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Abb. 1: Sarcoptes scabiei
© Welldone Werbeagentur/APA-Fotoservice/Preiss

Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Landesklinikum Wiener Neustadt

Wie Dr. Ian McCrossin, Präsident des Australasian College of Dermatologists, im Symposium „Dermatology Down Under“ ausführte, tritt Skabies unter den Aborigines im Südosten Australiens sehr häufig auf.

 
Dermatologie 7. Februar 2011

Skabies auf dem Vormarsch

Unerträglicher Juckreiz und hohe Ansteckungsgefahr

Skabies (Krätze) wird durch die Krätzmilbe verursacht, die sich bevorzugt in menschlichen Hautfalten einnistet. Die Übertragung erfolgt durch Körperkontakt und wird in der Regel durch mangelnde hygienische und sozioökonomische Verhältnisse begünstigt. Skabies ist nicht immer leicht zu erkennen. Symptome sind heftiger Juckreiz, der bei Wärme zunimmt. Risikofaktoren stellen Kindergärten und Altersheime dar. Eine Therapie und die Einhaltung strenger Vorsichtsmaßnahmen sind bei Betroffenheit unverzichtbar.

Die Ursache für unerträglichen Juckreiz kann die Krätzmilbe (Abb. 1) sein: Milbenweibchen bohren sich in die Oberhaut, in welchen sie ihren Kot und ihre Eier ablegen. Dies geht mit einem Hautausschlag einher, der zur Bildung von Bläschen, Knötchen, Pusteln und Ekzemen führt. Die Zeit bis zum Ausbruch der Erkrankung nach Ansteckung beträgt zwischen drei und sechs Wochen.

Reaktion auf Milbenkot

Die Krätzmilbe befällt meist die warmen, dünnen Hautstellen des Menschen, vor allem zwischen den Fingern, an Gesäß, Genitalien, Ellbogen, Achseln und Füßen – bei Kindern auch den Nacken und Kopf. Dies äußert sich durch heftigen Juckreiz. „Das ständige Jucken wird von Erkrankten in unterschiedlichen Schweregraden wahrgenommen und ist auf eine allergische Reaktion auf Milbenbestandteile zurückzuführen“, so Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger, Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Landesklinikum Wiener Neustadt. Durch das oft automatische und intensive Kratzen werden die Hautveränderungen weiter verschlechtert.

Altersheime und Kindergärten

Die Übertragung der Krätze erfolgt in der Regel durch direkten Körperkontakt, seltener über die Kleidung. Zu diesem Zweck genügt der Wirtswechsel eines einzigen begatteten Milbenweibchens.

Die Häufigkeit der Erkrankung ist in Hinblick auf Länder und Regionen sehr unterschiedlich und schwankt zwischen unter einem Prozent und 33 bis 36 Prozent. So ist beispielsweise die Häufigkeit unter den Aborigines im Südosten Australiens enorm hoch, wie Dr. Ian McCrossin in dem Symposium Dermatology Down Under ausführte. Auch wenn die oft angegebene Zahl von weltweit 300 Millionen an Skabies befallenen Menschen etwas hoch gegriffen erscheint, ist die Erkennung und Behandlung der Krätze dennoch eine bedeutende Aufgabe für Dermatologen. Besonders hoch ist diese Bedeutung, wenn sich die Skabies in Einrichtungen wie Altersheimen, Kindergärten oder Krankenhäusern verbreitet“, so Müllegger.

Hygiene und Immunstatus

Das Risiko der Übertragung von Skabies hängt von wesentlichen Kriterien ab: Bevölkerungsdichte, medizinische Versorgung, Häufigkeit an Körperkontakten sowie dem individuellen Hygiene- und Immunstatus des Menschen. Begünstigt wird die Ausbreitung der Erkrankung durch schlechte hygienische Verhältnisse. „Dabei haben Krätzmilben nicht unbedingt etwas mit unhygienischen Verhältnissen oder Verwahrlosung zu tun, sondern breiten sich dort aus, wo viele Menschen zusammenkommen“, erläutert Müllegger. Besonders gefährlich ist die Borkenkrätze (Scabies crustosa). „Bei dieser Krätzenart, enthalten die Hautschuppen dieser Patienten Hunderte bis Tausende von Milben. Eine Endemie kann drohen.“

Diagnose und Sonderformen

Der quälende nächtliche Juckreiz, die Milbengänge und der mikroskopische Nachweis einer Krätzmilbe oder ihrer Eier führen zur eindeutigen Diagnose.

Bei einem Nachweis von Milben, Eiern oder Skybala (Kotballen) aus den Bohrkanälen, ist die Diagnose gesichert. Bei der Scabies crustosa besteht die Möglichkeit, den Milbennachweis bereits an einzelnen Schuppen durchzuführen.

Es ist zwischen unterschiedlichen Formen der Skabies zu unterscheiden: Die „gepflegte Skabies“ geht beispielsweise mit intensiver Körperhygiene einher und ist daher auch schwer zu erkennen. Weiters gibt es noch die bakteriell superinfizierte Skabies.

Therapie und Vorsichtsmaßnahmen

Eine Therapie des Betroffenen ist von höchster Priorität. „Zur Therapie kann die lokale Behandlung mit Permethrin, fünf Prozent dieses Insektizids in der Cremegrundlage, empfohlen werden. Wichtig ist, diese so lange wie möglich einwirken zu lassen. Etwa acht bis zwölf Stunden sind empfehlenswert. Es sind außerdem eine Reihe anderer Vorsichtsmaßnahmen zu beachten wie beispielsweise das Waschen von Kleidern, Bettwäsche und Handtüchern bei mindestens 60°C“, erläutert Müllegger.

Eine orale Therapie mit Ivermectin steht vor allem bei einem mangelndem Ansprechen auf Permethrin, beispielsweise bei immunsupprimierten Patienten oder bei einer bestehenden HIV-Infektion, bei mangelnder Compliance oder bei ausgeprägten Ekzemen die eine Lokalbehandlung für den Patienten zunächst beschwerlich machen, seit einigen Jahren zur Verfügung.

„Wichtig ist es, alle Personen, die in einem Haushalt leben, mitzubehandeln“, mahnt Müllegger abschließend.

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