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Dermatologie 29. Oktober 2011

WeltPsoriasisTag: Nicht nur die Haut retten

Eine gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist gerade bei Schuppenflechte wichtig. Menschen mit Psoriasis haben ein erhöhtes Risiko für etliche innere Erkrankungen. Da viele Psoriasis-Patienten aber in einem Alter sind, da sie vielleicht noch nicht an drohende Organschäden denken, spielen Dermatologen eine umso wichtigere Rolle, denn ihre Expertise liegt nicht nur darin, die sprichwörtliche Haut zu retten, sondern sie sind oft die Ersten, die bei den Betroffenen das Risiko einer assoziierten Krankheit erkennen. Hilfreich wären in diesem Zusammenhang auch Patientenschulungen. Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) will diese fördern.

Die neue Psoriasis-Leitlinie der AAD1 (American Academy of Dermatology) kommt zum Schluss, dass Patientenschulungen und das Pflegen einer guten Beziehung zwischen Arzt und Patient für eine optimale Psorisasis–Behandlung essenziell ist. Dermatologen seien schließlich in der einzigartigen Lage, den Beginn von Komorbiditäten, die mit Psoriasis assoziiert sind, frühzeitig identifizieren zu können, heißt es in der Richtlinie. Dieses Hautleiden sei vorwiegend eine Erkrankung des jüngeren Alters und daher gehörten Dermatologen zu den wenigen Ärzten, die diese jungen Patienten regelmäßig sehen.

„Im Hinblick darauf sollten alle Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis nachdrücklich dazu ermutigt werden, eine dauerhaftes und gutes Verhältnis zu ihrem Arzt zu entwickeln, sodass mögliche Komorbiditäten vermieden oder zumindest früh diagnostiziert und behandelt werden, um Organschäden möglichst gering zu halten“, raten Prof. Dr. Reva Bhushan (AAD, Illinois, USA) und ihre Arbeitsgruppe.

ÖGDV befürwortet Schulungen

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie befürwortet schon seit einiger Zeit Patientenschulungen für Menschen mit Psoriasis. Diese Art der umfassenden Patienteninformation hat sich schon bei Neurodermitis als erfolgreich erwiesen. Denselben Erfolg verspricht man sich auch von einer Psoriasisschulung: Wie die Past-Präsidentin der ÖGDV, Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, anlässlich des Welt-Psoriasis-Tages im letzten Herbst schon sagte, lernen gut informierte und aufgeklärte Patienten leichter, mit ihrer Hauterkrankung umzugehen. Außerdem würden Patientenschulungen zu einer verbesserten Krankheitsbewältigung beitragen und Maßnahmen zur Selbsthilfe übermitteln. Ausreichende und hochwertige Information sei vor allem auch in Bezug auf die Therapietreue sehr wichtig.

Ein Beispiel: Eine Patientin hat berichtet, dass ihr am Anfang die Kortisonbehandlung noch geholfen habe, dann hätte sich jedoch ihre Haut verschlechtert. Seither verweigert sie Kortisonopräparate konsequent. „Was der behandelnde Arzt versäumt hat, ist, der Patientin das Prinzip der Rotationstherapie zu erklären“, kommentiert Volc-Platzer. „Es ist seit langem bekannt, dass das Ansprechen der Psoriasis nach einer gewissen Therapiedauer nachlassen kann. Dann ist ein Wechsel auf eine andere Therapieform angezeigt, wie lokale Vitamin-D3-Analoga (Calcipotriol) oder Bestrahlungen mit UV-Licht.“

Wichtig sei aber die Information, dass der Wechsel nicht bedeute, dass die vorangegangene Therapie schlecht oder ungeeignet gewesen war, vielmehr sei eine gewisse Gewöhnung an bestimmte Präparate eingetreten und nach einer Zeit der Karenz könne das volle Ansprechen wiederhergestellt werden. Patientenschulungen könnten solche Verunsicherungen auf Seiten der Patienten von vornherein und immer wieder verhindern. Der ÖGDV sei es daher ein Anliegen, solche Schulungen mitzuentwickeln und zu forcieren, so Volc-Platzer.

 

1 Menter, A. et al.: JAAD 2011; doi:10.1016/j.jaad.2010.11.055

Mag. Patricia Herzberger
, Ärzte Woche 12 /2011

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