Venöse Stauungshypothese der MS (CCSVI) nicht haltbar ist.

Dennoch wurden bisher weltweit rund 30.000 Eingriffe vollzogen. Nun haben sich die Befürchtungen in der ersten randomisierten, kontrollierten und doppelblinden Studie bestätigt. „Wir fordern deshalb endgültig ein Verbot derartiger Eingriffe außerhalb klinischer Studien“, sagte Prof. Dr. Ralf Gold, St. Josef-Hospital, Bochum, am amerikanischen Neurologenkongress AAN. „Wir müssen MS-Patienten trotz ihrer großen Hoffnungen dringend davon abraten, das sogenannte Liberation Treatment in Anspruch zu nehmen“, warnt Prof. Dr. Hemmer, Neurologische Klinik der TU München.

Vermehrte Krankheitsaktivität nach Liberation Treatment

In der PREMiSe-Studie (Prospective Randomized Endovascular Therapy in MS) hatte man zunächst zehn Patienten endovaskulär behandelt, ohne dabei schwerwiegende Nebenwirkungen zu beobachten. Die nächsten 19 Patienten, deren Daten nun vorgestellt wurden, hatten nach dem Losverfahren entweder eine echte Venoplastie erhalten, bei der die innere Drosselvene (Vena jugularis interna) oder die Vena azygos mit einem Ballonkatheter aufgeweitet wurde, oder sie erhielten eine Scheinbehandlung, bei der lediglich der Katheter eingeführt wurde.

Nach sechs Monaten war der Allgemeinzustand von neun Patienten in der ersten Gruppe generell schlechter als bei den zehn Kontrollpatienten. Nach der Venoplastie war es zu vier MS-Schüben gekommen, verglichen mit nur einem Schub in der Kontrollgruppe. Die per Kernspintomografie vermessenen und für die MS typischen Läsionen im Gehirn der Patienten waren nach der aktiven Behandlung weder bezüglich Volumen noch Anzahl geringer als unter der Scheinbehandlung. Im Gegenteil zeigte sich hinsichtlich einiger Parameter ein starker Trend zu einer vermehrten Krankheitsaktivität nach der Venoplastie.

Positive Erwartung, negatives Ergebnis

Beachtenswert sind diese Ergebnisse nicht nur, weil das Liberation Treatment seit 2009 an weltweit etwa 30.000 MS-Patienten durchgeführt wurde, bevor man ihren Nutzen jetzt erstmals in einer randomisierten, doppelblinden Studie überprüft hat. Auch sind die zwei Studienleiter Prof. Dr. Robert Zivadinov und Dr. Adnan Siddiqui, beide von der University at Buffalo, USA, dafür bekannt, dass sie der CCSVI-Hypothese eher zugeneigt waren. Entsprechend verhalten fällt auch die Beurteilung aus: „Es war ziemlich das Gegenteil von dem, was wir erwartet haben. Die wichtigsten Resultate sind, dass die Behandlung zwar sicher war und es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gegeben hat, dass sie aber auch keine anhaltende Besserung bei den MS-Patienten bewirkt hat.“

Beide wandten sich gegen die gängige Praxis, die Venoplastie für Selbstzahler zum Preis von mehreren Tausend Euro anzubieten, solange es keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit gibt und zudem schwerwiegende Komplikationen bis hin zu Todesfällen aufgetreten sind.

Quelle : Siddiqui A et al.: AAN 2013; Abstract P04.273

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