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Abb. 1: Adenomentdeckungsrate pro Teilnehmer. Die durchschnittliche Adenomentdeckungsrate in Österreich beträgt 19,8 %
 
Gastroenterologie 6. Juni 2011

Vorsorgekoloskopie ÖGGH – Bericht 2011

Qualität gewährleisten heißt Standards einführen und kontrollieren

Die Vorsorgekoloskopie ist hervorragend geeignet, Dickdarmkrebs zu verhindern, und wurde daher 2005 in die Gesundenuntersuchung in Österreich integriert. Um die Qualität der Vorsorgekoloskopie sicherzustellen, hat die österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) bereits 2007 zusammen mit dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) und der österreichischen Krebshilfe (ÖKH) die Aktion „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ ins Leben gerufen. Dieses Projekt widmet sich vor allem der Qualitätssicherung der Vorsorgekoloskopie. Die von der ÖGGH festgelegten Leistungsdefinitionen beinhalten unter anderem Kriterien wie ausreichende Erfahrung der Untersucher und deren Fähigkeit, Polypen in einem Untersuchungsgang abzutragen, sowie regelmäßige Hygienekontrollen. Da die Darmspiegelung in der Bevölkerung oftmals als unangenehm und schmerzhaft „verrufen“ ist, stellt das Angebot der „sanften Kolo-skopie“, also das Anbieten einer schmerzstillenden und beruhigenden Medikation vor der Untersuchung, ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal dar. Das Qualitätszertifikat wird alle 2 Jahre vergeben, dies ermöglicht uns in weiterer Folge einen Vergleich der Ergebnisse zwischen den Zertifikatsperioden 2007–2009 und 2010–2011.

Teilnehmer

Es nehmen derzeit 225 Ärzte (83 Krankenhausabteilungen, 140 niedergelassene Ordinationen und 2 selbstständige Ambulatorien) teil, das sind 44,8 % aller endo- skopierenden Stellen in Österreich.

Befunddaten

Die Datenübermittlung wurde mittlerweile durch die Einführung des Datenblattes im e-card-System deutlich vereinfacht und somit können wir über stetig wachsende Übermittlungsraten berichten. 2007 wurden uns lediglich Daten von 639 Koloskopien übermittelt, 2008 bereits 13.183, 2009 waren es 18.043 (12.719 Koloskopien im niedergelassenem Bereich) und 2010 19.811 Koloskopien. Es wurden im Jahr 2009 insgesamt 31.016 Vorsorgekoloskopien im niedergelassenem Bereich abgerechnet, damit stellen die 12.719 Koloskopien im niedergelassenem Bereich 41 % aller abgerechneten Vorsorgekoloskopien dar und decken sich ziemlich gut mit der Teilnahme von 44,8 % der endoskopierenden Stellen. Die fehlenden Befunde können wir z. B. auf die Notwendigkeit der schriftlichen Zustimmung der Patienten zur Datenübermittlung zurückzuführen. Insgesamt wurden an uns Daten von 55.503 Koloskopien übermittelt (Stichdatum 27. April 2011).

Ergebnisse: Vergleich erste und zweite Zertifikatsperiode

Der mediane Alter der Patienten liegt bei 60,8 Jahren. Die Zökumerreichrate lag in der ersten Periode bei 95,89 % und ist mit 95,92 % leicht gestiegen. Die Sedierungsrate ist mit 85,4 % verglichen zu 86,7 % rückläufig, jedoch nachwievor sehr hoch.

Betrug die Komplikationsrate in der ersten Periode 0,3 %, so ist diese in der zweiten Periode auf 0,21 % zurückgegangen. Der Abfall ist v. a. auf den Rückgang der Blutungskomplikationen zurückzuführen.

Die Polypenentdeckungsraten lagen bei 35,3 % in der ersten Periode und 34,7 % in der zweiten. In beiden Perioden wurden 95 % aller gefundenen Polypen im Rahmen derselben Untersuchung abgetragen. Die Adenomentdeckungsrate war in der ersten Periode 20,3 % und in der zweiten liegt sie bei 19,6 %, wobei die Rate an fortgeschrittenen Adenomen bei 6,4 % vs. 6 % liegt. Dagegen ist die Karzinomentdeckungsrate von 0,67 % auf 0,73 % gestiegen.

Adenomentdeckungsrate als Qualitätsmerkmal

Laut einer aktuellen Arbeit von Kaminski et al. ist die Adenomentdeckungsrate als wesentliches Qualitätsmerkmal für die Vorsorgekoloskopie anzusehen. Die Untersuchung ergab, dass das Risiko für das Auftreten eines Intervallkarzinoms erhöht ist, wenn die Vorsorgeuntersuchung von einem Endoskopiker durchgeführt wurde, welcher im Rahmen des Qualitätsmanagementprogramms lediglich eine Adenomentdeckungsrate von < 20 % erzielen konnte. Dieses Ergebnis unterstreicht die Schlüsselrolle der Adenomentdeckungsrate im Sinne einer kontinuierlichen Qualitätsoptimierung für Screeningkoloskopien [1].

Die durchschnittliche Adenoment- deckungsrate liegt bei 19,8 % in Österreich. Abbildung 1 zeigt die Adenoment- deckungsrate pro Teilnehmer. Damit erreichen nur etwa 2/3 der Teilnehmer eine Adenomentdeckungsrate von 20 %. Diesbezüglich wurde eine Aussendung an die Teilnehmer vorbereitet, um die Teilnehmer auf die möglichen Gründe dafür hinzuweisen.

Ist eine Änderung des Zuweisungsalters notwendig?

Die Evaluierung der Befunddaten zeigt international vergleichbare Zökumerreichsraten, Adenomfindungsraten, Polypektomieraten bei sehr niedrigen Kompli- kationsraten. Darüber hinaus wurden einige interessante Ergebnisse erhoben: die Prävalenz der fortgeschrittenen Adenome1 bei 50- bis 55-jährigen Männern ist doppelt so hoch wie bei 50- bis 55-jährigen Frauen (5 % vs. 2,9 %; p < 0,0001); somit ist die NNS bei 50 bis 55 Jahre alten Frauen doppelt so hoch wie bei 50 bis 55 Jahre alten Männern (34 vs. 20; p < 0,0001). Weiters, 45 bis 50 Jahre alte Männer haben die gleiche Prävalenz für fortgeschrittene Adenome wie 55 bis 60 Jahre alte Frauen (3,8 vs. 3,9 %); entsprechend haben 45 bis 50 Jahre alte Männer dieselbe NNS wie 55 bis 60 Jahre alten Frauen (26 vs. 26,1) [2].

Hygiene

Die Überprüfung der Hygienevorausetzungen ist ein weiterer wichtiger Qualitätsindikator, um eine effektive und vor allem sichere Darmkrebsvorsorge zu gewährleisten. Die Überprüfung umfasst die einmal jährliche hygienisch-mikrobiologische Kontrolle der Endoskope, der endoskopischen Zusatzinstrumente sowie der chemisch thermischen Desinfektionseinrichtung. Werden relevante Hygienemängel festgestellt, hat umgehend (nach entsprechenden Sanierungsmaßnahmen, innerhalb von 4 Wochen) eine neuerliche Überprüfung zu erfolgen. In der laufenden Zertifikatsperiode haben 96 % der Teilnehmer die Hygieneprüfung auf Anhieb bestanden. Jedem Teilnehmer ist es in weiterer Folge gelungen, die bestehenden Mängel zu beseitigen.

Stichproben

Die Überprüfung der Daten- und Eingabequalität erfolgt durch die Beurteilung einer einmal pro Jahr gezogenen Stichprobe, bestehend aus den Originalbefunden (inklusive Histologie und Bilddokumentation des Zökums) dreier Patienten. Bei 85 % der Teilnehmer konnte die Stichprobenziehung nach Einlangen und Begutachtung der erforderlichen Dokumente abgeschlossen werden. Bei 10 % der Teilnehmer war eine Anforderung weiterer Befunde notwendig. Bei 5 % der Teilnehmer konnte aufgrund zu geringer Datenübermittlung noch keine Stichprobenziehung durchgeführt werden. Bisher musste kein Teilnehmer aufgrund unzureichender Datenqualität ausgeschlossen werden.

Zukunft

Das Zertifikat wurde um weitere 2 Jahre verlängert, die Bewerbungen dafür sind ab Sommer 2011 möglich und herzlich willkommen.

1 Fortgeschrittenes Adenom: tubulär > 1 cm, bzw. mit villöser Komponente bzw. mit HGD.

Literatur

 

1 Kaminski MF, Regula J, Kraszewska E, et al (2010) Quality indicators for colonoscopy and the risk of interval cancer. N Engl J Med 362:1795-1803

 

2 Ferlitsch M, Reinhart K, Gal O, et al (2010) Time for a gender specific age for referring patients to screening colonoscopy? OP 445, UEGW (United European Gastroenterology Week) Barcelona 2010

Zur Person
Univ.-Prof. Dr Monika Ferlitsch
Leiterin der AG Qualitätssicherung der ÖGGH
Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40400-4735
E-Mail:

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