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HNO 27. September 2011

Durch das Runde Fenster

Weltpremiere in Wien: Neues Cochlea Implantat Restgehör-schonend eingepflanzt.

An der UniKlinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten am AKH Wien wurde erstmals eine extrem dünne, so genannte „floating electrode“ als Teil eines Cochlea Implantats zum Erhalt des Restgehörs implantiert. Forscher der MedUni Wien haben dazu eine neue sanfte Operationsmethode entwickelt und waren maßgeblich an der Entwicklung der nur 0,2 anstelle der bisher 0,5 mm dünnen Elektrode beteiligt.

 

Die elektronischen Hörprothesen können bei Ertaubung oder hochgradiger Schwerhörigkeit das Hörvermögen wieder herstellen. Bei einem chirurgischen Eingriff wird ein Implantat mit einer Stimulationselektrode in die Ohrschnecke eingeführt, wodurch elektrische Impulse über den Hörnerv an das Gehirn gesandt werden und so ein Höreindruck entsteht. „In Verbindung mit der neuen Elektrode haben wir eine Operationsmethode entwickelt, bei der die Cochlea nicht mehr durch ein Bohrloch geöffnet werden muss. Wir punktieren lediglich die Membran des Runden Fensters. Das schützt das Restgehör und ist wesentlich schonender“, erklärt Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner die Innovation.

Eine Erfolgsgeschichte

Dieser Forschungserfolg unterstreicht auch die Top-Position, die sich die MedUni Wien bei HNO-Implantaten erarbeitet hat. Das erste Cochlea Implantat in Wien, das 1977 an der Wiener HNO-Klinik eingesetzt wurde, war zugleich auch das erste Mehrkanal-Cochlea-Implantat weltweit. Danach begann der Siegeszug dieser Technologie. Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Leiter der Wiener Klinik, gilt als internationaler Top-Experte im Bereich der Hörimplantationen. Zusammen mit Baumgartner ist er auch im internationalen Netzwerk der führenden Hörimplantatzentren (HEARRING) vertreten. Vergangene Woche wurde das 1.000. Cochlea-Implantat (CI) an der HNO-Klinik erfolgreich eingesetzt.

Vier Jahrzehnte Erfahrung

Die klinische CI-Erfahrung beträgt nun mehr als vier Jahrzehnte. „Im gleichen Zeitraum“, schreibt Baumgartner im Skriptum Kongressjournal 9/11 der Wiener Medizinischen Wochenschrift anlässlich des 55. Österreichischen HNO-Kongresses (mehr zum Kongress lesen Sie in im HNO-Spezial dieser Ausgabe der Ärzte Woche ab Seite 20), „entwickelten sich zahlreiche benachbarte Wissenschaften ebenso atemberaubend wie die Technik der Cochlea Implantate und der Implantationstechnik. Etwa die Computer- und Halbleitertechnologie, die bildgebenden Verfahren wie CT, MRI, 3D-Rekonstruktionen, mikrochirurgische Technik und neue Werkstoffe, Gentechnologie, Wachstumsfaktoren und Stammzellen“. Ein Ende dieser Entwicklung sei noch lange nicht abzusehen. Weltweit wurden bislang 250.000 Personen, davon über 100.000 Kinder mit einem Cochlea Implantat (CI) versorgt, in Österreich sind es bislang 2.500. Die Technik hat sich bewährt. Baumgartner: „Noch nie war die Technik der Implantation so sicher und erfolgreich.“ Die Implantate gelten als die stabilsten, langlebigsten und sichersten Medizinprodukte überhaupt, so der Wiener Experte auf diesem Gebiet. Weder Herzschrittmacher noch Hüftendoprothesen erreichten ähnlich lange „Überlebenszeiten“ im Patienten.

Da es zum großen Teil Kinder und Babys sind, die mit dieser technischen Errungenschaft ihr Hörvermögen bekommen, ist das auch nötig. Baumgartner berichtet, dass Dreijährige mit CI ihre Eltern fragten, womit sie denn hörten, denn die Eltern haben ja kein CI. Das Implantat ermöglicht den Patienten ein Stück Normalität und Sicherheit, die dem Tragen eines Sehbehelfs entspricht.

 

Quellen: Presseaussendung MUW, Skriptum 9/11, Springer Verlag.

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