zur Navigation zum Inhalt
Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 5. Dezember 2016

Praktische Wünsche

Socken, Krawatten oder Haushaltsgeräte sind out, Geld ist in.

Weihnachten steht vor der Tür und die lebenserfahrenen, besonnenen Menschen wissen, um was es wirklich bei diesem Fest geht: Um herzerwärmenden Konsum. Das zeigt sich auch in einer aktuellen Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens, wo die Top 5 der beliebtesten bzw. meist verhassten Geschenke erhoben wurden. An erster Stelle der begehrtesten Schenkobjekte bei den Männern steht Geld. Das mag weder romantisch noch besinnlich wirken, doch so ein praktisch denkender Mann ist durchaus auch für andere Lebensbereiche, wie die Müllentsorgung, praktisch einsetzbar. Ob das Geld nun verpackt wird oder nicht, dürfte keine so große Rolle spielen, solange man nicht dazu sagt, wie viel Geld das Geld gekostet hat. Das gehört zum Schenk-Knigge.

An zweiter Stelle sind Gutscheine beliebt! Also zweckgebundenes Geld, aber immerhin doch so etwas wie Geld. Und würde es noch weitere Formen der finanziellen Unterstützung geben, so wären sie wahrscheinlich auf den Plätzen drei bis zehn zu finden. Ob sich der Schenkende Gedanken macht, scheint mittlerweile nicht mehr im Vordergrund zu stehen. Die Beschenkten möchten nicht fremdbestimmt sein, sondern das Geld für gerade erforderliche Anschaffungen bereitgestellt bekommen. Rechnerisch betrachtet ist das Ganze meist ein Nullsummenspiel, da man ungern weniger herschenkt, als man bekommt, um nicht als Schnorrer zu gelten oder in ein Schuldverhältnis zu gelangen.

Bei den beschenkten Frauen rangieren Geld und Gutscheine nur auf Rang zwei und drei. Der Lieblingswunsch ist „Reise“. Wobei es sich nicht zwangsläufig um ein knisterndes Wochenende in Venedig handeln muss. Mitunter lautet die ersehnte Destination bloß: „Einfach weg von hier“. Manchmal sogar vom Schenkenden.

Gar nicht gewünscht werden Unterwäsche und Schmuck (bei Männern) sowie Werkzeug und Haushaltsgeräte (bei Frauen). Das mag den Rollenklischees gerecht werden, allerdings rangiert auch bei den Damen der Schmuck auf Platz 5 der unbeliebtesten(!) Geschenke. Der gemeinsame Gang zum Bankomaten tut es also auch und kommt, aufgrund des Abhebelimits, meist auch günstiger. Symbolische Geschenke finden sich in den Wunschlisten gar nicht. Gutscheine für „Geschirrspüler ausräumen“ kommen beim Ehepartner also scheinbar ebenso wenig an wie „zwei Stunden lieb sein“ oder „einmal nicht Recht haben müssen“.

Gesundheit, den Weltfrieden oder das Ende des Klimawandels wünscht sich indes kaum jemand. Dabei hatten vor ein paar Jahren politisch korrekte Geschenke noch durchaus ihre Anhängerschaft: Eine Ziege für ein afrikanisches Bergdorf, einen klimatisierten Sessellift mit WLAN für ein österreichisches Bergdorf oder ein Bergdorf für ein Dorf im Flachland.

Wir dürfen unseren Patienten dennoch eine gute Gesundheit wünschen. Obwohl uns dieses Geschenk, aufgrund der wegfallenden Kundschaft, eigentlich ganz schön viel abverlangt.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben