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Kolumne Nebenwirkungen 27. Juni 2007

„Medizin und Kabarett sind kein Widerspruch“

Ärzte-Woche-Insider kennen sie bereits: Norbert Peter und Ronny Teutscher. Kommunikationswissenschaftler der eine, Arzt für Allgemeinmedizin der andere. Als Kabarettisten unterhalten sie das Publikum. Die Ärzte Woche traf sie anlässlich der Vorbereitung des Auftrittes im Rahmen der 20-Jahr-Feier, bei der das Medizinkabarett-Duo die Festeinlage gestaltet.

Herr Doktor Teutscher: Arzt und Kabarettist – wie lässt sich das unter einen Hut bringen …?
Teutscher: Seit rund elf Jahren bin ich Arzt, ebenso lange Kabarettist, und es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass der eine Beruf vom anderen profitiert. Einerseits kann ich Erfahrungen aus der Praxis – natürlich unter Wahrung der Schweigepflicht – für kabarettistische Zwecke gebrauchen, andererseits verträgt auch der ärztliche Alltag eine gesunde Portion Humor.

Herr Magister Peter, aus Sicht des Kommunikationswissenschaftlers: Woran mangelt es denn in der Arzt-Patient-Beziehung?
Peter: Möglicherweise an der gemeinsamen Ebene, auf der man sich trifft und versteht. Die Welt der Medizin ist vielen Patienten fremd. Es liegt am Arzt, sie dem Interessierten zu öffnen. Gleichzeitig braucht der Patient so viel Vertrauen, dem Mediziner all das zu erzählen, was von Bedeutung ist. Nötig sind dafür Zeit, aber auch eine Kommunikation, die die Beziehungsebene zwischen den Beteiligten aufbereitet. Schließlich laufen während jeder Kommunikation viele Botschaften hin und her, nicht nur verbale. Auch Körpersprache und Mimik sind von Bedeutung. Alles in allem viel Platz für Missverständnisse ...

Und Sie bieten im Kabarett auch Lösungen an?
Peter: Lösungen? Nein. Das überlassen wir den Chemikern. Wir halten eher den Spiegel vor und bieten an, darüber zu lachen.

Sie haben den Begriff des „Medizinkabaretts“ geprägt. Ist dieses Thema nicht zu ernst?
Teutscher: Der gedankliche Vater der Klinikclowns Patch Adams und seine Anhänger haben gezeigt, dass Krankheit und Humor kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Ein Ort, an dem Lachen nicht zugelassen wird, kann kein Ort sein, an dem Heilung stattfindet. Nur wenige Menschen sind sich darüber bewusst, dass Lachen ihrer Krankheit schaden kann. Wir verknüpfen die beiden Kunstrichtungen Medizin und Kabarett nun einfach zu einem neuen Ganzen. Spätestens mit „Doktor‘s Best“ haben wir diese spezielle Form der Comedy zu einem Punkt entwickelt, der beim Publikum breite Anerkennung findet.
Peter: Medizinkabarett ist mehr als die Summe seiner Teile. Denn so lustig die Medizin und so pathologisch das Kabarett auch sein kann, gibt es noch einen weiteren Anspruch, nämlich medizinische Inhalte mit Humor zu vermitteln.

Wo ist Ihr Programm zu sehen?
Peter: Wir treten eigentlich im ganzen deutschen Sprachraum öffentlich auf: Berlin, Wien, Mallorca. Aber auch bei speziellen Anlässen, da unser Programm für den Gesundheitsbereich natürlich maßgeschneidert ist. So finden wir uns auch auf Kongressen, Jahrestagungen oder Gesundheitsmessen wieder, etwa beim Radiologenkongress in Berlin.

Wie kommen unsere deutschen Nachbarn mit dem österreichischen Humor zurecht?
Peter: Sie lachen – entweder aus Höflichkeit oder weil sie den hiesigen Schmäh tatsächlich verstehen.
Teutscher: Vielmehr werden wir gefragt, ob die Ärzte mit dem Humor zurechtkommen. Unserer Erfahrung nach treffen Vorurteile, wonach diese Berufsgruppe nicht über sich selber lachen kann, nicht im Geringsten zu. Man lacht aber natürlich besonders gerne über die Unzulänglichkeiten anderer Kollegen.

Kann man denn auch etwas beim Medizinkabarett lernen?
Teutscher: Wir haben, neben unserem Kabarettprogramm, auch einen Vortrag entwickelt, der sich dem Thema Kommunikation in der Arzt-Patienten-Beziehung annimmt. In der Vorbereitung zu diesem Projekt sind wir auf eine Menge interessanter Fakten und Strategien gestoßen und wir wollen den Kollegen diese Informa­tion zukommen lassen. Der Vortrag ist – da können wir nicht aus unserer Haut – aber deswegen nicht weniger amüsant. Nur dass wir damit auch in den offiziellen Kongress­programmen vertreten sind.
Peter: Das ist auch deshalb wichtig, weil die kommunikativen Inhalte von Bedeutung sind. So wichtig, dass man sie nicht nur der trockenen Forschung überlassen darf.

Herr Magister, ist es nicht toll, immer einen Arzt dabei zu haben?
Peter: Der Arzt im Haus erspart die e-Card!
Teutscher: Das ist eine Zweckgemeinschaft, die wir eingegangen sind: Peter bekommt von mir medizinische Betreuung und ich …
Peter: ... Zuspruch?
Teutscher: … also wir haben beide was davon. Hoffe ich.

Weitere Infos unter www.peter-teutscher.at

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