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Sport�rztewoche 2010 9. Dezember 2010

Highlight: Toni Innauer, am Puls des Erfolgs

"Meine lange Karriere als Trainer und als Sportdirektor des ÖSV war stets darauf ausgerichtet, Wettbewerbe zu gewinnen, Erfolge möglich zu machen, abzusichern und zu wiederholen", berichtete Toni Innauer anlässlich seines neuen Buches "Am Puls des Erfolgs". 

Die Liste seiner Erfolge, so unterschiedlich sie waren, ist lang und wurde in seinem Buch mit Herzblut beschrieben. Das war ein Grund für den gewählten Titel. Morgen erzählt Toni Innauer anlässlich der Sportärztewoche welche Voraussetzungen dauerhaften Erfolg ermöglichen, wie man die Kraft von Niederlagen erkennt und seinen Kopf für Spitzenleistungen frei machen kann. Das Interview zum Thema "Erfolg" führte Andrea Niemann.

Sie sind seit rund acht Monaten nicht mehr im ÖSV aktiv, wie geht es Ihnen?

Innauer: Es geht mir gut, weil es mir Spaß macht, mein Leben anders zu gestalten und es war an der Zeit diese Veränderung zu machen. Vieles war trotzdem nicht ganz so leicht wie ich mir das vorgestellt habe, aber es war und ist spannend für mich, die lästige und belastende Routinen abzulegen.

Sie waren in drei Rolle äußerst erfolgreich: als Sportler, als Trainer und zuletzt als Manager. In ihrem Buch steht dass Sie sich beim Wechsel ins Management gefragt haben, was Erfolg ist, was ist Erfolg für Sie?

Innauer: Das ist unterschiedlich, ob als Sportler oder als Trainer. Als Trainer wollte ich zum Beispiel die beste Nationalmannschaft der Welt aufbauen. Dafür habe ich der Mannschaft und mir drei Jahre Zeit gegeben. Wichtig ist aber prinzipiell herauszufinden, was die adäquaten Herausforderungen und Ziele sind, die man perönlich auch mit Sinn erfüllen kann. Danach definiert man Etappenziele.

Persönlich geht es mir aber bei Erfolg auch ganz stark um die Auswahl der Mittel: Da bin ich mit mir strenger als manch anderer, weil ich der Meinung bin, Erfolg heiligt nicht alle Mittel. Das war bereits als Sportler so. Deshalb wurde ich gelegentlich für naiv und sozialromantisch gehalten. Ich spreche zum Beispiel von Doping als Sportler. Oder als Trainer davon, Athleten zu überreden zu jedem Mittel zu greifen. Das heißt letztendlich auch vom respektlosen Handeln gegenüber Gegnern.

Ein Ziel erfolgreich zu verfolgen heißt deshalb für mich auch, dass man sich ohne ein ungutes Gefühl haben zu müssen, in den Spiegel schauen kann.

Sind Erfolg und Verletzung im Spitzensport ein untrennbares Paar?

Innauer: Man muss das näher erörtern, weil es bei dieser Frage Unterschiede zwischen dem nordischen und dem alpinen Sport gibt.

Ich bin dieses Thema sehr forsch angegangen. Nicht zuletzt, weil ich als Sportler selbt oft verletzt war. Damals durch Begleitumstände, die es später aufgrund eines geänderten, verantwortungsbewussteren Reglements nicht mehr gegeben hat.

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Deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass im alpinen Skirennsport die Rahmenbedingungen geändert werden könnten, um Verletzungen zu vermeiden. Nur möchte noch niemand die heißen Kartoffeln angreifen, weil kommerzielle Interessen mitschwingen.

Ich habe das selbst bei den Bulimie-Erkrankungen, die unseren Sport bedroht hatten, erlebt und habe mich damals selbst persönlich sehr stark für Veränderungen eingesetzt und mich sportpolitisch exponiert. Wenn man versucht etwas zu ändern, wird man aber unbequem, auch für viele die das Problem einfach als gegeben hinnehmen. Darum habe ich das auch im Buch angesprochen.

Für meine Kollege, die aktiv alpinen Rennsport mit zu großem risiko betreibe,n habe ich deshalb versucht mich in die Bresche zu schlagen, um aufzuzeigen, dass die Verletzungsgefahren auch im alpinen Rennsport deutlich zu mindern wären, wenn man die Problematik gemeinsam angehen würde.

Sie betonen aber im Buch auch , dass Sportler die "Sachzwänge" des Managements einfach als gegeben hinnehmen.

Innauer: Das hat mehrere Gründe: Erstens sind sie schlecht aufgeklärt und zweitens sind sie quasi in einer Art Vollkasko-Situation. Wenn etwas passiert, sind sie medizinisch topversorgt und bekommen auch durch die Versicherungen einen hohen Schadensausgleich.

Erfolg bedeutet für Sie auch eigene Werte zu vertreten und Veränderungen ermöglichen.

Innauer: Im Moment ist es im alpinen Bereich so, dass viele deshalb nichts tun, weil sie Angst vor Konsequenzen haben. Sie haben zum Beispiel Angst, dass sie bei Materialänderungen einen Wettbewerbsvorteil verlieren könnten. Aber wenn nur auf den Erfolg geachtet wird, statt auf den stark überlasteten Athleten, da wird es einem dann irgendwann zu viel. Dabei wären die Sportler talentiert genug, mit einer Änderung die ihnen gesundheitlich dient, erfolgreich zu sein.

Bei einer Ehrung zum Olympiasieg 1980 mit Annemarie Moser Pröll soll diese zu ihnen gesagt haben: "wirklich zuhause fühle ich mich nur im Wald." Inwieweit ist auch für Sie die Natur eine Kraftquelle?

Innauer: Die Annemarie ist halt Jägerin, ich bin Spaziergänger und Fliegenfischer. In der Natur kann ich mich von menschengemachten, teilweise sehr anstrengenden Systemen, erholen. Da werde ich eins mit der Natur und mit mir selbst. Wir sind Naturwesen die sich kultiviert haben und brauchen deshalb diesen Bezug zu unserer Natur. Da geht es um Bewegung, um Körperlichkeit.

Welchen Wert hat die Familie in Ihrem Leben, ist sie der Rückhalt um erfolgreich zu sein?

Innauer: Die Familie hat in meinem Leben zwei Dimensionen: Einerseits die Herkunftsfamilie. Wir waren fünf Kinder oben am Berg, in Verbindung mit der Natur. Diese Familie hat mir sehr viel Halt gegeben für die Welt, in die ich hinaus gegangen bin und die mich manchmal auch überfordert hat.

Auf der anderen Seite gibt es die eigene Familie, die ich mit meiner Frau Marlene gegründet habe, die mir auch sehr viel bedeutet. Das ist nicht etwas was man hat, sondern das man tagtäglich manchmal mit sehr viel Aufwand gestalten muss.

Das werte ich auch als großen Erfolg in der heutigen Gesellschaft: Wenn man es schafft beruflich etwas zustande zu bringen, und mit den Steuern die man zahlt gesellschaftlich wertvoll zu sein und gleichzeitig dabei auch noch Kinder großzieht. Das ist nicht nur ein finanzieller, sonder auch ein sehr großer energetischer Aufwand.

Jetzt merkt die Gesellschaft langsam, dass wir eigentlich mehr Kinder haben sollten. Nur die Strukturen passen nicht mehr. Jeder der es trotzdem schafft Kinder groß zu ziehen, die sich in der Familie wohl fühlen und die für die Gesellschaft wertvolle Mitglieder sind, verdienen großen Respekt.

Wenn man sich die Politik ansieht: Was bedeutet Erfolg in der Politik für Sie?

Innauer: Politischer Erfolg ist etwas anderes als Wahlerfolg. Deshalb ist es wahnsinnig schwer die Dinge, die wirklich notwendig sind auch anzugehen und umzusetzen. Weil man leicht Gefahr läuft großen Gruppierungen in einer Gesellschaft zu nahe zu treten. Politischer Erfolg bedeutet deshalb für mich die Dinge rechtzeitig anzugehen und dabei nicht in der Wählergunst abzusinken und einen zu großen Tribut zahlen zu müssen.

Sie haben so viel in ihrem Leben erreicht, was wollen sie persönlich noch erreichen?

Innauer: Erkennen was mich wirklich erfüllt und das auch tun. Ich möchte niemanden, auch nicht mir selbst, noch etwas beweisen müssen.

 

Buchtipp 

InnauerBuch

"Am Puls des Erfolgs"
ist das zweite Buch des Skisprung-Olympiasiegers, Erfolgtrainers und Sportphilosophen Toni Innauer nach dem Bestseller "Der Kritische Punkt" (1992).

>> Buch bestellen

 

Andrea Niemann

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