zur Navigation zum Inhalt
Foto: ©iStockphoto.com/BartCo
Forstarbeiter arbeiten teilweise unter hoher Lärmbelastung.
 
HNO 6. Oktober 2010

Neuer Wirkstoff bei lärmbedingten Cochlea-Schädigungen

Eine aktuelle Studie belegt den Nutzen einer medikamentösen Behandlung bei Hörverlust nach Lärmbelastung.

Wissenschaftler von der University of Auckland in Neuseeland haben herausgefunden, dass das Hörvermögen bei Ratten nach lärmbedingtem Hörverlust mit dem wirksamen, neuen Medikament ADAC wieder hergestellt werden kann.

 

Eine neue Studie bereitet den Weg für effektive, nichtoperative Behandlungsmethoden zur Wiederherstellung des Hörvermögens nach lärmbedingtem Hörverlust: Durch die Injektion des Wirkstoffs ADAC (adenosine amine congener) werden Adenosinrezeptoren im kochleären Gewebe aktiviert, die zu einer Wiederherstellung des Hörvermögens führen.

In der Untersuchung von Dr. Srdjan Vlajkovic und seinem Team wurde das Behandlungspotenzial des Adenosin-Amin-Kongenerens (ADAC) – einem selektiven A1-Adenosin-Rezeptoragonisten – bei lärmbedingtem Hörverlust analysiert. Dafür wurden Wistar-Ratten in einer akustischen Kammer für zwei bis 24 Stunden Schmalbandgeräuschen ausgesetzt, um Cochlea-Schädigungen und einen dauerhaften Hörverlust herbeizuführen. Über eine Injektion in den Bauch wurde den Tieren ADAC oder eine Placeboformulierung verabreicht, entweder als Einzelinjektion nach sechs Stunden oder mehrere Injektionen pro Tag. Mithilfe der gehörspezifischen Reaktion des Gehirnstamms (ABR) untersuchen die Wissenschaftler das Hörvermögen der Ratten vor und nach den Behandlungen. Darüber hinaus setzten sie histologische Techniken ein, um die Anzahl der fehlenden Haarsinneszellen nach der Lärmbelastung sowie die lärmbedingte Produktion freier Radikale zu ermitteln.

Ihre Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Cochlea-Schädigungen und Hörverluste bei den Versuchstieren durch die Verabreichung von ADAC deutlich reduziert werden konnten. Die besten Ergebnisse wurden bei einer frühzeitigen Verabreichung von ADAC sechs Stunden nach der Lärmbelastung erzielt, im Vergleich zu einem späteren Behandlungsbeginn nach 24 Stunden.

Die nachhaltigste Behandlungsstrategie war die mehrfache Injektion von ADAC für die Dauer von fünf Tagen nach der Lärmbelastung. Durch diese Behandlungsmethode wurde der Hörverlust wesentlich reduziert und der Erhalt von Haarsinneszellen deutlich verbessert.

Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung: „Diese wissenschaftliche Studie unterstreicht die wichtige Rolle der Adenosin-Signalübertragung bei der Linderung von Cochlea-Schädigungen, die durch oxidativen Stress verursacht wurden. Insbesondere das ADAC hat sich als attraktiver pharmakologischer Wirkstoff zur Behandlung von lärmbedingten Cochlea-Schädigungen sowohl bei akuter als auch bei längerer Lärmbelastung herausgestellt.“

Lärmbedingter Hörverlust ist eine der häufigsten Berufskrankheiten, von der bis zu fünf Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind. Besonders verbreitet ist die Krankheit im Militär und in der Industrie (Bauwesen, Bergbau, Forstwirtschaft und Luftfahrtindustrie).

Zurzeit sind Hörgeräte und Cochlea-Implantate die einzigen Behandlungsmethoden bei Hörverlust. Erst in letzter Zeit wurden medikamentöse Therapiekonzepte für lärmbedingten Hörverlust vorgeschlagen, denn bis heute gibt es praktisch keine Behandlungsmethoden, mit denen Schäden am Innenohr behoben und die Einflüsse von Hörverlusten reduziert werden könnten.

Die Arbeit von Vlajkovic und seinem Team erscheint in der Sonderausgabe zum Thema Innenohr des Fachjournals Purinergic Signalling.

 

 

Quelle: Vlajkovic, S. M. et al.: Adenosine amine congener mitigates noise-induced cochlear injury. Purinergic Signalling 2010; doi:10.1007/s11302-010-9188-5

(www.springerlink.com/content/y8r7m315nq0g5480/)

Springer.com/PH, Ärzte Woche 40 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben