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Foto: Archiv
Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, ÖDG
 
Diabetologie 18. Jänner 2011

„Alltagsbewegung ist wichtig“

Personen, die sich bis ins hohe Alter viel körperlich bewegen, bleiben physiologisch um zehn bis 15 Jahre jünger.

Die heimischen Diabetesexperten kritisierten bei der 38. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) das Gesundheitssystem des Landes und forderten ein entschlosseneres und kreativeres Vorgehen gegen den Diabetes.

 

Noch immer mangelt es an Betreuung, Schulung und entsprechenden städteplanerischen Angeboten für ein „bewegteres“ Leben – auf der anderen Seite steigen die Inzidenz der Zuckerkrankheit und die so verursachten Kosten. Die Ärzte Woche bat den Präsidenten der ÖDG, Doz. Dr. Raimund Weitgasser, zum Gespräch.

 

Herr Doz. Weitgasser, wie wichtig Prävention in allen Stadien der Diabetes-Erkrankung wäre, ist belegt. In der praktischen Umsetzung gibt es aber zu wenig Fortschritt, wenn man sich etwa die geringe Anzahl von Patienten ansieht, die bei „Therapie aktiv“ teilnehmen und von lediglich 927 Ärzten betreut werden. Wie sehen Sie das?

WEITGASSER: Das ist eine völlig unzureichende Betreuungsdichte angesichts von geschätzten 600.000 an Diabetes erkrankten Menschen, von denen bereits jeder fünfte an diabetischen Folgeerkrankungen bei klinischer Neumanifestation leidet.

 

Warum beteiligen sich nicht mehr Allgemeinmediziner am DMP?

WEITGASSER: Einer der Hauptkritikpunkte der Ärzte ist der EDV-Zugang. Das scheint die größte Schwierigkeit zu sein, den Hausärzten ein Tool für einen einfachen Zugang ins System in die Hand zu geben.

 

Ein Problemfeld ist auch, dass es oft lange dauert, bis Erkenntnisse aus der Wissenschaft beim Patienten ankommen.

Weitgasser: Es stört uns, dass wir in der Wissenschaft Evidenz haben, die für die Allgemeinheit aber nicht umsetzen können. Das Leitbild des Kongresses war: Von der Forschung in die Praxis, aber auch, die Gesellschaft in Bewegung zu halten.

Der ÖDG hat dazu neue Ideen formuliert und zentrale Forderungen aufgestellt, etwa die nach einer Architektur, die zur Bewegung animiert.

Weitgasser: Wir müssen das Bewusstsein für ein gesundes Bewegungspensum vom Kinder- bis zum Erwachsenenalter steigern. Dazu ist es wichtig, dass die Architektur Alltagsbewegung in ihre Planungen für den städtischen und ländlichen Raum miteinbezieht. Personen, die bis ins hohe Alter bewegungsaktiv sind, bleiben trotz hohen Alters physiologisch um bis zu 15 Jahre jünger.

 

In Österreich gibt es immer noch spezielle Diabetiker-Lebensmittel im Handel. Was sagen Sie dazu?

Weitgasser: Ich würde mir wünschen, dass die Politik in Österreich hier klarer Stellung bezieht und diese Produkte vom Markt nimmt und nicht auf eine Initiative seitens der Europäischen Union wartet.

 

Das Gespräch führte Inge Smolek

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