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Das derzeitige Angebot an Rehabilitationsplätzen beschränkt sich auf die Steiermark und Oberösterreich.
 
Physikalische Medizin/Rehab 7. Jänner 2013

Kindgerechte Reha ist in Österreich Mangelware

Bundesweit fehlen 342 Betten. Die Vinzenz Gruppe plant eine neue Einrichtung für den Raum Wien.

Jedes Jahr stehen hunderte Eltern in Österreich vor dem Problem, dass ihre Kinder – etwa im Anschluss an Operationen – keine optimale Nachbetreuung erhalten. Der Grund: fehlende Rehabilitationsplätze für Kinder und Jugendliche.

Während die professionelle Nachversorgung für Erwachsene selbstverständlich ist, sind spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche nach wie vor Mangelware. Leidtragende sind die jungen Patienten - nur ein Bruchteil der Betroffenen kann an einem kindgerechten Rehabilitationsprogramm teilnehmen. Ein Umstand, auf den die „Initiative für Kinder- und Jugendlichenrehabilitation in Österreich“ bereits seit Jahren aufmerksam macht.

Eine aktuelle Studie der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) bestätigt den Handlungsbedarf: In Österreich fehlen 342 Rehabilitationsbetten für Kinder und Jugendliche. Besonders dramatisch ist die Lage im Osten Österreichs, wo es derzeit überhaupt kein eigenständiges Angebot gibt. Hier wird nun die Vinzenz Gruppe aktiv und plant – angrenzend an den Standort Orthopädisches Spital Speising – eine Rehabilitationseinrichtung für Kinder und Jugendliche, damit auch eine gute Nachbetreuung im Raum Wien gewährleistet ist.

Studie bestätigt Bedarf

Anders als in Deutschland oder der Schweiz sind Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche in Österreich noch längst nicht etabliert. Das derzeitige Angebot beschränkt sich auf 58 Betten für die Kinder- und Jugendrehabilitation, welche ausschließlich auf verschiedene Einrichtungen in der Steiermark und in Oberösterreich verteilt sind. Im Osten Österreichs gibt es noch keine einzige Einrichtung für Kinder- und Jugend-Rehabilitation. Zu diesem Ergebnis kommt der im Oktober veröffentlichte „Rehabilitationsplan 2012“, der von der GÖG in enger Zusammenarbeit mit medizinischen Experten im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger erstellt wurde.

Georg Ziniel, Geschäftsführer der GÖG, betont die Breite des Bedarfs: „Der Bedarf an Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche betrifft alle medizinischen Indikationen. Wir schlagen eine Schwerpunktsetzung in Rehabilitationseinrichtungen vor.“ Dazu bieten sich vier Bereiche an: Indikationen mit mobilisierendem Schwerpunkt (das sind vorwiegend Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats und im neurologischen Bereich), im kardio-pulmonalen Bereich (Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen), familienorientierte Reha für onkologische Patienten und Stoffwechselerkrankungen sowie psychosoziale Erkrankungen.

Den Bedarf bestätigt Prof. Dr. Franz Grill, Kinderorthopäde und ärztlicher Leiter des Orthopädischen Spital Speising. So müssen zum Beispiel Kinder mit Skoliosen an drei verschiedene Rehabilitationszentren nach Deutschland geschickt werden. „In Österreich gibt es für diese Kinder derzeit keine fachlich kompetente Rehaklinik, die diesen Versorgungsauftrag erfüllen kann“, sagt Grill. Die Eltern werden dadurch zusätzlich mit hohen Kosten belastet.

Besondere Anforderungen

„Die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Rehabilitation Erwachsener“, so Ziniel. Die spezifischen Anforderungen umfassen die baulichen Voraussetzungen, die Mitaufnahme von Begleitpersonen, die Gestaltung der Reha-Maßnahmen, die Freizeitgestaltung, die pädagogische Betreuung und nicht zuletzt die angemessene Erreichbarkeit. „Es ist naheliegend, Rehabilitationseinrichtungen für Kinder und Jugendliche in unmittelbarer Nähe bestehender Einrichtungen anzusiedeln, um medizinische und wirtschaftliche Synergien zu nutzen. Sie müssen aber als eigener Bereich geführt werden, der den spezifischen Anforderungen gerecht wird.“

Daher sollen die Betten für die Rehabilitation für Kinder und Jugendliche idealerweise in eigenen Einrichtungen, die speziell auf die Bedürfnisse der jungen Patienten ausgerichtet sind, angeboten werden. Beispielsweise sollen neben medizinischen Therapien auch pädagogische Betreuung, eine Schule und vor allem auch entsprechende Spiel-, Sport- und Freizeitangebote vorhanden sein. Genau dies ist in der geplanten Einrichtung der Vinzenz Gruppe vorgesehen.

Nachversorgung bleibt den Eltern überlassen

Der Mangel an Rehabilitationsbetten führt derzeit zu der Situation, dass ein Großteil der Kinder und Jugendlichen in Österreich nach akuten Eingriffen keine optimale Nachbetreuung erhält. Diese ist aber notwendig, um den Behandlungserfolg nachhaltig abzusichern. Die meisten Kinder werden jedoch nur ambulant – noch dazu in unzureichendem Ausmaß – versorgt. Die schwierige Aufgabe der Nachversorgung wird derzeit meist den Eltern überlassen. In Einzelfällen gelingt es zwar, eine Genehmigung für einen der wenigen Plätze der Einrichtungen in der Steiermark und in Oberösterreich zu erhalten. Meistens wird den Kindern jedoch keine optimale Nachversorgung geboten.

Breite Unterstützung, aber zu viele Hürden

Bereits seit langem herrscht Einigkeit über den dringenden Handlungsbedarf und das Anliegen wird breit unterstützt, z. B. im Rahmen des vom Gesundheitsministerium initiierten „Dialog Kindergesundheit“. Dennoch blieben alle bisherigen Pläne für die Kinder- und Jugend-Rehabilitation ohne konkrete Folgen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Im Gegensatz zu der Erwachsenen-Rehabilitation gibt es für Kinder und Jugendliche keine klare gesetzliche Regelung auf Anspruch - das erschwert rasche und unbürokratische Lösungen.

Eines der Hauptprobleme ist jedoch das Wirrwarr von Zuständigkeiten der Leistungsträger: Bei einer angeborenen Krankheit ist das Bundesland zuständig – bei einer später ausgebrochenen Krankheit die Krankenversicherung. Darüber hinaus hat es lange Zeit keine konkreten Bedarfszahlen gegeben. Die Bestätigung des Bedarfs durch den „Rehabilitationsplan 2012“ ist daher eine wichtige Grundlage für die Genehmigung von notwendigen Einrichtungen.

Neue Einrichtung für den Raum Wien in Planung

Die Vinzenz Gruppe verfügt bereits über Erfahrung in der Rehabilitation: Sie betreibt die Herz-Reha in Bad Ischl im Rahmen einer Kooperation mit der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und bietet an zwei Standorten (Orthopädisches Spital Speising und Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz) Angebote für eine ambulante orthopädische Rehabilitation an. Angebote zu einer ambulanten onkologischen Rehabilitation werden derzeit entwickelt.

Um die Versorgungslage für die betroffenen Kinder und Jugendlichen im Osten Österreichs zu verbessern, plant die Vinzenz Gruppe eine eigene Sonderkrankenanstalt für Rehabilitation für Kinder und Jugendliche. „Direkt angrenzend an den Standort Orthopädisches Spital Speising würde eine auf Kinder spezialisierte Einrichtung von zahlreichen Synergien profitieren und damit eine optimale und kindergerechte Betreuung der Patienten gewährleisten“, erklärt Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe. Auch die Infrastruktur – u. a. eine Heilstättenschule, das Schwimmbecken, ein physikalisches Institut, ein hoch spezialisiertes Ganglabor und Park- und Freizeitanlagen – könnte mitgenutzt werden.

Die zum Orthopädischen Spital gehörende Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie ist neben einer ähnlichen Abteilung in Graz die einzige Abteilung dieser Art in Österreich. „Daher wäre die neue Einrichtung auch bestens für die Nachbetreuung der in Speising oder in anderen Einrichtungen operierten kleinen Patienten geeignet“, sagt Heinisch.

Die Vinzenz Gruppe plant, für die Errichtung das nötige Gebäude zur Verfügung zu stellen. Allerdings sind die Adaptierungskosten und die laufende Finanzierung noch nicht geklärt. Heinisch: „Wir hoffen, dass die Finanzierungsfrage durch Verträge mit den zuständigen Leistungsträgern – der WGKK bzw. der Stadt Wien – bald sichergestellt werden kann.“

Vinzenz Gruppe, Ärzte Woche 1/2/2013

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