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Molekulares Modell des monoklonalen Antikörpers Trastuzumab, HERA-Studie
 
Onkologie 1. Oktober 2012

ESMO 2012: Erfolgreich und anhaltend

Neue Studie: Einjahres-Behandlung von HER2/neu-positivem Brustkrebs genauso wirksam wie zweijährige Therapie.

Eine zweijährige Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab bringt keine Vorteile gegenüber einer einjährige Therapie bei Frauen mit HER2/neu-positivem Brustkrebs in einem frühen Stadium, die bereits eine initiale Behandlung mit – je nach Situation – Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie absolviert haben. Dieses Ergebnis der HERA-Studie zur optimalen Therapiedauer mit dem zielgerichteten Krebs-Medikament Trastuzumab wurde auf dem Europäischen Krebskongress ESMO 2012 vorgestellt.

 

„Diese lange erwarteten Ergebnisse bedeuten einen weiteren Meilenstein in der Behandlung von Patientinnen mit HER2/neu-positivem Brustkrebs in einem frühen Stadium, das entspricht etwa 10 bis 15 Prozent aller Fälle von Brustkrebs”, sagt dazu Prof. Dr. Christoph Zielinski (MedUni Wien, lokaler Gastgeber des ESMO 2012), der an der HERA-Studie nicht beteiligt ist.


Trastuzumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der bei bestimmten Formen von Brustkrebs mit vermehrter Ausbildung („Überexpression“) von HER2/neu verwendet wird. Trastuzumab bindet an den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor HER2/neu (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor) auf der Zelloberfläche von Krebszellen, wodurch deren Wachstum gehemmt wird.


HERA-Studie: Verlängerung der Trastuzumab-Therapie auf zwei Jahre verbessert Outcome nicht


Die HERA-Studie, die von der Breast International Group (BIG) seit 2001 betrieben wird, ist eine internationale, multizentrische randomisierte Phase III Studie mit 5.102 Teilnehmerinnen mit HER2/neu-positivem Brustkrebs in einem frühen Stadium. Nach der primären Therapie mit – je nach individueller Notwendigkeit – Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie wurden die Studienteilnehmerinnen in Untergruppen aufgeteilt: Trastuzumab-Infusionen alle drei Wochen über ein Jahr, über zwei Jahre, oder keine Trastuzumab-Behandlung.

Die Anteile von Patientinnen, die einen Rückfall erlitten, und die Gesamtüberlebensrate war in beiden Trastuzumab-Gruppen vergleichbar, berichtet Prof. Richard Gelber (Harvard Medical School und Dana-Farber Cancer Institute, Boston, MA, USA) auf dem ESMO 2012-Kongress.

Anhaltender Benefit

„Die Kernaussage für 2012 ist, dass die Einjahres-Behandlung mit Trastuzumab die Standard-Therapie für Patientinnen in einem frühen Stadium eines HER2/neu-positiven Brustkrebs ist.”
Die Forscher fanden auch heraus, dass der anhaltende Benefit des krankheitsfreien Überlebens und Gesamtüberlebens bei einer einjährigen Trastuzumab-Therapie gegenüber keinem Trastuzumab über durchschnittlich acht Jahre stabil blieb.

In beiden Trastuzumab-Armen waren rund 75 Prozent der Teilnehmerinnen nach acht Jahre Rückfalls-frei. „Dieser verlängerte Benefit beim krankheitsfreien Überleben und dem Gesamtüberleben bei einem Jahr Trastuzumab gegenüber keinem Trastuzumab ist beeindruckend’, sagt Prof. Gelber. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Benefit einer adjuvanten Trastuzumab-Therapie über die Zeit erhalten bleibt und nicht nach ein paar Jahren verloren geht. Patienten können davon ausgehen, dass ein Jahr Trastuzumab eine sehr wirksame Behandlung ist, die das Risiko von neuerlichem Krankheitsauftreten und Tod gegenüber keinem Trastuzumab um ein Viertel verringert.”

„Die Behandlung mit Trastuzumab auf zwei Jahre zu verlängern, verbesserte das Outcome gegenüber einer einjährigen Therapie nicht signifikant. Derzeit laufende Studien untersuchen, ob eine Kombination von Trastuzumab mit anderen anti-HER2/neu-Wirkstoffen wie zum Beispiel Pertuzumab oder Lapatinib Patientinnen mit HER2/neu-positive Brustkrebs in einem frühen Stadium einen zusätzlichen Benefit bringen.” sagt Prof Gelber.


„Der Fortschritt in der Behandlung von Patientinnen mit HER2/neu-positivem Brustkrebs in einem frühen Stadium war mit der Einführung von Trastuzumab als adjuvante Therapie eindrucksvoll und sehr erfolgreich. Das zeigte sich in den ersten Studien für die Einjahres-Therapie mit Trastuzumab und führte zu einer hochsignifikanten Verlängerung des Progressions-freien Überlebens und des Gesamtüberlebens. Natürlich stellte sich die Frage, ob eine Therapieverlängerung auf zwei Jahre zu noch besseren Ergebnissen als die bereits erzielten führen könnte. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass das nicht der Fall ist.” kommentiert Prof. Zielinski die aktuellen Studienergebnisse. „Diese Ergebnisse bestätigen uns, dass Patientinnen in bestmöglicher und kosteneffizienter Weise behandelt werden. Der zweitgenannte Gesichtspunkt ist bedeutsam, weil Krankheitsrückfälle bei Patientinnen nicht nur zu Leid und Tod führt, sondern auch enormen Kosten für die Gesellschaft bedeuten.”

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