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Foto: Privat
Dr. Sylvia Hartl 1. Interne Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital Wien
 
ÖGP 2010 2. November 2010

ERS-COPD-Audit Ziel: europäischer Standard

15 österreichische Lungenabteilungen beteiligen sich an einem Pilotprojekt, das die Patientenbetreuung auf das Niveau europäischer Richtlinien bringen soll.

Chronic Obstructive Pulmonary Disease, bekannter unter der Abkürzung COPD, ist eine sehr häufige und oft tödlich verlaufende Krankheit. Sie ist für die Patienten nicht nur eine große Belastung mit starker Verringerung der Lebensqualität, sondern im öffentlichen Gesundheitswesen ein wesentlicher Ausgabenfaktor. Wegen der hohen und rapid ansteigenden Kosten in der Erst- und Zweitversorgung ist COPD in den letzten Jahren zunehmend ins Visier der Gesundheitsministerien der Regierungen gerückt. Ein COPD-Audit soll nun herausfinden helfen, wie der Ausstattungs- und Behandlungsstandard in den Krankenhäusern ist und welche angebotenen Leistungen tatsächlich sinnvoll sind.

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung hat eine hohe Symptomlast, das Kardinalsymptom ist die Atemnot. Die Krankheit ist geprägt von Aktivitätsminderung, Belastungsintoleranz, Isolation, Depression und Angst. Der Punkt bei chronischen Krankheiten ist, die defätistische Haltung der Erkrankten zu ändern, ihre Lebensqualität weitgehend zu erhalten und ihnen ein möglichst langes Leben zu ermöglichen, eröffnete Dr. Sylvia Hartl, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, Generalsekretärin der Europäischen Respiratorischen Gesellschaft (ERS) und Oberärztin an der 1. Internen Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital in Wien, ihre Ausführungen bei einer Pressekonferenz. Das Problem dabei: Es gebe zwar viele Leitlinien, Empfehlungen aus der Evidenz, der Literatur und Studien, aber keinerlei Monitoring, ob und in welcher Weise diese Leitlinien und Empfehlungen in der Versorgung der Patienten umgesetzt werden und wie der Outcome ist. Etwa bei den Exazerbationen – dazu gebe es keine Daten. Freilich könne man die Patienten nach ihrer Zufriedenheit befragen. „Aber wie aussagekräftig ist eine solche Befragung? Wissen Patienten, welche Möglichkeiten sie haben, ebenso, was eigentlich angeboten werden müsste? Auch Todesstatistiken sind wenig erhellend bezüglich der Behandlungsqualität vor Ort“, sagte Hartl.

COPD-Audit der ERS und ÖGP

Anderswo ist man schon weiter. England hat seit 2004 eine Tradition mit einem COPD-Audit und zuletzt 2008 bereits 98 Prozent der Spitäler erfassen können. Auch in Spanien gibt es erste Erfahrungen. Die ERS hat daher entschieden, gemeinsam mit mehreren nationalen wissenschaftlichen Lungengesellschaften das Pilotprojekt „ERS COPD-Audit“ mit dem Ziel durchzuführen, aus den teilnehmenden Ländern Kerndaten für die europaweite Erfassung von Patientendaten in der Erst- und Zweitversorgung zu schaffen. Hartl betont, dass die Task Force der ERS mit dem COPD-Audit die Betreuung von Patienten in allen Ländern auf einen Level bringen will, der den europäischen Richtlinien entspricht.

„Derartige Programme haben in England bereits zu einer deutlichen Verbesserung der Betreuung von COPD-Kranken geführt“, so Hartl. Die unterschiedlichen Standards der Länder verhinderten den direkten Vergleich. „Wir wissen nicht, ob unser Gesundheitssystem den besten Weg erlaubt oder möglich macht“, so Hartl. Ein Beispiel sei die pulmonale Rehabilitation, die in der Literatur einen Evidenzgrad A hat. Aber in Österreich gebe es sie nicht, klagt Hartl: „Da müssen wir nachdenken: Warum haben das andere und wir nicht?“ Es könne nicht eine Frage der Ressourcen sein, sondern es sei vielmehr eine Frage der Umsetzungspolitik. „Wir müssen mehr Kommunikation und Dialog in die Behandlung unserer Krankheiten bringen, weil wir sonst nicht wissen, ob wir alle Therapieangebote richtig ausschöpfen“, so die Lungenärztin.

Konkret geht es nun darum, ein europaweites Internet-basiertes Audit-Tool zu schaffen. Die dabei erfassten Daten sollen die Bereitstellung der medizinischen Versorgungsstruktur und die tatsächlich erfolgte Therapie dokumentieren und Erkenntnisse zur Verbesserung und Vereinheitlichung der Qualität der Betreuung der COPD-Patienten liefern. 15 europäische Länder werden ihre Versorgungsmodelle vergleichen und ermöglichen, voneinander zu lernen, welche Therapieangebote zu den besten Ergebnissen führen.

 

Quelle: Pressekonferenz der ÖGP am 5. Oktober zum ÖGP-Kongress 2010.

Inge Smolek, Ärzte Woche 44 /2010

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