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ESC 2011 29. August 2011

Neue Erkenntnisse zum koronalen Bypass

Innsbrucker Forscher präsentieren auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) wichtige Daten für die Zukunft der Bypass-Chirurgie. Herzchirurgin Univ.-Prof. Dr. Elfriede Ruttmann: "Die innere Brustwandarterie ist das deutlich besser geeignete Gefäß für eine Bypass-Operation."

Brustwand statt Unterarmarterie

Bei Patienten, die sich einer Bypass-Operation unterziehen, muss in den allermeisten Fällen mehr als ein Herzkranzgefäß überbrückt werden. Eine Studie der Medizin-Universität Innsbruck liefert nun erstmals eine Antwort auf die Frage, welche arteriellen Bypassgefäße am besten zur Überbrückung erkrankter Herzkranzarterien geeignet sind. Studien haben gezeigt, dass arterielle Gefäße bessere Langzeitergebnisse zeigen als Venen.

Weltweit wird die Unterarmarterie ("Radialis") als zweiter arterieller Bypass am häufigsten eingesetzt, die rechte Brustwandarterie wird in weniger als 5 Prozent aller Bypass-Operationen und nur an wenigen herzchirurgischen Zentren in der klinischen Routine herangezogen.

Weniger Komplikationen

Im Rahmen einer Fallserie mit 1001 Patienten, die sich einer geplanten Bypass-Operation unterzogen, zeigte sich, dass die Brustwandarterie dabei deutlich besser abschneidet als die Unterarmarterie: Komplikationen waren seltener und die Sterblichkeit war signifikant geringer (Overall survival HR: 0.23; 95%CI: 0.066–0.81; p=0.022).

Prof. Dr. Elfriede Ruttmann von der Abteilung für Herzchirurgie, Medizinische Universität Innsbruck: "Die rechte Brustwandarterie ist der Unterarmarterie - obwohl weltweit wesentlich häufiger verwendet - beträchtlich überlegen und sollte daher auch wesentlich häufiger zum Einsatz kommen als bislang." Diese Ergebnisse werden auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Paris vorgestellt.

Bypässe: Venen und Arterien

Ungeachtet der Fortschritte der interventionellen Kardiologie etwa durch neue Stents, hat die koronare Bypass-Operation einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung der koronaren Herzkrankheit. Wurden für diesen Zweck ursprünglich Venen verwendet, so ging man mit der Zeit dazu über, Arterien einzusetzen, weil sie dem Druck in den Herzkranzgefäßen besser standhalten und damit ein besseres Ergebnis über längere Zeit bringen.

Arterien zu entnehmen ist allerdings viel heikler. Werden im Rahmen einer Operation mehrere Bypässe gelegt, so verwendet man heute in der Regel eine Arterie – meist die innere Brustwandarterie – für die wichtigste Gefäßstrecke am Herz, und Venen für die übrigen Bypässe.

Aufwändigere Technik

Allerdings gibt es seit längerem Hinweise, dass es Vorteile für den Patienten bringt, wenn auch ein zweiter Bypass mittels einer Arterie durchgeführt wird. Die Frage, welche Arterie dafür verwendet werden soll, konnte bis vor kurzem nicht anhand harter Studiendaten beantwortet werden.

Da der Mensch auch eine zweite innere Brustwandarterie hat, die nicht unbedingt benötigt wird, liegt einerseits deren Verwendung nahe. Allerdings wird sie aufgrund der aufwändigeren chirurgischen Technik und der Befürchtungen von Wundheilungsstörungen weniger verwendet als etwa die Unterarm-Arterie.

Problematik der Wundheilung

Vermehrte Wundheilungsstörungen nach Entfernung der zweiten inneren Brustwandarterie traten bei den Patienten im Vergleich zur Radialis-Gruppe in der Innsbrucker Kohorte nicht auf, wohl auch dadurch dass eine so genannte "skelekonierte" Präparation der Brustwandarterien die Brustwanddurchblutung weniger beeinträchtigt als die häufiger verwendete Pedikelpräparation, so die Studienautoren. Die Ergebnisse der Studie zeigen nun auf, dass die Unterarmarterie keine gleichwertige Alternative zur rechten Brustwandarterie darstellt.

Quelle: Second Internal Thoracic Artery versus Radial Artery in Coronary Artery Bypass Grafting: A Long-term Propensity-score Matched Follow-up Study; Elfriede Ruttmann, Nikolaus Fischler, Adel Sakic, Orest Chevtchik, Hannes Alber, Roland Schistek, Hanno Ulmer , Michael Grimm

ESC/red

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