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Viele Erscheinungen auf der Haut sind nur die Spitze des Eisberges, denn oft sind auch innere Organe betroffen.
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Prof. Dr. Josef Auböck Neuer ÖGDV-Präsident, Leiter der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz

 
Dermatologie 7. Februar 2011

Psychokutane Erkrankungen nehmen zu

Die ÖGDV gründet eine Arbeitsgruppe für Psychodermatologie

Haut und Psyche stehen in einem komplexen Wechselspiel miteinander: Psychische Belastungen können sich in kutanen Symptomen niederschlagen, und umgekehrt können Dermatosen einen hohen psychischen Druck erzeugen. Dem soll die neue Arbeitsgruppe für Psychodermatologie der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) Rechnung tragen.

Die große Gruppe der psychokutanen Krankheiten wird in psychiatrische, psychosomatische und somatopsychische Krankheitsbilder unterteilt.

Psychosomatische Dermatosen

Bei psychosomatischen Dermatosen handelt es sich um Hauterkrankungen, für deren Entstehung und Verarbeitung psychosomatische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen. Hier sind unter anderem Psoriasis, Neurodermitis, Akne sowie Urtikaria aber auch Herpes labialis zu nennen. Stress spielt dabei oft eine große Rolle: „Psychologischer Stress ist unbestreitbar ein wesentlicher Triggerfaktor für entzündliche Dermatosen. Geschätzt rund ein Viertel aller behandelten Patienten in der Ambulanz finden sich mit psychosomatischen Hautproblemen belastet. Etwa 30, 40 bzw. 70 Prozent der Neurodermitis-, Psoriasis- bzw. Akneschübe scheinen durch Stressfaktoren ausgelöst zu sein“, fasst ÖGDV-Präsident Prof. Dr. Josef Auböck, Leiter der Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz, zusammen.

Stress wirkt sich auch auf die Wundheilung aus. „Wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, ist Stress sogar mit einer verschlechterten Wundheilung bzw. mit der Dysregulation von wundheilungsassoziierten Biomarkern vergesellschaftet“, so Auböck weiter.

Somatopsychische Dermatosen

Bei den somatopsychischen Hauterkrankungen stehen körperliche Aspekte im Vordergrund, und die seelischen Probleme entstehen bei der Krankheitsbewältigung. In diese Gruppe fallen chronische, fortschreitende und entstellende Hautkrankheiten, worunter beispielsweise auch das maligne Melanom fällt, aber auch der Lupus erythematodes. „Die Betroffenen dieser Erkrankungen sind nicht nur körperlich geplagt, sondern leiden oft zusätzlich unter sozialer Ausgrenzung. Bei Hautkrankheiten, die besonders entstellend sind, kann das über Depressionen bis zum Tod führen“, fasst Auböck zusammen.

Psychiatrische Dermatosen

Bei den psychiatrischen Hauterkrankungen stehen psychische Aspekte im Vordergrund. Ursache können Traumatisierungen im Kindesalter und Persönlichkeitsstörungen wie das Borderline-Syndrom sein. In diese Gruppe fallen Störungen wie Pruritus sine materie, Dysästhesien und die Dermatitis artefacata, die oft schwer zu erkennen ist und bei der sich die Patienten selbst Verletzungen auf der Haut zufügen, beispielsweise durch aggressive Substanzen, die Symptome von Hautkrankheiten imitieren sollen. „Leider gelingt das den Patienten oft allzu gut. Beispielsweise habe ich Patienten erlebt, die sich Fäkalkeime unter die Haut geführt haben. Dies hat zu schweren Schädigungen bis hin zur Amputation von Körperteilen geführt“, erläutert Auböck.

Gründung einer Arbeitsgruppe für Psychodermatologie

Psychokutane Krankheiten nehmen zu. „Daher ist es auf jeden Fall wichtig, sich in der ursprünglich ‚rein organischen’ Fachrichtung Dermatologie vermehrt mit seelischen und psychosozialen Problemen zu beschäftigen, d. h. mit den Ursachen, Auslösern, zu chronischem Verlauf beitragend, rückfallgefährdet und vor allem mit Alltagsbeeinträchtigungen belastend. Dieser Entwicklung gilt es in der Arbeitsgruppe gerecht zu werden“, so Auböck. Darüber hinaus soll die Arbeitsgruppe eine Gesprächsplattform für alle im Gesundheitsbereich tätigen Institutionen und Organisationen in Fragen Psychodermatologie schaffen. „Da viele Erscheinungen auf der Haut meist nur die Spitze des Eisberges sind und von Hautkrankheiten oftmals auch innere Organe betroffen sind, ist die fächerübergreifende Arbeit in der Dermatologie besonders wichtig“, so Auböck abschließend.

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