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Anästhesie 10. Mai 2007

Gepumpte Linderung

Schmerzimplantate stehen im WHO-Stufenschema ganz oben. Allerdings verschiebt sich die Wertigkeit bei einigen Erkrankungen nach unten.

„Allgemeinmediziner behandeln Schmerzpatienten in der Regel sehr kompetent und nach den neuesten Richtlinien der Evidenced based Medicine“, leitete OA Dr. Michael Kern, Schmerzmediziner am Krankenhaus der Elisabethinen in Graz, seinen Vortrag im Rahmen der Südbahn Schmerzgespräche im März in Reichenau/Rax ein. „Allerdings“, so Kern weiter, „fehlt ihnen oft die Möglichkeit, invasiv tätig zu werden.“ Deshalb ist insbesondere bei diesen Patienten eine enge Zusammenarbeit mit kompetenten Schmerzzentren außerordentlich wichtig. Schmerzimplantate zur rückenmarksnahen Medikamentenapplikation und Elektrostimulation (siehe auch Seite 39) gehen auf Entwicklungen der 60-er und 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Mit diesen Methoden wird versucht, eine suffiziente Schmerzlinderung zu erreichen, die mit physikalischer und peroraler Therapie kaum erreicht werden kann.

Exakte Auswahl

Nicht jeder Betroffene kommt für eine Schmerztherapie mittels Implantat in Frage: Medizinische und psychologische Anamnese sind ebenso erforderlich wie die Abklärung des sozialen Umfelds des Patienten, seiner bisherigen Therapie, allfälliger Resistenzen und Unverträglichkeiten sowie der Grundintelligenz des Leidenden. Augenmerk ist außerdem auf die zu erwartende Kosteneffizienz zu legen. „Die primäre Indikationsstellung kann durchaus vom Praktiker kommen“, hielt Kern fest. „Einbau und Betreuung, wie Pumpenfüllung und -programmierung, sowie die Einstellung von Stimulationssonden und apparative Nachsorge und Problembehebung müssen allerdings im Schmerzzentrum stattfinden.“ Der Allgemeinmediziner ist dann gefordert, wenn es zu Implantat-relevanten Problemen oder Komplikationen kommt.

Alarm bei Akutfällen

„Der Allgemeinmediziner kennt üblicherweise seinen Schmerzpatienten am besten. Im Alarmfall, wenn es zu Überdosierungen, Infektionen oder anderen Akutfällen kommt, stehen wiederum Schmerzzentren rund um die Uhr mit Rat und Tat zur Seite“, skizzierte Kern die optimale Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Schmerzmediziner. Wichtig ist sei auch, dass Implantate Untersuchungen wie Computertomographie und Magnet­resonanztomographie zuließen. „Allerdings übernehmen die Hersteller der Geräte keine Garantie für die Funktionstüchtigkeit von Implantaten nach einem MRT“, schränkte der Schmerzmediziner ein. Bei optimaler Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Schmerzzentrum erhöht sich beim Patienten mit Implantat nicht nur dessen Lebensqualität, was vor allem Beweglichkeit, Schmerzlinderung und Reintegration angeht. Auch Symptome, die bei einer oralen Therapie immer wieder auftreten, wie Übelkeit oder Müdigkeit, nehmen ab. „Gerade der Schmerzpatient ist immer als Ganzes zu sehen“, brach Kern abschließend eine Lanze für die interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Das bedingt ein Vorwärtsdenken mit Einbeziehung der Tradition für eine optimale Behandlung.“

 

Sabine Fisch, Ärzte Woche

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