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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 15. März 2016

Drogen aus der Drogerie

Bald schon wird auch in Österreich das Antibiotikum im Regal neben dem Klopapier zu finden sein.

Die heimische Drogeriemarktkette DM möchte ins Medikamentengeschäft einsteigen. Man hofft auf den Verfassungsgerichtshof, denn auch Verfassungsrichter wollen ihre Fußpilzcreme bequem im Einkaufscenter erwerben. Die Apotheker laufen verständlicherweise Sturm, obwohl vorerst in der Drogerie zumindest nur die rezeptfreien OTC-Präparate verkauft werden sollen. Die Opiate darf man erst in ein paar Jahren neben den Kaugummis an der Kasse feilbieten.

Die Kritik der Pharmazeuten ist einleuchtend. Schließlich fällt die fachkundige Beratung weg und auch der gestrenge Blick des Apothekers beim Erwerb eines Potenzmittels. Von Drogerie-Seite wirft man hingegen die Frage auf, ob ein Pharmaziestudium nötig ist, um ein Päckchen Aspirin über den Scanner zu ziehen. Tatsächlich weiß man von keinem universitären Fach, das „Scannen für Pharmazeuten“ heißt. Wohl aber von einer Lehre zu Einzelhandelskaufmännern und -frauen, in der man mit der Kasse auf Du und Du gebracht wird. Ob man dabei ein Klopapier, ein Deo oder eben ein Kopfschmerzmedikament drüberzieht, ist nebensächlich.

Zudem handeln Drogeriemärkte auch jetzt schon mit gefährlichen Präparaten. So ist ein Tee in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen, wie jeder weiß, der sich vor einer vierstündigen Busfahrt einen Liter Brennnesseltee genehmigt hat. Auch Rohrreiniger haben Nebenwirkungen, wenn man sie auf einen Satz austrinkt, und so man sich geschickt genug anstellt, kann man sicher auch an feuchtem Toilettenpapier ersticken. Beratung muss also ohnehin sein.

Mit ein wenig gesundem Menschenverstand ein paar Tagen Training kann man bereits einfache Therapieempfehlungen geben. Das Krankheitsspektrum ist überschaubar und so lässt man das Verkaufspersonal typische Dialoge üben wie „Ich habe Kopfweh“ – „Dann empfehle ich Ihnen eine Kopfschmerztablette“. Klingt machbar. Schließlich wird man in einer Apotheke auch nicht jedes Mal gefragt, ob man ein Mittel tatsächlich benötigt, es mit den anderen 150 Medikamenten, die man täglich einzunehmen hat, eine Wechselwirkung gibt, oder ob der Patient zurechnungsfähig genug scheint, die Zäpfchen nicht zu schlucken.

Die Apothekerzunft sollte sich nicht grämen, hat sie doch schon jetzt an mehreren Fronten zu kämpfen, indem sie den Ärzten mit den Hausapotheken ständig auf die Finger klopfen muss. Natürlich blickt man mit Sorge darauf, welchen Unternehmen noch die Berechtigung erteilt wird, Arzneien unter die Patientenschaft zu bringen. Soll ein Escort-Service offiziell mit Viagra handeln dürfen, eine Schule mit Ritalin?Man könnte vielmehr, liebe Pharmazeuten, die Chancen des liberalen Marktes sehen und in den Apotheken auch Dinkelnudeln anbieten oder Fotos entwickeln. Oder man öffnet sich komplett und verkauft Smartphones, Uhren und Autos. Wenn der Apotheker des Vertrauens sagt: „Dieser VW ist gesund!“, werden das die Kunden auch glauben.

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