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Weniger Therapie bei Herzinsuffizienz für Frauen, als für Männer: dennoch gleiches Sterblichkeitsrisiko
 
Kardiologie 27. August 2012

ESC 2012: Genderaspekte der akuten Herzinsuffizienz

Akute Herzinsuffizienz bei Frauen: Weniger Therapie, gleiches Sterblichkeitsrisiko



Frauen, die mit akuter Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus aufgenommen werden, haben ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko wie Männer, werden aber weniger intensiv therapiert. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Daten eines großen internationalen Registers, die heute auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert wurden. Von 25. bis 29. August treffen Herzspezialisten aus aller Welt zu diesem weltweit führenden Kongress in der Herzmedizin zusammen.



Die Analyse basiert auf dem Acute Heart Failure Global Registry of Standard Treatment (ALARM-HF), untersucht wurden die Daten von insgesamt knapp 5.000 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz in neun Ländern. 37 Prozent der Patienten waren Frauen. Bei vielen der untersuchten Parameter fanden die Forscher deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, berichtete in München Studienautor Dr. John T. Parissis von der Universität Athen: Geschlechterdifferenzen fanden die Forscher bei Symptomen, Begleiterkrankungen, auslösenden Faktoren für die akute Herzschwäche und Behandlungsmustern. Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab es bei der Dauer des Klinikaufenthalts sowie der Sterblichkeit.

Plus und Minus für Frauen


„Dass Frauen eine bessere Ejektionsfraktion haben und seltener unter einer koronaren Herzkrankheit leiden, dürfte ihre Lebenserwartung positiv beeinflussen“, so Dr. Parissis. „Andererseits scheint das Vorhandensein anderer schwer wiegender Begleiterkrankungen und die Tatsache, dass wichtige Medikamente wie Betablocker Frauen weniger häufig verschrieben werden, diesen Vorteil wiederum in negativer Weise auszugleichen. Das dürfte erklären, warum letztlich das Sterblichkeitsrisiko bei beiden Geschlechtern gleich hoch ist.“
Kardiologin Lang: „Europäische Behandlungsrichtlinien frauenspezifisch anwenden.“

Ziel: Frauenspezifische Behandlung



„Die Daten aus diesem grossen Register zeigen erneut, dass kardiovaskuläre Erkankungen, insbesondere die Herzinsuffizienz, bei Frauen anders sind als bei Männern. Das begründet sich auf die Krankheitsursachen und auch auf deren Behandlung. Ziel moderner Kardiologie muss sein, die europäischen Behandlungsrichtlinien frauenspezifisch anzuwenden“, so Prof. Dr. Irene Lang (Universitätsklinik für Kardiologie, MedUni/AKH Wien)

Einige der signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen mit akuter Herzinsuffizienz waren bei der Aufnahme in das Krankenhaus durchschnittlich älter als ihre männlichen Leidensgenossen und öfter als diese erstmals mit der Diagnose Herzschwäche konfrontiert. Frauen hatten halb so oft wie Männer einen kardiogenen Schock, aber doppelt so oft eine Rechtsherzschwäche. Frauen wiesen auch einen höheren systolischen Blutdruck und eine höhere Herzfrequenz auf. Die Mehrheit der Frauen hatte eine erhaltene Ejektionsfraktion. Die Ejektionsfraktion beschreibt den Prozentsatz des Blutvolumens, der von einer Herzkammer während einer Herzfraktion ausgeworfen wird, je besser sie erhalten ist, desto günstiger ist das.

Begleiterkrankungen



Was die beobachteten Begleiterkrankungen angeht, so hatten Frauen häufiger Vorhofflimmern, Herzklappenerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Anämie und Depression. Weniger oft als Männer hatten sie geraucht oder litten an Herzmuskelerkrankungen, einer koronare Herzerkrankung, ungünstigen Blutfettwerten, Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Deutliche Unterschiede in der Behandlung


Deutlich unterschieden sich die Geschlechter laut ALARM-HF-Register bei der Behandlung: Zum Zeitpunkt der Krankenhaus-Aufnahme nahmen Frauen weniger häufig als Männer Angiotensin-Rezeptoren-Blocker, Beta-Blocker, Aspirin oder Clopidogrel. Aufgrund des bei Frauen häufiger vorhandenen Vorhofflimmerns nahmen Frauen öfter als Männer Digitalis oder Vitamin K-Antagonisten. Beatmungs-Behandlungen erhielten Frauen und Männer gleich oft, Eingriffe wie Katheter-Interventionen, Bypass-Operationen oder intraaortale Ballonpumpen wurden an Männern deutlich öfter als an Frauen vorgenommen.

Quelle: ESC Abstract P1949: Parissis et al, Gender-related treatments and co-morbidities in patients with acute heart failure

 

Europäischer Kardiologenkongress (ESC 2012)

München, 25. bis 29. August 2012

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