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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 24. November 2015

Zähne aus dem 3 D-Drucker

Der Ausdruck von Kronen und Implantaten kommt einer zahntechnischen Revolution gleich.

Die neue Entwicklung von 3 D-Druckern, von denen man bislang dachte, sie taugen gerade mal zum Ausdrucken einer bunten Plastik-Schnabeltasse oder eines mechanischen Bauteils für eine Massenvernichtungswaffe, hat nun Einzug in der Medizin gehalten. Vor allem in der Zahnheilkunde vereinfachen sich die sehr aufwendigen Herstellungsverfahren für einen Zahnersatz. Statt in ein Plastilin hineinzubeißen und daraus mühsam in einem zahntechnischen Labor per Hand einen passenden Zahn herzustellen, werden Patientenmünder nun digital abfotografiert, die Bilder digital eingescannt, digital von einem digitalen Zahntechniker bearbeitet und das fertige Stück Zahn mit Strg + P ausgedruckt. Oder so. Aus dem traditionellen Handwerk wird also ein Mouse-Werk. Die neuen Modelle sollen rascher fertig sein und auch besser passen. Zumindest trauen sich die Patienten nicht, mit einem Computer herumzustreiten, dass das gefertigte Implantat „noch immer so drückt“.

In ein paar Jahren, so prognostizieren Zukunftsforscher, die sich auf das Prognostizieren der Zukunft in der Zahnheilkunde spezialisiert haben, gebe es nur mehr solche computergenerierte „Dritte“. Lediglich die Kampagne der Österreichischen Zahntechniker: „Jeder Zahn ein kleines Kunstwerk!“ muss nun umgewandelt werden in „Jeder Zahn ein kleiner Ausdruck!“ Wenn das Schule macht, werden bald auch andere medizinische Disziplinen auf den 3 D-Zug aufspringen. Denn mittlerweile lässt sich eine ganze Reihe von Ersatzteilen in den Körper einbauen. So könnte der Orthopäde bald sagen: „Ich druck’ Ihnen noch mal rasch eine Hüfte aus ...“, im Büro verschwinden und sogleich das neue Gelenk rasch mal auf der Behandlungsliege einbauen. Ganz zu schweigen von Brustimplantaten, deren Form sich online aus einem umfangreichen Katalog aussuchen lässt.

Vielleicht lassen sich ja bald auch Ärzte ausdrucken. Dreidimensional, damit man sie gut in der Ordination positionieren kann, während man selbst seinem Zweitberuf bei McDonald’s nachgehen kann, um die Ordination finanzieren zu können. Wenn man das Modell hinter den Bildschirm setzt, so wird das den Patienten, bis auf ein „Heute war er ein wenig schweigsam, der Herr Doktor!“, nicht einmal auffallen, denn die Kommunikation ist sonst auch nicht besser. Der Ausdruck des Rezeptes erfolgt automatisch und kann von der ebenfalls ausgedruckten Arztassistenz ausgehändigt werden.

Wenn die Drucker allerdings annähernd so funktionieren, wie mein Drucker zu Hause, kann man davon ausgehen, dass man bald wieder reumütig auf das herkömmliche Handwerk zurückkommt. Vor allem dann, wenn die 3 D-Drucker zwar um einen Spottpreis verhökert werden, die Firmen jedoch an der Kunststoffmasse verdienen, aus der gedruckt wird. Verglichen mit ein paar dunklen Streifen und fehlerhaften Buchstaben ist es ungleich bitterer, beim reproduzierten Gebiss ein paar Zähne nicht ausgedruckt zu bekommen.

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