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Kolumne Nebenwirkungen 13. Dezember 2007

Die Zeit des Christfestes steht vor der Tür

Man möchte seinen Lieben die schönsten Geschenke machen. Aber bitte, bitte, bitte: Schenken Sie keine Hausärzte zu Weihnachten!

Es sollte als Warnung an alle Patienten in die Wartezimmer der Nation geheftet werden: Sie mögen daran denken, diesmal auf den obligaten Hausarzt unterm Weihnachtsbaum zu verzichten. Wir kennen das alte Problem: Hausärzte werden oft zu Weihnachten verschenkt. Weil die Oma eben so bettelt: „Bitte, ich will einen Arzt! Alle meine Freundinnen haben schon einen.“ Und man will Oma eine Freude machen, zumal Oma damit auch lernt, Verantwortung zu übernehmen. Aber die erste Freude ist bald vorüber.
Bei den ersten Visiten geht es ja noch gut. Doch spätestens zu Ostern muss der Arzt wieder ins Krankenhaus! Denn man nimmt nicht mehr die Medikamente, die er empfiehlt; man geht nicht mehr so lange spazieren; und man verliert einfach die Lust, sich vom Arzt vorschreiben zu lassen, was man tun soll. Die Spitäler sind voll mit Ärzten, die wir nicht mehr anbringen. Dann sitzen sie mit ihren großen, übermüdeten Augen in den Ambulanzen: Ganz scheu verschwinden sie gleich, wenn sich ein Patient nähert. Ja, die haben eben schon ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Ganz zu schweigen von jenen, die auf Autobahnraststätten gefunden werden. Ärzte, die bei der Busreise auf dem Heimweg vom letzten Kongress schlichtweg vergessen wurden.
Deshalb nochmals die wichtigsten Punkte, die man für den Umgang mit Ärzten wissen sollte: Man sollte die Bedürfnisse des Arztes verstehen und respektieren. Der Arzt ist zwar Spielgefährte, aber kein Spielzeug, mit dem man alles machen kann. Er braucht einen ruhigen Platz, wo er sich zurückziehen kann und wo er nicht gestört ist. Man möge ihn nie beim Fressen stören. Stelle ihm das Fressen auch nicht gleich hin, sondern warte, bis er dich aufruft! Schaue einem Arzt nie direkt in die Augen. Ärzte bekommen Angst und reagieren oft mit Zustechen. Ein kranker Arzt kann zudem Krankheiten oder auch gefährliche Medikamente übertragen.
Auch wenn man unterwegs ist mit einem Arzt, so kann es Probleme beim Zusammentreffen mit anderen Ärzten geben: Zu Revierkämpfen, die sehr heftig verlaufen können. Und da wird nicht nur gekeift, da wird mitunter auch geklagt.
Wer schon einen Arzt zu Hause hat, möge bedenken: Vorsicht bei einem Zweitarzt! Der Arzt ist in den allermeisten Fällen ein Einzelgänger. Erwarten die Patienten einen neuen Arzt, vielleicht sogar ein Alternativmedizinerl, dann fühlt sich der Arzt zurückgesetzt und wird eifersüchtig. Der Lärm in der Wohnung, wenn sie dann diskutieren und streiten, ist für viele Ärztehalter nicht zu ertragen.
Wer Informationen benötigt, wie man seinen Arzt decken lassen kann, sei an andere Stellen in einschlägigen Magazinen verwiesen.

Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 50/2007

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