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ADA 2010 6. Juli 2010

Insulin-unabhängig

Eine neue Wirkstoffklasse bremst die Reabsorption von Glukose über die Niere.

Dapagliflozin verbessert durch Verminderung der renalen Glukose-Reabsorption die glykämische Kontrolle unabhängig vom Insulin. Dies zeigt eine neue Phase III Studie (siehe Literatur), die aktuell bei den 70th Scientific Sessions der American Diabetes Association (ADA) präsentiert wurde. Dapagliflozin ist ein selektiver Natrium-Glukose-Co-Transporter-2-Inhibitor, der die Re-Absorption von Glukose in den Nieren verhindert und die Exkretion von Glukose im Urin fördert. Es kommt daher zu einer Verminderung hoher Blutzuckerwerte, ohne die insulinabhängigen Systeme zu beeinträchtigen. Die Studie schloss 534 Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2 ein, die auf 1.500 mg Metformin eingestellt waren und eine unzureichende Blutzuckerkontrolle hatten. Die Teilnehmer wurden auf eine von drei Dosierungen (2,5 mg, 5 mg oder 10 mg) oder auf Placebo randomisiert (alle p. o., einmal täglich) plus unverändert Metformin. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Hämoglobin A1c (HbA1c) nach 24 Wochen, im Vergleich zu Baseline. Zu diesem Zeitpunkt war das durchschnittliche HbA1c in der Placebogruppe um 0,30 Prozent (95% CI, -0,44 bis -0,16) vermindert, verglichen mit 0,67 Prozent (95% CI, -0,81 bis -0,53; P=0,0002) in der 2,5 mg-Gruppe, -7 Prozent (95% CI, -0,85 bis -0,56; P<0,0001) in der 5 mg-Gruppe und -0,84 Prozent (95% CI, -0,98 bis -0,70; P<0,0001) in der 10 mg-Gruppe. Eine Hypoglykämie trat in allen Gruppen gleich häufig auf. Allerdings waren Symptome genitaler Infektionen in der Dapagliflozin-Gruppe häufiger (8-13 % verglichen mit 5 % in der Placebogruppe).

Vermehrte Glukoseausscheidung

Dr. Clifford J. Bailey von der Aston University in Birmingham, Großbritannien, Hauptautor der Studie dazu: „Diese häufigere Nebenwirkung spiegelt wahrscheinlich die vermehrte Glukoseausscheidung über den Urin wider. Die Patienten haben die Infektion aber nicht als problematisch beschrieben. Es gab auch Anzeichen einer osmotischen Diurese zu Therapiebeginn, auch hier berichteten die Patienten nicht über spezifische Probleme.“ In keiner der Gruppen kam es zu Veränderungen der Messwerte der renalen Funktion. Schwerwiegende unerwünschte Nebenwirkungen traten bei jeweils vier Patienten in jeder Dapagliflozin-Gruppe und bei fünf Placebopatienten auf.

Außerdem verloren Personen unter Dapagliflozin mehr Gewicht als unter Placebo (2,2 kg, 3,0 kg und 2,9 kg in den Verumgruppen, versus 0,9 kg in der Placebogruppe).

„Da es sich um einen Non-Insulin-abhängigen Mechanismus handelt, sollte der Wirkstoff für jede Periode während des gesamten Krankheitsverlaufs einsetzbar sein. Außerdem müsste eine Kompatibilität mit den anderen, uns derzeit zu Verfügung stehenden Therapien gegeben sein“, so Bailey. „Da viele diabetische Komplikationen im Zusammenhang mit hohen Blutzuckerwerten stehen, ist deren Senkung mit neuen Wirkstoffen ein legitimes Ziel.“ Zusammen mit Metformin verabreicht, stelle Dapagliflozin eine neue therapeutische Option für die Behandlung von Typ-2-Diabetes mit unzureichender glykämischer Kontrolle bei Einnahme von Metformin alleine dar.

In einem Kommentar sagte Dr. Sue Kirkman von der ADA: „Der Wirkstoff scheint ein gutes Sicherheitsprofil aufzuweisen, doch sind Langzeitdaten abzuwarten in Bezug auf renale Effekte oder die Infektionen des Urogenitaltrakts. Diabetespatienten sind ohnehin anfällig für Probleme in diesem Bereich, wir müssen daher sicherstellen, dass es keine langfristigen Probleme gibt. Insgesamt ist es eine interessante Wirkstoffklasse.“

 

Literatur: Lancet. 2010; 375:2223 2233. doi: 10.1016/S0140-6736(10)60407-2

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