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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 12. September 2016

Medizinischer Trugschluss

NebenWirkungen

Wie viel Geld wir für unsere zukünftige Gesundheit investieren, korreliert leider nicht immer mit unserer zukünftigen Gesundheit.

Man kann die Ergebnisse einer Marktanalyse durchaus amüsiert zur Kenntnis nehmen: 2015 gaben die Österreicher rund 133 Millionen Euro für Fortbildung aus. 178 Millionen investierten sie indes in Erotikartikel. Verständlich, denn schließlich hat man mehr Freude an einem Sexspielzeug, als dem hundertsten DFP-Punkt in Serie. Es gibt jedoch Dinge, die dem Österreicher teurer sind, als die Fortpflanzung. Etwa der Tod. Immerhin sollen 814 Millionen pro Jahr in Begräbnisse, Friedhofskosten und Grabpflege investiert werden. Vernünftig, denn so ein Grabstein aus Granit hält in der Regel auch länger, als ein Erotik-Toy aus Taiwan.

Wer dem morbiden Charme nichts abgewinnen kann und zudem noch zu Lebzeiten etwas von seinem Geld haben möchte, fokussiert sich besser auf seine Gesundheit. Damit steht man nicht alleine da. Rund 12 Milliarden werden jährlich für Gesundheit und Pflege aus der eigenen Tasche zum Aufbuttern des öffentlichen Gesundheitssystems beigesteuert. Kein Vergleich zu den 178 Millionen für die Erotikstickwaren. Krank sein ist also wesentlich teurer als geil sein. Doch wofür gibt man das Geld eigentlich aus, wenn man es für medizinische Belange zweckwidmen möchte? Wohl weniger für das momentane Wohlbefinden. Wenn man nicht gerade akut eine Gehhilfe oder eine ferngesteuerte Drohne, die einem beim Einkaufen und beim Verbandswechsel hilft, besorgen muss, werden vor allem Dinge angeschafft, die als Investition in eine gesündere Zukunft dienen sollen: Exotische Nahrungsergänzungsmittel, ergonomische Dreh-Hüpf-Stühle oder eine Anti-Aging-Hautstraffungscreme mit der Extraportion Milch.

Es ist wie ein Bausparer für spätere Zeiten, mit dem Unterschied, auf die praktischen Bauspar-Geschenke verzichten zu müssen. Man kauft sich das Gefühl der Sicherheit ein: Wer jetzt in seine Gesundheit investiert, hat einen Wettbewerbsvorteil gegenüber all jenen, die dies verabsäumen. Dennoch braucht es ein gehöriges Maß an Vertrauen in das Funktionieren dieses Systems. Denn während man Goji-Beeren kauend auf unbequemen Sitzgelegenheiten die Extraportion Anti-Aging in seine Haut einmassiert, altert man mitunter um keinen Deut langsamer, als der Mitbewohner, der auf der Couch lümmelt, seine Pizza futtert und nicht einmal den Ansatz eines Fältchens im Gesicht zeigt. Das frustriert und ebnet den nächsten Sorgenfalten den Weg.

Man mag dies als Hinweis auf die wirklich sinnvollen gesundheitlichen Zukunftsinvestitionen sehen: Es dem Mitbewohner gleichzutun, sich über Pizza und Couch zu freuen und die Falten zu ignorieren. Mit dieser Einstellung mag man vielleicht nicht viel älter werden, aber sicherlich glücklich älter. Und wenn man diese Freude noch mit ein paar Goji-Beeren zu kombinieren versteht, steht auch einem langen und glücklichen Leben nichts mehr im Weg.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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