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Abb. 1: Eckdaten des Screenings (die jeweiligen Zahlen entsprechen jeweils einer Summation der Einzelwerte aus den Jahren 2003-2008)

Abb. 2: Ergebnisse der Koloskopien (CA = Karzinom, HGD = high grade Dysplasie [= IEN], HR = High-Risk-Polyp, LR = Low-Risk-Polyp, HYP = hyperplastischer Polyp)

 
Gastroenterologie 6. Juni 2011

Burgenland gegen Dickdarmkrebs

Überblick über B-Predikt (Burgenland Prevention Trial of Colorectal Cancer Disease With Immunological Testing).

„Dickdarmkrebs ist rechtzeitig erkannt heilbar, ja sogar vermeidbar.“ Ein Slogan, der von einem Teil der Bevölkerung noch nicht verstanden oder akzeptiert wird.

Wir möchten unsere Bemühungen zur Akzeptanz dieses Slogans in Burgenland darstellen. Wir, das sind das Land Burgenland mit dem Herrn Landesrat Dr. Peter Rezar, die Ärztekammer, die Sozialversicherungen, die Bgld. Krankenanstalten GesmbH, der Konvent der Barmherzigen Brüder Eisenstadt, die Gemeindebünde und der Städtebund, die Patientenanwaltschaft, Österreichische Krebshilfe Burgenland sowie die Projektleiter Dr. Karl Mach und Dr. Gernot Leeb.

Inzidenz senken

Wir haben es uns zum Ziel gemacht, die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms zu senken. Die Zielgruppe für unser Screening ist die gesamte Population des Burgenlandes zwischen 40 und 80 Jahren. Seit 2003 werden etwa 145.000 BurgenländerInnen im Jahr in eine Vorsorgekampagne einbezogen. Mittels Stuhlproben wird auf okkultes Blut getestet. Alle Burgenländer im Alter zwischen 40 und 80 Jahren bekommen jährlich die Möglichkeit, sich auf okkultes Blut testen zu lassen. In den Jahren 2003 bis 2009 wurde der qualitative Immocare-Test, der von den Hausärzten ausgewertet wurde, verwendet. Seit 2010 verwenden wir den quantitativen Test OC-Sensor der Firma Mast Diagnostika. Mit unserer Screeningmethode erreichen wir im Burgenland in unserer Zielgruppe eine jährliche Teilnahmerate von 33,6 %. Über die Hälfte der BurgenländerInnen haben sich mindestens einmal in unserem Programm auf okkultes Blut testen lassen.

Logistik

Die Terminplanung für den Stuhltest in den einzelnen Gemeinden erfolgt über das Jahr verteilt durch eine Mitarbeiterin der BGKK. Sie erhält die Adressen vom Hauptverband und lässt sie von den jeweiligen Gemeindebediensteten korrigieren und aktualisieren. Danach werden die Adressen an eine Logistikfirma weitergegeben, welche die von der Fa. Mast erhaltenen Proberöhrchen mit Name und Strichcode versieht, und zusammen mit einer Testanweisung verpackt an die Gemeinden des Burgenlandes aussendet. Entsprechend der Wünsche der Gemeinden sind die Röhrchen alphabetisch oder nach Straßen geordnet. Die Zustellung der Stuhltests erfolgt persönlich durch Gemeindebedienstete. In den Gemeinden stehen Sammelstellen zur Abgabe der abgegebenen Proben zur Verfügung. Die gesammelten Teströhrchen werden zum Gemeindearzt gebracht, der die Teströhrchen überprüft, sie mit seinem Stempel versieht und sie mit einem etablierten Abholdienst der Laborgemeinschaften an das Laborinstitut Dr. Lang weiterleitet. Dort erfolgt die maschinelle quantitative Auswertung der Proben in Pikogramm der Hämoglobin-antikörper.

Konsequenzen einer positiven Probe

Proben mit einem Hämoglobinantikörperanteil von über 50 Pikogramm werden als positiv bezeichnet. Der Hausarzt verständigt seine positiven Teilnehmer, die zu Patienten geworden sind und über die kurative Verrechnung laufen. Fremdpatienten werden an den zuständigen Kollegen weitergegeben. Die Patienten werden in die Ordination gebeten, um mit ihnen die Koloskopie in einem Krankenhaus oder bei einem niedergelassenen Endoskopiker zu planen. Nach Erhalt dieser Daten erfolgt die Honorierung über die BGKK. Leider kamen von den 20.968 positiv getesteten nur 65 % innerhalb eines Jahres zur Koloskopie, 75 % werden zumindest einmal untersucht.

Standardisierte Koloskopie

Die Dokumentation der Koloskopie erfolgt nach einem standardisierten Protokoll, sowohl im stationären wie niedergelassenen Bereich wird mittels Dokumen- tationssystem der ÖGGH dorthin weitergeleitet. Dies ist möglich, weil alle Krankenanstalten und freiberuflichen Endoskopiker bei der Qualitätskontrolle der ÖGGH zertifiziert sind.

Leistung des Screenings

Durch das laufenden Screening im Burgenland konnten 208 Personen mit der Diagnose Karzinom, 139 mit hochgradiger Zellatypie, 4.478 Personen mit Polypen, 1.648 Träger von Hochrisikopolypen, 2.014 Personen mit Adenomen entdeckt, und einer weiterleitenden medizinischen Behandlung zugeführt werden (Eckdaten des Programms und Ergebnisse siehe Abb. 1 und 2). Die Finanzierung unserer Aktion erfolgt über das Budget des Landes Burgenland in der Höhe von € 320.000,-- jährlich. In den Jahren 2003–2010 wurden über 900.000 Teströhrchen ausgegeben, etwa 300.000 retourniert, wobei etwa 28.000 positiv waren.

Zur Person
OA Dr. Karl Mach
Interne Abteilung, Gastroenterologie und Hepatologie
Landeskrankenhaus Oberpullendorf
Spitalstraße 32
7350 Oberpullendorf
Fax: ++43/5/7979-34902
E-Mail:
Zur Person
Dr. Gernot Leeb
Interne Abteilung, Gastroenterologie und Hepatologie
Landeskrankenhaus Oberpullendorf
Spitalstraße 32
7350 Oberpullendorf
Fax: 0043/5/7979-34902
E-Mail:

Karl Mach und Gernot Leeb, Oberpullendorf, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 7/2011

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