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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 17. Mai 2016

Dr. Wald und Wiese

Die Natur soll der bessere Arzt sein. Damit gehört sie reglementiert.

Stell dir vor, es ist Natur und keiner geht hin. Tatsächlich kennen die meisten Österreicher Berge und Wälder oft weniger vom Begehen und Durchwandern, denn vom Hörensagen – auch wenn wir auf unsere Berge, Seen und Almen stolz sind. Aber man kann ja auch den Mars cool finden, ohne jemals dort gewesen zu sein.

Überlaufen ist die Natur hierzulande kaum. Trotz überschaubaren Platzverhältnissen kann man stundenlang durch Wälder streifen, ohne von Menschenmassen überrannt zu werden. Natürlich gibt es Stellen, an denen es auch in der unberührten Natur etwas dichter werden kann, etwa an der Talstation der 6er-Gondel, in der Apres-Ski-Hütte neben der Bergstation der 6er-Gondel oder am Pissoir der Apres-Ski-Hütte neben der Bergstation der 6er-Gondel. Und natürlich sind auch andere Örtlichkeiten überlaufen, wie etwa das beliebte Muttertags-Ausflugslokal im Wienerwald oder die schwierige 200 Meter lange Wanderroute vom Parkplatz zum Muttertags-Ausflugslokal.

Doch wie viel Wald verkraftet der Durchschnittsösterreicher? Ohne einen veritablen Naturschock zu erleiden und ernsthaft Schaden zu nehmen? Immerhin hat auch die Natur einen Haufen Nebenwirkungen. Sie ist launisch, was das Wetter betrifft und regnet sich vor allem an verlängerten Wochenenden gerne aus. Sie ist voll von herumschwirrenden Pollen, die vielleicht für die Pflanzen ein erotisches Geplänkel darstellen, uns als Allergene jedoch das Leben zur Hölle machen können. Sie beherbergt Spinnentiere wie Zecken, die uns große Furcht einjagen, auch wenn wir sie als Stadtbewohner noch nie zu Gesicht bekommen haben, sondern nur von Plakatwänden kennen. Wenn die Viecher aber auch nur halb so groß sind, wie auf den Impfwerbungen abgebildet, dann gute Nacht!

Es gibt aber auch positive Effekte. Der Biologe Clemens Arvay hat mit dem „Heilungscode der Natur“ das medizinische Präparat „Natur forte“ auf seine Inhaltsstoffe untersucht. Es ist erstaunlich, was da alles über die Waldluft zu uns gelangt, alleine durch den Anblick eines Stückchens Grün im Körper passiert. In Japan kennt man seit den 1980er-Jahren den Begriff des „Waldbadens“ als gute Methode, um Krankheiten vorzubeugen. Wobei ich persönlich finde, dass „Waldbaden“ nicht sehr japanisch klingt.

Doch wenn der Wald nun tatsächlich therapeutisch wirkt, müsste sich die Ärzteschaft dieser Thematik ernsthaft annehmen. Denn man muss zum einen Empfehlungen über die korrekte Dosierung abgeben, zum anderen für jede erdenkliche natürliche Umgebung eine entsprechende Leitlinie erstellen. Schließlich will der gemeine Patient Sicherheit, dass ihm ein Aufenthalt in der unberührten Natur tatsächlich auch eine relative Risikoreduktion um mindestens 15 Prozent in Bezug auf das kombinierte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Hammerzehen bringt. Dann dürfen wir endlich darüber diskutieren, ob der Wald eine Kassenleistung zu sein hat.

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