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ERS 2012 14. September 2012

Müde am Steuer

Berufskraftfahrer verschweigen Schlafapnoe-Symptome aus Angst, ihre Lizenz zu verlieren.

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Bus-, Taxi- und Lkw-Fahrer, sowie auch Piloten sind sehr vorsichtig, wenn sie Angaben über ihre Schlafapnoe machen. Dies belegt eine Studie, die am Kongress der European Society (ERS) im September in Wien vorgestellt wurde.

 

Die Angst der Berufsfahrer ist nicht unberechtigt. Schließlich ist die obstruktive Schlafapnoe ein bekannter Risikofaktor für Verkehrsunfälle. Die konsequente Behandlung der Schlafapnoe mit CPAP (continuous positive airway pressure) stellt für Berufsfahrer ebenfalls häufig ein Problem dar: Schichtdienste, unregelmäßige Schlafzeiten und –orte gefährden die Adhärenz.


In der Studie wurden 37 Berufskraftfahrer mit Schlafapnoe und 74 Kontrollpatienten beobachtet. Alle wurden mit CPAP behandelt. Mittels Fragebogen (Epworth Sleepiness Score) wurde die Tagesschläfrigkeit in beiden Gruppen bewertet. Schon zu Beginn der Studie zeigte sich, dass die Kraftfahrer im Vergleich zu anderen Berufsgruppen iher Tagesschläfrigkeit mit etwa drei Punkten niedriger bewerteten, obwohl sie in der Nacht die gleichen Beschwerden hatten. Auch nach Ende der sechsmonatigen CPAP-Behandlung waren die Scores der Kraftfahrer um drei Punkte besser.

Symptome herunterspielen


Da nicht anzunehmen ist, dass CPAP bei Kraftfahrern um so viel effizienter ist als bei allen anderen Patienten, ziehen die Autoren den Schluss, dass die Fahrer ihre Symptome bewusst oder unbewusst herunterspielen. Die Ergebnisse zeigten außerdem, dass die Fahrer ihre CPAP nur in 75 Prozent der Nächte durchgeführt hatten, während die Kontrollgruppe es auf durchschnittlich 83 Prozent brachte.

Erstautor Dr. Werner Strobel aus Basel meint: “Berufsfahrer verharmlosen ihre Tagesschläfrigkeit aus Angst, ihren Job zu verlieren. Bei den beiden Patientengruppen in unserer Studie war die Häufigkeit der nächtlichen Schlafstörungen vergleichbar. Zu erwarten wären demnach ähnliche Werte der Tagesschläfrigkeit zu Studienbeginn.“ Zu Studienende wären sogar schlechtere Werte bei den Fahrern zu erwarten gewesen, da sie ihre Therapie nicht so konsequent durchgeführt hatten wie die Patienten der Kontrollgruppe. Die widersprüchlichen Resultate können daher nur eines bedeuten: Angaben zur Tagesschläfrigkeit von Berufskraftfahrern sind mit Vorsicht zu bewerten.


Quelle: “Differences between commercial vehicle drivers and other patients in symptoms of obstructive sleep apnoea and response to CPAP therapy”, Abstract P439, European Respiratory Society (ERS) Congress 2012, 1. September 2012, Wien

Christine Lindengrün, Ärzte Woche

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