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ÖDG 2010 16. November 2010

Psychopharmaka und Diabetes

Insulinresistenz, Gewichtszunahme, Diabetesgefahr und Dyslipidämie sind die möglichen Folgen einer Psychopharmakabehandlung. Zahlreiche Medikamente werden mit Gewichtszunahme und Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2 in Verbindung gebracht. Zu diesen zählen insbesondere die Antipsychotika Clozapin und Olanzapin, die Antidepressiva Paroxetin und Mirtazapin sowie das Antiepileptikum Valproinsäure.

Tabelle 1 listet die möglichen metabolischen Nebenwirkungen derzeit gängiger Psychopharmaka auf. Im Gegensatz zu den ebenfalls mit Insulinresistenz assoziierten β-Blockern, bei denen der positive kardiovaskuläre Effekt überwiegt, können Übergewicht und Störungen der Glukosehomöstase durch Behandlung mit den genannten Medikamenten ein gesundheitliches Risiko darstellen.

Metabolische Risikosubstanzen austauschen

Die metabolischen Nebenwirkungen sollten deshalb bereits in der Planung einer Behandlung mit diesen Medikamenten berücksichtigt werden. Ebenso sollten regelmäßige Kontrollen von BMI, Bauchumfang, Nüchternglukose und Lipidprofil nach Therapiebeginn durchgeführt werden (Tab. 2). Die effektivste Behandlung einer medikamenteninduzierten Gewichtszunahme stellt der Wechsel auf eine Substanz mit einem besseren metabolischen Risikoprofil dar. Lebensstilmodifizierende Maßnahmen zur Gewichtsabnahme und glykämischen Kontrolle zeigten sich ähnlich effektiv wie die pharmakologische Intervention mit geeigneten Medikamenten, wie Metformin, Topiramat, Histamin-Antagonisten, dopaminergen oder serotonergen Substanzen.

Beide Erkrankungen der jeweils entsprechenden Behandlung zuführen

Übergewicht und Diabetes bei psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen sollten als zwei chronische Krankheiten betrachtet werden, die jeweils entsprechender Behandlung bedürfen.

Tabelle 1:
Antipsychotika der zweiten Generation und metabolische Nebenwirkungen
AntipsychotikumGewichtszunahmeDiabetesrisikoDyslipidämie
Clozapin +++ + +
Olanzapin +++ + +
Risperidon ++ IR IR
Quetiapin ++ IR IR
Aripiprazol +/- - -
Ziprasidon +/- - -
Amisulprid - - -
+ = zunehmender Effekt, - = kein Effekt, IR = inkonklusive Ergebnisse
Tabelle 2:
Empfohlenes Monitoring von Patienten unter antipsychotischer Behandlung
 BeginnWoche 4Woche 8Woche 12VierteljährlichJährlichAlle 5 Jahre
Vorerkrankungen X         X X
Gewicht / BMI X X X X X X X
Bauchumfang X         X X
Blutdruck X X X X X X X
Nüchternglukose X X X X X X X
Lipidprofil X X   X   X X
Zur Person
ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Ebenbichler
Department für Innere Medizin I
Medizinische Universität Innsbruck
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
Fax: ++43/512/504-23317
E-Mail:

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