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ÖGP 2010 2. November 2010

Zwischen Über- und Untertherapie

Erregerkeime sind „bewegliche Ziele“, eine frühe und wirksame Behandlung ist oft entscheidend.

Die speziell von älteren Menschen extramural erworbene bakterielle Pneumonie ist in den Industrieländern die häufigste letale Infektionskrankheit. Das Spektrum der Haupterreger verändert sich jedoch ständig. Auch deshalb müssen die Therapiemaßnahmen immer wieder angepasst werden.

Frühe Diagnose und die Wahl der richtigen Therapie von Beginn an sind entscheidend – sowohl eine „Übertherapie“ mit zu breit wirksamen Medikamenten als auch eine „Untertherapie“ mit potenziell gefährlichen Konsequenzen sollten vermieden werden, so Priv. Doz. Dr. Stefan Krüger, Leiter der Sektion Pneumologie an der Universitätsklinik Aachen. Er präsentierte die vor kurzem den neuesten Erkenntnissen angepassten deutschen Leitlinien zum Management „ambulant erworbener Pneumonien“ (CAP). Danach sollte eine Spitalsaufnahme bei Zutreffen einer der vier Parameter erfolgen: allfällige Bewusstseinstrübung, eine Atemfrequenz von mehr als 30 Atemzügen pro Minute, ein diastolischer Blutdruck von weniger als 60  mmHg oder von systolisch von weniger als 90  mmHg und ein Alter von 65 oder darüber.

Schnelle Therapie

 

Von potenziell lebensrettender Bedeutung sei die schnelle Einleitung einer Antibiotikabehandlung, da ein verzögerter Therapiebeginn erst mehr als acht Stunden nach einer stationären Aufnahme mit einer erhöhten Letalität einhergehe.

Eine sich ständig verändernde Resistenzsituation erfordere eine Anpassung bei den empfohlenen Antibiotika-Regimen. Weiterhin die wichtigsten Antibiotika seien Penicilline. Krüger: „Die Therapie einer leichtgradigen, außerhalb des Spitals erworbenen Pneumonie sollte mit hochdosiertem Aminopenicillin samt Betalaktamase-Inhibitor durchgeführt werden.“ Eine Alternative seien Breitbandantibiotika vom Typ der Fluorchinolone. Cephalosporine würdennicht mehr empfohlen. Für schwerere und spezielle Fälle wie Infektionen mit Pseudomonas-Keimen, Legionellen oder Mykoplasmen gelten spezielle Empfehlungen.

Dass die Medizin auch längerfristig bei der ambulant erworbenen Pneumonie die „Nase vorn“ hat, das soll ein Informationsnetzwerk (CAPNETZ) garantieren, das seit einigen Jahren in Deutschland mit Wiener Beteiligung etabliert wurde. Pro Jahr werden die Daten von Tausenden CAP-Patienten erhoben und analysiert, um auch weiterhin den Pneumonie-Keimen Paroli bieten zu können.

 

Quelle: Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, 7. bis 9. Oktober 2010, Graz

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