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Sport�rztewoche 2010 3. Dezember 2010

"Das organisierte Durcheinander"

Festvortrag von R. Rößlhuber zum Thema "Der organisierte Sport - ein österreichisches Durcheinander". Sport ist im föderalen Österreich Ländersache. Dennoch fördert der Bund den Sport mit über 100 Millionen Euro jährlich und damit zumindest gleich hoch wie alle neun Länder zusammengenommen. Förderempfänger sind in erster Linie 60 Fachverbände, welche die Sportarten vertreten, und 3 Dachverbände, die geschichtlich gewachsen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bewegungen entstanden sind.

Ehrenamtlich für Gemeinde, Land und Bund

Diese Bundessportförderung sichert zu einem wesentlichen Teil die Existenz und die Entwicklung des flächendeckenden Vereinsnetzwerks aus rund 14.000 Sportvereinen mit geschätzten 3 Millionen Mitgliedern. Die wichtigsten Partner der Vereine sind aber sowohl im Bereich Finanzierung als auch im Bereich Mitgliedergewinnung und Vernetzung sicherlich die Standortgemeinden. Die Vereine und Verbände sind in ihrer Tätigkeit nach dem Prinzip der Vereinsfreiheit autonom und wesentliche Träger der vom Staat unabhängigen freien Zivilgesellschaft. Getragen werden diese Vereine fast ausschließlich über ehrenamtliche Aufgaben- und Verantwortungsträger.

Rechnungshof erkennt "Durcheinander"

Ein Durcheinander in diesem Geflecht erkennt der Bundesrechnungshof in einem aktuellen Prüfbericht aus dem Jahr 2009. Fehlende Abstimmung der unterschiedlichen Fördergeber Bund, Land und Gemeinde oder die parallele Existenz dreier Dachverbände mit demselben Auftrag sind wiederkehrende Kritikpunkte. In einer Bundessportförderreform wird in Abstimmung zwischen der obersten Interessensvertretung des Sport, der Bundessportorganisation, und dem Sportministerium bis Anfang 2012 an einer Verbesserung des Systems in Richtung erhöhte Fördertransparenz und –effizienz sowie eines neuen Kontrollsystems gearbeitet.

Signal: Bewegung als Prävention

Insbesondere seit einer Sportförderreform der handelnden Regierungsmitglieder Schüssel/Schweitzer 2005 hat der Beitrag von Sport und Bewegung zur Gesunderhaltung der Menschen in Österreich Eingang in Auftrag und Fördersystem für den organisierten Sport gefunden. Mit der Gründung der Dachmarke "Fit für Österreich" und dem Start zahlreicher Gesundheitsförderungsprojekte in Form von Kooperationen mit dem Fonds Gesundes Österreich setzt die Sportförderung wichtige Impulse und Signale an den Gesundheitssektor.

Heftige Diskussionen

Signale, die aus Sicht des Sports von eben diesem Gesundheitssektor noch zu wenig angenommen werden. Die mittlerweile rund 7-8 Mio. Euro jährlich oder rund 10 Prozent der besonderen Bundessportförderung sind im Gesundheitssektor nur der berühmte Tropfen auf dem glühenden Stein. Im Sport selbst aber führen sie zu heftigen Diskussionen zwischen Dach- und Fachverbänden, zwischen Breiten- und Spitzensport, ob diese Finanzmittel nicht besser gleich im Sport eingesetzt werden sollten.

Gewinnbringender Sport

Eine Studie von Univ.-Prof. Dr. Otmar Weiss von der Sportuni Wien hat erhoben, dass schon im Jahr 2001 ein in Sport und Bewegung investierter Euro drei solche in der späteren Gesundheitsversorgung sparen hilft. Sportlich aktive ÖsterreicherInnen würden dem Staat zum Stand 2001 selbst unter Aufrechnung von Sportunfallkosten jährlich 567 Mio. Euro vermiedene Krankheitsfolgekosten ersparen. Dennoch ist aus Sicht des Sports in der Kooperation mit dem Gesundheitssektor seitdem nicht genug weitergegangen.

Nachbarländer wie Deutschland sind mit der Einrichtung von "Herzsportgruppen" gegen Verrechnung auf Krankenschein wesentlich weiter, von einem Aktivitätsbewusstsein der Bevölkerung wie in Skandinavien einmal ganz abgesehen. Pilotprojekten zu Bewegung auf Krankenschein wie derzeit mit der WGKK bei "Aktiv.Bewegt" fehlt in Österreich noch die Akzeptanz der handelnden Akteure bzw bieten diese in der aktuellen Form nur unzureichende Anreize für die Versicherten.

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