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Foto: ©iStockphoto.com/talymel
Mehr körperlicher Bewegung, Verringerung des Körpergewichts und außerdem intensive Patientenschulungen haben einen bedeutenden Benefit.
 
Diabetologie 31. Mai 2011

Den Lebensstil ändern

Verhaltensmodifikationen stehen an erster Stelle der Diabetestherapie. Das war die Botschaft an die Ärzte bei der Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft.

Das Motto der 27. Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) entspricht der absoluten Notwendigkeit, in der Diabetestherapie Bewegung und Patientenschulung zu forcieren. Die Vorträge von über 40 Experten befassten sich vor allem mit der für den Erfolg jeder Behandlung essenziellen Lebensstilmodifikation.

 

Körperliche Aktivität hat einen wesentlichen Einfluss auf den Blutglukose-Stoffwechsel. So zeigte eine aktuelle Studie, dass zwei Stunden Gehen pro Woche ausreicht, um die Sterblichkeit nach zehn Jahren um 40 Prozent zu reduzieren. Anders ausgedrückt: Von 100 Typ-2-Diabetespatienten sterben nach zehn Jahren 40 weniger, wenn körperliche Aktivität forciert wird.

In einem Vortrag von Prof. Dr. Martin Clodi, MedUni Wien, der die Fortbildungstagung gemeinsam mit Dr. Peter Grafinger vom AKH Linz organisierte, wurde ausgeführt, wie Bewegung durch Veränderungen des Fettgehalts von Muskelzellen, aber auch durch Aktivierung der Kontraktion direkten Einfluss auf den Blutzuckerstoffwechsel hat. Clodi: „Es reichen bereits kurze Bewegungseinheiten und -abläufe aus, um die Gesamtsituation des Patienten zu verbessern. Wesentlich ist, dass diese Effekte bereits bei gesunden Personen zu beobachten sind.“

In die „Diabetes-Schule“

Prof. Dr. Peter Fasching, Wilhelminenspital Wien, und Grafinger wiesen auf die Bedeutung von Schulungen hin. Ein wissender Patient bzw. eine geschulte Patientin habe deutlich bessere Erfolge hinsichtlich der Erhaltung der eigenen Gesundheit und Vermeidung von Komplikationen. Hier zeigten Studien, dass Schulung und Blutglukose-Messung einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden und auf die Komplikationsrate haben.

Nicht zu vergessen ist bei der Lebensstilintervention das Anleiten zur Gewichtsreduktion. Schon eine Verringerung des Körpergewichts von drei Kilogramm hat positive Effekte auf Blutzuckerwert, Blutdruck und Vermeidung von Komplikationen.

Medikamente der Zukunft

In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von neuen Substanzen mit innovativem Therapieansatz wie Gliptine und Inkretinmimetika eingeführt oder steht knapp vor der Einführung. „Während die Sicherheitsaspekte nach derzeitigem Wissen günstig sind, kann man in Ermangelung von Langzeitstudien keine endgültige Prognose über die langfristige Sicherheit geben. In Anbetracht der letztendlich doch nicht ganz befriedigenden Behandlungsoptionen und der steigenden Zahl an Diabetikern ist in Zukunft mit einer Reihe von neuen Medikamenten, allen voran SGLT-2 Hemmern und langwirksamen Inkretinmimetika, zu rechnen“, sagte Prof. Dr. Bernhard Ludvik, MedUni Wien.

Die wichtigsten Insulinstudien

Prof. Dr. Monika Lechleitner, Ärztliche Direktorin des LKH Hochzirl, führte aus, dass die großen Diabetesinterventionsstudien, wie das DCCT /EDIC-Trial für den Typ-1-Diabetes und die UKPDS für den Typ-2- Diabetes, den Vorteil einer verbesserten glykämischen Kontrolle hinsichtlich der Prävention diabetischer Spätkomplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, aber auch Niereninsuffizienz (Dialyse) belegen. Die 1993 publizierte DCCT war von grundlegender Bedeutung für die funktionelle Insulintherapie als Goldstandard in der Behandlung des Typ-1-Diabetes. Aktuelle Studien und Meta-Analysen zeigen die Vorteile kurz- und langwirksamer Insulinanaloga hinsichtlich des Hypoglykämierisikos auf, der Einsatz der Glukosesensortechnik unterstützt die glykämische Zielwerterreichung.

Für die Therapie des Typ-2-Diabetes stehen unterschiedliche Insulintherapiemodalitäten zur Verfügung, die Basalinsulin-unterstützte orale Insulintherapie wird entsprechend den vorliegenden Studienergebnissen insbesondere zum Einstieg in die Insulintherapie angewendet. Rezente Publikationen vergleichen dabei die Wirkeffektivität von Insulin Glargin und Insulin Detemir bei Typ-2-Diabetes. Einzelstudien und Meta-Analysen zeigen hinsichtlich der konventionellen Insulintherapie einen Vorteil für Mischinsuline mit kurzwirksamen Insulinanaloga in Bezug auf das Hypoglykämierisiko auf. Aktuelle Entwicklungen betreffen die Kombination der Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes mit Inkretintherapeutika und die Effektivität und Sicherheit neuer langwirksamer Insuline.

 

Ausgewählte Vorträge der Tagung können von ÖDG-Mitgliedern online abgerufen werden. Informationen:

 

http://www.oedg.at

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