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Sport�rztewoche 2010 8. Dezember 2010

Elektrolyte und Leistungsfähigkeit

Fragt man Leistungssportler, ob Sie mit der Aufnahme von Elektrolyten eine Möglichkeit zur Leistungssteigerung sehen, so antwortet ein relativ hoher Prozentsatz mit ja. Auch die Vorstellung, welche Nährstoffe Leistungsdefizite verhindern, ist relativ klar. Magnesium führt bei einer Befragung eindeutig die Hitliste an. Stellt man jedoch die Frage, ob es Vorstellungen und Referenzwerte für die Aufnahme von Nährstoffen gibt, so gibt es zwar in einem abgestuften System einige Richtlinien, darunter Empfehlungen und zu allerletzt Schätzwerte, und unter diese letzte Rubrik der Schätzwerte fallen die meisten Elektrolyte.

Keine Referenzwerte

Die vorliegenden Referenzwerte basieren alle auf dem Bedarf von Nicht-Sportlern. Es gibt keine einheitlichen und verbindlichen Referenzwerte für Sportler. Man geht zwar davon aus, dass Sportler einen erhöhten Vitamin- und Mineralstoffbedarf haben, der um 50 bis 100 Prozent über dem der normalen Bevölkerung liegt. Vergessen wird dabei aber immer, dass Sportler auch mehr Nahrung zu sich nehmen und von daher ein Ausgleich der Mineralstoffe erfolgt. Wenn man einen erhöhten Mineralstoffbedarf von Sportlern konstatiert, so wird immer wieder der Flüssigkeitsverlust durch den Schweiß und der damit verbundene Verlust von Elektrolyten angeführt.

In der Tat variiert die Schweißabgabe unter relativer körperlicher Ruhe im Vergleich zu sportlicher Belastung erheblich. Es existieren Orientierungswerte für die Menge an Schweißverlust, die allerdings sehr stark von der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit abhängen. Allein schon der Flüssigkeitsverlust führt zu erheblichen Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Der gleichzeitige Verlust an Elektrolyten ist jedoch erheblich unterschiedlich.

Schaut man sich die durchschnittlichen Mineralstoffzusammensetzungen des menschlichen Schweißes an, so fällt auf, dass der Natrium- und Chloridgehalt den größten Anteil nimmt. Natriumverlust ist für eine Vielzahl von Symptomen, wie Schwäche, Müdigkeitsgefühl, Muskelkrämpfe und Kreislaufstörungen verantwortlich. Risiken des Wasserverlustes sind allgemein bekannt und so hat sich bei Breitensportlern, wie Leistungssportlern ein kontinuierliches Trinkverhalten durchgesetzt.

Trinken - die negativen Folgen

Das verstärkte Trinken hat jedoch auch negative Folgen: so wird in zunehmendem Masse eine hypertone Hyperhydratation festgestellt, die von der Symptomatik, von der Degeneration, kaum zu unterscheiden ist. Analysen des Boston-Marathons haben eindrucksvoll gezeigt, dass das Phänomen der Hyponatriämie recht verbreitet ist. Es gibt eine Risikokonstellation, die die Hyponatriämie begünstigt, wobei neben Über- und Untergewicht, ein schlechter Trainingszustand und eine falsche Getränkezusammensetzung dominante Faktoren sind.

Der Elektrolytverlust der anderen Substanzen, wie Kalium, Calcium und Magnesium, sind vielfach überschätzt worden. Bei normalen sportlichen Belastungen sprechen neuere Empfehlungen sich gegen eine grundsätzliche Substitution dieser Elektrolyte aus. Dabei zeigt sich jedoch, dass gelegentlich die Nahrungsaufnahme dieser Elektrolyte defizitär ist und vor allen Dingen, unter ungünstigen Umständen, es doch sinnvoll sein kann, solche zu substituieren. So erreicht die Magnesiumzufuhr bei Analysen von Sportlern nur 85 Prozent der geforderten Norm.
Da zudem eine Überdosierung keine wesentlichen klinischen Symptome zeigt, ist eine Magnesiumsubstitution im Verdachtsfalle durchaus sinnvoll. Auch Kalium- und Calcium-Substitution kann unter gewissen Umständen in Erwägung gezogen werden. Die Elektrolytzufuhr erfolgt zumeist mit der Rehydratation über Getränke. Dabei ist festzustellen, dass der Organismus zugeführte Mineralsalze nur verwerten kann, wenn genügend Wasser mit verabreicht wird und umgekehrt, das Wasser nur gebunden werden kann, wenn genügend Mineralsalze vorhanden sind.

Ungeeignete Softgetränke

Zur Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution ist eine hypertone bis isotone Flüssigkeit am sinnvollsten. Sie garantiert eine schnelle Rehydratation. Es existieren eine Vielzahl von Elektrolytgetränken auf dem Markt, die durchaus in ihrer Osmolarität und Zusammensetzung als sinnvoll erachtet werden können. Die vielfach verwendeten Softgetränke eignen sich zumeist nicht. Insgesamt sollte jedoch bedacht werden, dass Elektrolytsubstitutionen bei normaler Ernährung nicht sinnvoll ist, ohne ein höheres Ausmaß an körperlicher Aktivität können hiervon keine positiven Effekte auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit erwartet werden.

Dr.Klaus Völker

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