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Diabetologie 31. Mai 2011

Langerhans-Inseln verpflanzen

Option bei Diabetes-Typ-1-Patienten, die unter schweren Komplikationen leiden.

Weltweit wird nach Therapien für den Diabetes mellitus Typ 1 geforscht. Ein chirurgischer Ansatz besteht darin, insulinproduzierende Zellen in die Leber zu implantieren. Die sehr selten durchgeführte Inseltransplantation ist eine Option für Patienten mit Typ-1-Diabetes, die trotz optimalen Diabetes-Managements unter schweren Komplikationen, insbesondere Unterzuckerungen, leiden. Weitere Forschungsarbeit soll es ermöglichen, zukünftig Stammzellen oder gentechnologisch veränderte Zellen einzusetzen. Aktuelle Erkenntnisse in der Transplantationsmedizin waren Thema mehrerer Veranstaltungen des 128. Chirurgenkongresses, der vom 3. bis 6. Mai 2011 in München stattfand.

 

Die heutige Diabetestherapie hat Lebensdauer und Lebensqualität von Typ-1-Diabetes-Patienten entscheidend verbessert. Alternative Therapieansätze müssen sich an diesem hohen Standard messen. Allerdings ist es mit der herkömmlichen Diabetesbehandlung nicht möglich, die Stoffwechselerkrankung zu heilen. Und es gibt Patienten mit Typ-1-Diabetes, bei denen es trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, stark schwankende Blutzuckerwerte zu stabilisieren oder schwere Komplikationen des Diabetes wie Unterzuckerungen zu vermeiden. Dies könnte zukünftig vermehrt mit chirurgischen Therapien möglich sein.

Biologische Insulin-Ersatztherapie

Einer der Ansätze ist, aus der Bauchspeicheldrüse eines Organspenders insulinproduzierende Langerhans-Inseln zu gewinnen und diese Zellen isoliert zu transplantieren. Dabei wird das aufbereitete Gewebe über einen Katheter in die Pfortader der Leber eingeschwemmt. Die Inseln siedeln sich dann als „Mini-Organ“ in der Leber an und produzieren Insulin.

„Einer der Vorteile ist, dass die Inseltransplantation als minimalinvasives Verfahren wesentlich weniger Operationsrisiken hat als beispielsweise eine Pankreastransplantation“, so Prof. Dr. Hans-Detlev Saeger vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Allerdings ist auch bei dieser Therapieform eine lebenslange Immunsuppression notwendig und die implantierten Zellen produzieren meist nicht ausreichend Insulin, um eine komplette Heilung zu erzielen. Die Behandlung wird in Dresden deshalb nur bei Patienten durchgeführt, die trotz optimalen Diabetesmanagements unter sehr rasch und sehr stark schwankenden Blutzuckerwerten, einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung oder sonstigen schweren Komplikationen leiden. Bei ihnen gelingt durch die Inseltransplantation in den meisten Fällen eine erhebliche Stabilisierung des Stoffwechsels und eine enorme Verbesserung der Lebensqualität.

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden hat derzeit in Deutschland das einzige aktive Inseltransplantationsprogramm. Seit 2008 wurden mit dem Verfahren sechs Patienten mit Typ-1-Diabetes behandelt. Weltweit nimmt allerdings seit den vergangenen Jahre die Zahl der Inseltransplantationen stetig zu: Insgesamt wurden seit 1999 knapp 1.000 durchgeführt, rund 400 davon in den vergangenen beiden Jahren. Weitere Aktivitäten in der Forschung sollen das Verfahren verbessern und einer größeren Anzahl von Patienten zugänglich machen. Ein limitierender Faktor ist bisher die begrenzte Anzahl von menschlichen Organspenden. Alternative Quellen für die biologische Insulinersatztherapie könnten zukünftig Stammzellen, gentechnologisch modifizierte Zellen oder die Zellen von Tieren sein.

Quelle: Presseinformation zur Pressekonferenz anlässlich des 128. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

 

www.chirurgie2011.de

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