zur Navigation zum Inhalt
 
ESC 2010 8. September 2010

Vorsicht bei Magenschutz

Wiener Studie: Gleichzeitiger Einsatz von Blutgerinnungs-Hemmern und Medikamenten zum Magenschutz kann Infarkt-Risiko erhöhen.

Die gleichzeitige Anwendung des Blutgerinnungs-Hemmers Clopidogrel und eines Magen-schützenden Protonenpumpen-Hemmers (PPI) kann den Blutfluss zum Herzen verringern und das Infarkt-Risiko erhöhen. Allerdings ist diese Wirkung ja nach verwendetem PPI unterschiedlich stark. Das ist das Ergebnis einer auf dem Kongress der European Society of Cardiology vorgestellten Meta-Analyse.

Nach einer Stent-Implantation wird Patienten häufig zur Vorbeugung von Blutgerinnsel Clopidogrel verordnet. Gegen Magenblutungen als mögliche unerwünschte Wirkung von Clopidogrel werden häufig Protonenpumpen-Hemmer (PPI) eingesetzt.

Bei einer von Prim. Prof. Dr. Kurt Huber vom Wilhelminenspital und Dr. Jolanta Siller-Matula von der Klinik für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien, geleiteten Untersuchung war das bei 34 Prozent der rund 160.000 Patienten der Fall.

Huber: „Unser Team hat herausgefunden, dass PPI das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um 29 Prozent erhöhten und das Herzinfarkt-Risiko um 31 Prozent. Positiv war zu vermerken, dass die gleichzeitige Einnahme von Clopidogrel und PPI keine Auswirkung auf die Sterblichkeit hatte, während sich das Risiko von Magenblutungen um 50 Prozent verringerte.“ Frühere Untersuchungen zu diesem Thema hatten widersprüchliche Ergebnisse, und die einzige prospektive klinische Studie wurde weder abgeschlossen noch publiziert.

Bedeutsam ist, dass die verminderte Wirksamkeit von Clopidogrel je nach verwendetem PPI unterschiedlich ausfiel. Negative Effekte auf die Hemmung der Plättchenfunktion mit Clopidogrel wurden vor allem mit Omeprazol beobachtet, während Pantoprazol vergleichsweise sicher erschien. Wünschenswert, so die Studienleiter, seien weitere randomisierte kontrollierte Studien die untersuchen, welche PPI von Clopidogrel-Benützern gemieden werden sollten. Ob diese jedoch aus ethischen Gründen je durchführbar sind ist fraglich.

Dr. Siller-Matula: „Weil jedes Jahr Tausenden Patienten ein Stent implantiert wird, und weil Clopidogrel sehr breit zur Vorbeugung von Blutgerinnsel eingesetzt wird, die zu Herzinfarkten führen können, können unsere Ergebnisse für Patienten signifikante Konsequenzen haben. Wir empfehlen, einen Magenschutz nur dann zu verschreiben, wenn es unbedingt erforderlich ist (z. B. bei Ulcus Anamnese, vorangegangener gastrointestinaler Blutung oder bei Patienten mit erhöhter Blutungsneigung), und dann nur PPI ohne die beschriebenen hemmenden Wirkungen auf die Clopidgrel Aktivierung, wie Pantoprazol.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben