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Kardiologie 6. Oktober 2012

Nach linksanteriorem Infarkt

Ventrikel-Schirmchen gibt Herz seine elliptische Form zurück.

Mit einem Schirmchen, welches perkutan in der Spitze der linken Herzkammer positioniert wird, kann die Progression der Herzschwäche nach linksanteriorem Infarkt aufgehalten werden. Die 3-Jahres-Ergebnisse sind überwältigend, so die Studienautoren.

Bei Herzinfarkten, welche die linke Ventrikel-Vorderwand in Mitleidenschaft ziehen, beteiligen sich die Herzmuskelabschnitte rund um die Herzspitze nicht mehr an der Pumparbeit. Die Folge ist meist eine sich zunehmend verschlechternde Herzarbeit, berichtete Dr. William T. Abraham, Ohio State University in Columbus.

Denn das gesunde, pumpende Myokard zerrt das Herz in eine neue, weniger ökonomisch arbeitende längliche Form, was pathologische Remodelling-Prozesse zur Folge hat. Auf diese Weise entsteht in der Spitze des linken Ventrikels ein Areal mit vermindertem Blutfluss und erhöhter Thrombosegefahr.

„Parachute Ventricular Partitioning Device“

Gegen das Remodelling kann medikamentös nur bedingt vorgegangen werden, etwa mit Blockern des RAS-Systems. Bessere Chancen könnte ein interventionelles Vorgehen mit dem „Parachute Ventricular Partitioning Device“ bieten. Hierbei wird perkutan unter CT-Kontrolle ein Schirm-artiges Device in den linken Ventrikel eingebracht, mit der Spitze im Ventrikel-Apex verankert und so aufgespannt, dass der Raum in der Herzspitze abgetrennt wird.

Interventionell das Ventrikel-Remodelling bremsen

„Wir separieren das gesunde vom infarzierten Myokard, verkleinern das Ventrikel-Volumen und stellen auf diese Weise die elliptische Form der Herzkavität wieder her“, berichtete Abraham. Auf diese Weise wird auch die torsionsartige Kontraktion wieder verbessert, der enddiastolische Druck verringert und das Risiko von Arrhythmien reduziert, so der Referent.

Exzellente 3-Jahres-Ergebnisse

Wirksamkeit und Sicherheit dieser perkutanen Ventrikel-Restaurierung werden in einer Studie mit 52 Patienten mit ischämischer Herzinsuffizienz (EF: 15-40%) und dyskinetischer oder akinetischer linksanteriorer Ventrikelwand untersucht. Für 31 Patienten liegen nun 3-Jahres-Ergebnisse vor. Diese sind exzellent:

• Die Herzinsuffizienz besserte sich nach Einbringen des Ventrikelschirmes von NYHA 2,6 auf im Schnitt 1,6 nach einem Jahr und zeigte sich auch nach drei Jahren mit NYHA 1,8 deutlich gebessert.

• 30 Prozent der Patienten mussten innerhalb der ersten beiden Jahre nach dem Eingriff wegen Herzinsuffizienz hospitalisiert werden. Im dritten Jahr kamen lediglich 3 Prozent hinzu.

• Die Sterblichkeit lag nach zwei Jahren bei 6,5 Prozent und stieg im dritten Jahr nicht weiter an.

„Wenn wir diese Ergebnisse mit einem historischen medikamentös behandelten Kollektiv vergleichen, halbieren wir in etwa die Rate für Hospitalisierungen und Tod“, erörterte Abraham.

Thromboembolien

Tatsächlich wird der Raum hinter dem Schirm thrombotisch organisiert, während sich die Schirmoberfläche allmählich mit einer Epithelschicht überzieht. „Wir antikoagulieren 3 bis 6 Monate und geben anschließend Thrombozyten-Hemmer. Das Thromboembolie-Risiko ist eher niedriger als vor dem Eingriff.“, so Abraham.

www.springermedizin.de, Ärzte Woche 40/2012

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