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�RG 2012 24. September 2012

ÖRG 2012: Intervention im Abdomen

Nicht nur für Diagnostik und Stadienbestimmung von Tumoren im abdominalen Raum ist die Radiologie essenziell, auch bei der Behandlung solcher Erkrankungen spielt sie mittlerweile eine wichtige Rolle.

Die medizinische Bildgebung spielt bei der Diagnostik fast aller Tumorerkrankungen eine entscheidende Rolle. Während bei Tumoren des Magen-Darmtraktes die endoskopische Spiegelung die diagnostische Methode der Wahl ist, sind für Tumorerkrankungen der soliden Organe des Bauchraumes radiologische Methoden essenziell. Auch in der Therapie dieser Erkrankungen spielt die Radiologie mittlerweile einen wichtigen Part.

Bei der Diagnostik und Stadienbestimmung von Tumoren im abdominalen Raum kommen je nach Tumorentität und Lokalisation unterschiedliche Methoden zum Einsatz. Es stehen dabei prinzipiell Sonographie, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronen-Emissionstomographie/CT (PET/CT) zur Verfügung.

„Während die Sonographie häufig für die Erstdiagnose als rasch verfügbare und preiswerte Untersuchungsmethode eingesetzt wird, ist diese für die genaue Diagnostik und vor allem das Staging meist nicht ausreichend. Hier hat sich in den letzten Jahren die Kontrastmittel-verstärkte Multidetektor-Computertomographie als Methode der Wahl etabliert. Die MRT ist bei manchen Tumoren (Leber, Eierstöcke, Gebärmutter) der CT hinsichtlich des Gewebekontrasts überlegen“, so Prof. Dr. Wolfgang Schima, Vorstand der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Vinzenzgruppe.

Behandlung von Leberzellkrebs

Das hepatozelluläre Karzinom entsteht fast immer in Folge einer bestehenden Leberzirrhose, welcher oft eine chronische Leberentzündung, Hepatitis B oder C, oder Alkoholabusus vorhergeht. Leberzellkrebs verursacht in seinem Frühstadium keinerlei Beschwerden, weshalb die Krankheit auch oft erst in einem späten oder finalen Stadium erkannt wird. Bei Patienten mit Leberzirrhose ist es daher dringend zu empfehlen, alle sechs bis zwölf Monate eine dementsprechende Kontrolle mittels Sonographie durchzuführen, um den Krebs bereits in seinem Frühstadium zu entdecken und behandeln zu können. Zur Behandlung des hepatozellulären Karzinoms haben sich neben der Operation und der Lebertransplantation mittlerweile auch radiologisch interventionelle Methoden als Alternativen etabliert. Grundsätzlich sind dabei zwei Vorgehensweisen möglich.

Eine ist die perkutane Zerstörung des Tumors durch von außen eingebrachte Sonden, welche die betroffenen Zellen mittels Radiofrequenzablation, Laser oder Mikrowelle abtöten. „Dieses Verfahren ist für Tumore mit einer Größe bis 3cm sehr zuverlässig. Nach Radiofrequenzablation eines hepatozellulären Karzinoms bis 3cm ist die 3-Jahresüberlebensrate etwa 60 bis 80 Prozent. Das sind ermutigende Ergebnisse, vor allem da die Patienten oft ja auch an einer eher fortgeschrittenen Leberzirrhose leiden. Es wird daher bereits überlegt, ob die Radiofrequenzablation nicht die Operation als Standardtherapie beim kleinen hepatozellulären Karzinom ersetzten soll“, so Schima.

Die zweite Möglichkeit besteht in der Embolisation von hepatozellulären Karzinomen durch über die Leiste eingebrachten Mikrokatheter. Nach der Lokalisation des tumorversorgenden Blutgefäßes wird ein hoch dosiertes Chemotherapeutikum direkt in den Tumor appliziert. Diese Methode eignet sich vor allem dann, wenn das Karzinom aus mehreren Herden besteht. Eine Kombination beider Methoden zur Steigerung der Effektivität ist möglich.

Radiofrequenzablation bei größeren Tumoren

Bei der Radiofrequenzablation werden Tumore durch das Einbringen von Hitze erzeugenden Sonden zerstört, wobei hierbei als Grundregel bisher eine maximale Tumorgröße von 3cm galt. Eine von Prof. Dr. Reto Bale, Leiter der Sektion Mikroinvasive Therapie an der Medizinischen Universität Innsbruck, entwickelte Methode bedient sich nun mehrerer Sonden, die computergesteuert in den Körper eingebracht werden, womit auch Tumore mit größerem Volumen zerstört werden können.

„In einer rezenten Studie konnte Bale zeigen, dass mit diesem Verfahren auch Lebermetastasen mit einem Durchmesser von über 5cm vollständig zerstört werden können. Das Risiko, durch unvollständige Tumorzerstörung am Ablationsrand ein Lokalrezidiv des Tumors zu erleiden, war bei Tumoren über 5cm Durchmesser gegenüber kleinen Metastasen unter 3cm nicht erhöht“, berichtet Schima.

Elektroporation: Strom statt Hitze

Die technisch bedingte Limitation der Radiofrequenzablation besteht darin, dass aufgrund der Hitzeentwicklung Tumornester, die nahe an großen Blutgefäßen gelegen sind, oft nicht vollständig zerstört werden können. Ebenso besteht die Gefahr einer Fistelbildung an den Gallenwegen neben dem Tumor, wiederum verursacht durch die Hitzeeinwirkung.

Eine neue Methode, die sogenannte Elektroporation, zeigt vielversprechende Resultate und verursacht aufgrund des Einsatzes von Strom anstelle von Hitze deutlich weniger Schaden am umliegenden Gewebe. Bisher liegen noch keine größeren Patientenstudien und auch keine Langzeitergebnisse vor, die vorliegenden Einzelergebnisse sind aber sehr vielversprechend.

Bessere Chancen mit Hybrid Imaging

Unter Hybrid Imaging versteht man die Kombination zweier Methoden, die Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen, in einem einzigen Gerät. In der Regel handelt es sich dabei um eine radiologische und eine nuklearmedizinische Methode, die einander hinsichtlich der Information, die sie über krankhafte Veränderungen liefern, ergänzen.

Die derzeit am weitesten verbreitete Technik ist die Kombination von Positronen-Emissionstomographie (PET) und CT in Form eines PET/CT Hybridgerätes. Die PET bietet dabei funktionelle Information, z. B. über den Stoffwechsel eines Tumors, wohingegen die CT detaillierte anatomische Information liefert.

Ein ähnliches, aber weniger weitverbreitetes Hybridverfahren ist die Kombination der Einzelphotonen-Emissionstomographie (SPECT) mit der CT in einem SPECT/CT-Hybridgerät, welche über eine geringere räumliche Auflösung und über Kameras mit geringerer Sensitivität verfügt.

Neue Kombination: PET/MRT

Neu auf dem Markt ist die PET/MRT, also die Kombination von PET und Magnetresonanztomographie. Bei dieser Kombination gab es lange Zeit technische Schwierigkeiten in Hinblick auf die Realisierung eines Hybridgerätes, da wesentliche Bestandteile des PET-Gerätes (die Photodetektoren) zu empfindlich gegenüber dem starken Magnetfeld des MRT-Gerätes waren. Erst vor kurzem gelang ein technischer Durchbruch, sodass PET/MRT-Geräte nun auf dem Markt erhältlich sind. Die Anschaffung eines solchen PET/MRT-Gerätes ist auch seitens der Medizinischen Universität Wien geplant, wodurch Wien zu einem der ersten Standorte weltweit werden würde.

Vor allem Patienten mit bösartigen Tumoren profitieren von der Fähigkeit der Hybridverfahren, frühzeitig Aussagen über die Wirksamkeit der Behandlung, z. B. einer Chemotherapie, treffen zu können. Bleiben beispielsweise Zelldichte (indirekt erfasst über die Beweglichkeit der Wassermoleküle in der diffusionsgewichteten MRT) und Stoffwechselaktivität (in der PET) eines Tumors trotz mehrwöchiger Therapie unverändert hoch, oder nehmen sie sogar zu, so wird der betreuende Onkologe das Behandlungsschema intensivieren oder verändern. Nehmen Zelldichte und Stoffwechselaktivität hingegen deutlich ab, so kann die Dauer der Therapie aufgrund des guten Ansprechens möglicherweise verkürzt werden.

Quelle: Presseaussendungen zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Radiologie (ÖRG), Graz, 13.-15. September 2012 

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