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Kolumne Nebenwirkungen 29. September 2008

NebenWirkungen: „Allzeit bereit“ für unerwünschte Begleiterscheinungen

Seit einem Jahr tourt das Kabarettduo Peter & Teutscher mit seinen erfolgreichen „Nebenwirkungen“ durch das Land. Ronny Teutscher, selbst Arzt und mit gleichnamiger Kolumne allwöchentlich in das Kästchen auf unserer letzten Seite gepresst, zieht Bilanz.

Das aktuelle Kabarettprogramm beleuchtet die klassischen Nebenwirkungen des Lebens von Ärzten und Patienten. Auch die Überforderung der Mediziner gehört dazu. Manchmal ist es schwer, die hohen Erwartungen zu erfüllen. „Den Ärzten geht es mitunter wie dem Zauberlehrling, der die Geis­ter, die er rief, nicht mehr loswurde. Denn so großartig der Moment auch sein mag, wenn man nach langem Studium endlich Arzt ist, so nachhaltig ist er in der Regel auch. Man bleibt ein Leben lang Arzt, täglich, 24 Stunden lang“, führt Teutscher aus. Erst diesen Juli war der Medizin-Kabarettist beim Familienurlaub an diese Tatsache erinnert worden, als auf dem Flug von Griechenland nach Wien die klassische „Ist ein Arzt an Bord?“-Frage über den Lautsprecher ertönte. Im Kabarettprogramm führt die Frage zu einem Piloten, der sich von einem anwesenden Mediziner seinen chronischen Hautausschlag ansehen lassen will. In Wirklichkeit fand Teutscher einen schwer atmenden, herzkranken Reisenden vor. Nach der Erstversorgung ging die Reise für alle glimpflich zu Ende. Für die Kinder ein Abenteuer, für den Arzt eine ständige Herausforderung.
Dieses „Allzeit bereit!“, das den ärztlichen Beruf umweht, sorgt für intensive Reisevorbereitungen. Wo der Normalsterbliche maximal an Vorsorgeimpfungen denkt, greift so mancher Orthopäde zu einer Geburtshilfe-Broschüre, um auch im Flugzeug sich und spontan gebärende Mitreisende nicht zu enttäuschen. Die Ärzte in der Bevölkerung werden, wie der Kabarettdoktor erklärt, „selbst wenn sie sich gut tarnen, erkannt und vor das schmerzende Kreuz, den Fersensporn oder die Harnbefunde der Großmutter gezerrt. Da ist die Grenze zwischen Beruf und Freizeit mehr als fließend. Früher war man als Gegenleistung wenigstens noch reich.“ Heute stellt, so Teutscher, die humorvolle Herangehensweise eine Möglichkeit dar, mit dieser Situation zurechtzukommen. Gerade, wenn es ernst wird, fehle es am nötigen Humor.

Bereits im zweiten Jahr

Die Satire „Nebenwirkungen“ feiert sein einjähriges Jubiläum, höchst erfolgreich auf den heimischen Bühnen und in der deutschsprachigen Nachbarschaft. „Eine englischsprachige Version ist geplant, von einer lateinischen Variante hat mir mein Kollege aber abgeraten“, so Teutscher, der immer wieder auch für Vorträge auf Fachkongressen zur humoristischen Annäherung an das Thema Medizin eingeladen wird. Die Mischung aus sachlich interessantem Inhalt und professionellem Witz zeigt sich als beliebte Alter­native zu langen, schwer verdaulichen Fachreferaten. Teutscher: „Wir kommen viel herum. Erstaunlicherweise lachen die Deutschen an den gleichen Stellen wie die Österreicher. Es dürfte also nicht nur die Humorauffassung wider Erwarten ganz ähnlich gelagert sein, sondern auch die Erfahrung im Klinikalltag lässt wohl über die gleiche Komik lachen.“

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 39/2008

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