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Diabetologie 31. Mai 2011

Probleme mit der Motivation

Der Schritt ins Erwachsenenalter ist für Jugendliche mit Typ-1-Diabetes besonders schwierig.

Ist die Stoffwechsellage bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 meist noch gut, verschlechtert sie sich häufig mit Eintritt in die Pubertät. Experten diskutierten bei der 46. Tagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft im Congress Centrum Leipzig darüber, wie sie jugendliche Patienten so beraten und „coachen“ können, dass sie ihre vorhandenen Ressourcen aus anderen Lebensbereichen auf die Insulintherapie im Alltag zu übertragen lernen.

 

Die Inzidenz des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nimmt auch in Österreich kontinuierlich zu, die Zahlen haben sich von 7,3 pro 100.000 in der Periode zwischen 1979 und 1984 auf 14,6 pro 100.000 in der Periode 2000 bis 2005 verdoppelt. Die steilste Zunahme ist in der Altersgruppe der unter Fünfjährigen zu verzeichnen.

Teenagerleid mit dem Zucker

Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderung. Jugendliche machen nicht nur einen körperlichen Wandel durch, auch ihre Identität entwickelt sich in großen Schritten. Teenager mit Diabetes mellitus Typ 1 stehen in der Pubertät zusätzlich vor der Herausforderung, ihre chronische Erkrankung und die damit verbundene lebenslang notwendige Insulintherapie akzeptieren zu müssen. Ungefähr sechs Mal täglich müssen sie Blutzucker messen, die Kohlenhydrate ihrer Nahrung und die notwendige Insulinmenge berechnen und spritzen – „Urlaub vom Diabetes“ gibt es nicht. Die Insulintherapie gibt dem Leben ihren Rhythmus vor, und dieser besteht immer, ob im Alltag und auch am Wochenende, Tag und Nacht. Gelingt es nicht, die Insulintherapie als zu meisternde Herausforderung im Leben zu sehen, kommt es nicht selten zu einem Nachlassen in der Therapiedurchführung und durch das Fehlen von Insulingaben zu einer verschlechterten Stoffwechsellage. Langfristig führt dies zu den gefürchteten diabetesbedingten Folgeschäden für die Gesundheit.

„Abnabeln“ von den Eltern

„Bis zur Pubertät sorgen die Eltern als Manager der Erkrankung dafür, dass ihre Kinder zumeist sehr regelmäßig spritzen und eine gute Stoffwechsellage und auch eine altersgemäße Selbstständigkeit in der Therapieführung erreichen“, erklärte Dr. Simone von Sengbusch, Kinder- und Jugendärztin und Diabetologin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lübeck, Deutschland, bei der 40. Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Mit Beginn der Pubertät und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Umgang mit dem Diabetes beginnen viele Jugendliche, ihre Therapie zu vernachlässigen. Weil nun neue Interessen ihren Tagesablauf bestimmen, weil sie nicht mehr „anders“ als ihre gesunden Altersgenossen essen und leben möchten oder weil die Erkrankung einfach noch nicht zu ihrem sich entwickelnden neuen Selbstbild passt. „Oft kommen Eltern frustriert in die Diabetessprechstunde, weil ihre Kinder plötzlich Hobbys und vor allem die Zugehörigkeit zu ihrem Freundeskreis stärker in den Vordergrund rücken als ihre Insulintherapie“, berichtete die Diabetologin. „Dies führt zu Frustration und auch Streit zwischen Eltern und Teenagern, der sich manchmal in den Sprechstunden fortsetzt.“ Ärzten und Diabetesberatern verlangen solche Situationen besonderes Einfühlungsvermögen sowie gute kommunikative und pädagogische Fähigkeiten ab. Diplompsychologin Louise Marshall rät ihnen, sich explizit den Teenagern zuzuwenden. „Das Gespräch muss mit den Jugendlichen stattfinden und nicht über sie. Die heranwachsenden Patienten müssen sich als Verhandlungspartner ernst genommen fühlen.“

 

Quelle: Pressemitteilung zur 46. DDG-Jahrestagung, 1. bis 4. Juni 2011, CCL Leipzig.

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