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Onkologie 26. September 2012

ESMO 2012: Wettbewerbsfähige heimische Krebsforscher

OeGHO-Präsident Gastl: Österreichische Krebsforscher international wettbewerbsfähig – Ausbildung von Onkologen weiter optimieren.

 

 „Beim Zugang von Krebspatienten/-innen zu modernen Therapien sind wir in Österreich im Vergleich zu vielen anderen Ländern in einer hervorragenden Position“, betonte im Vorfeld des Europäischen Krebskongresses ESMO 2012 Prof. Dr. Günther Gastl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie (OeGHO), Medizinische Universität Innsbruck.

 

„Unter dem Druck von Sparbudgets in ganz Europa beobachten wir in immer mehr Ländern Restriktionen beim Zugang zu Krebsmedikamenten. Zum Glück kennen wir so etwas in Österreich nicht. Dieses hervorragende Niveau gilt es unbedingt zu halten.“

Ausbildung von Krebsspezialisten weiter optimieren


Die hohe Qualität der onkologischen Versorgung laufend weiter auszubauen gehört zu den wichtigen Zielen der OeGHO – dies gilt auch für die Ausbildung der österreichischen Krebsspezialisten/-innen. Rund 300 Mediziner/-innen in Österreich verfügen derzeit über die drei Jahre dauernde Zusatzausbildung „Hämatologie und Onkologie“, die auf eine fünfjährige internistische Ausbildung aufbaut.


„Wir haben jetzt ein Konzept für eine reformierte Ausbildung entwickelt, das insgesamt die achtjähriger Ausbildungszeit nicht verlängert, aber den Schwerpunkt noch stärker in Richtung medizinische Onkologie verlagern soll“, so Gastl. „Medizinische Onkologinnen und Onkologen verfügen dank einer speziellen Ausbildung über besondere fachliche, soziale und psychoonkologische Kompetenzen, sind auf moderne Behandlungskonzepte der medikamentösen Tumortherapie besonders spezialisiert und daher durch ihre Expertise in allen Tumorboards unverzichtbar. Mit der Reform wollen wir die Ausbildung auch weiter an in anderen europäischen Ländern verbreitete Modelle heranführen, wo das Konzept von Medizinischen Onkologinnen und Onkologen stärker implementiert ist. Derzeit haben Österreicherinnen und Österreicher mitunter das Problem, dass ihre Spezialausbildung in Europa nicht anerkannt wird und sie in ihrer fachlichen Mobilität behindert sind.“

Um den Austausch zwischen Krebsspezialisten in Europa weiter zu fördern, hat die OeGHO kürzlich eine Kooperationsvereinbarung mit der European Society for Medical Oncology (ESMO) unterzeichnet.

Aktive österreichische Krebsforscher/-innen

In der Forschung sind österreichische Krebsspezialisten/-innen im internationalen Wettbewerb vorne mit dabei. Das zeigt schon die Präsenz österreichischer Studien auf dem Europäischen Krebskongress ESMO 2012. „34 Forschungsarbeiten aus Österreich oder mit österreichischer Beteiligung wurden aus den eingereichten Arbeiten zur Präsentation beim Kongress ausgewählt“, berichtet Gastl. „Zum Vergleich: Aus Deutschland sind es rund 70.“

Neue EU-Direktive soll klinische Prüfungen von Medikamenten erleichtern

Weitere wichtige Impulse für die Krebsforschung – nicht nur in Österreich – erwartet  Gastl von der durch die EU-Kommission vorgeschlagenen neuen Richtlinie über klinische Prüfungen, die bereits 2014 in Kraft treten könnte.

„Klinische Prüfungen ermöglichen unseren Patienteninnen und Patienten Zugang zu den allerneuesten Behandlungsmethoden und sind nicht nur für die Entwicklung neuer Arzneimittel entscheidend, sondern vor allem auch für die Verbesserung und den Vergleich bereits zugelassener Medikamente“, so der OeGHO-Präsident.

Doch der hohe finanzielle, administrative und regulatorische Aufwand bereitete in der Vergangenheit Forschern/-innen vor allem bei Hersteller-unabhängigen, akademischen Studien häufig Probleme. Zwischen 2007 und 2011, zeigen aktuelle Zahlen der EU-Kommission, ging Europa-weit die Zahl klinischer Prüfungen von über 5.000 um 25 Prozent auf 3.800 zurück.


„Das neue Regelwerk wird unter anderem das Verfahren für die Genehmigung klinischer Prüfungen vereinfachen, auch die Dokumentation wird erleichtert, indem Forscherinnen und Forscher nicht mehr getrennt bei verschiedenen Stellen und Mitgliedstaaten weitgehend identische Informationen vorlegen müssen“, betont Prof. Gastl. „Damit werden die Kosten sinken, und unabhängige Studien haben gegenüber kommerziellen Studien bessere Chancen. Von dieser verbesserten Möglichkeit, Medikamente auch nach ihrer Zulassung noch ausführlicher zu erforschen, profitieren besonders unsere Patienteninnen und Patienten.“

Information
Auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO 2012) kommen zwischen 28. September und 2. Oktober mehr als 16.000 Teilnehmer aus über 120 Ländern in Wien zusammen.

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