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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 4. Mai 2015

Couch tötet!

Die Ausweitung von Warnhinweisen auf potenziell gesundheitsgefährdende Produkte weitet sich aus.

In den Sonnenuntergang reitende, hustende Marlboro-Männer sind ausgestorben. Leider nicht nur in der Werbung. Heute ist der verwegene Rauch verflogen, nun weht ein anderer Wind. Jener der Vernunft.

Ich wage es jedoch, als nüchterner Beobachter, zu bezweifeln, dass Hinweise wie „… verursacht Krebs“, „… schädigt die Spermatozoen“ oder „… führt zu einer ausgeprägten Genexpression für IL4 und IL5“ die Zahl der Raucher so dramatisch gesenkt hat, wie immer behauptet wird. Womöglich hat der Aufdruck „… bitte liebe Jugendliche, nicht rauchen!“ sogar das Gegenteil bei der anvisierten Zielgruppe bewirkt und aus Protest so manchen Teenager direkt von Dietrich Mateschitz zu Philipp Morris getrieben. Wahrscheinlich ist es schlicht der zunehmende Mangel an Lokalitäten, dem Rauchgenuss frönen zu können. Die Option, in einer Bar zum Rauchen entweder bei zehn Grad Minus vor die Tür zu gehen oder sich am Flughafen mit zehn anderen Süchtigen in eine Art gläserne Telefonzelle zu stellen, scheint abschreckend zu wirken.

Nun sollen die aufgedruckten Warnhinweise auf alkoholische Produkte ausgeweitet werden. Aus medizinischer Sicht vernünftig, doch wieder mal mit fraglicher Wirkung auf die Endkunden. Ein Betrunkener kann die Schrift nicht entziffern, ein Weinkenner ist meist selber Arzt und ignoriert damit generell jedwede Warnhinweise und die anvisierte jugendliche Zielgruppe wird dann wieder mal erst Recht von Dietrich Mateschitz zu Jack Daniels wechseln.

Nun sind die Tore geöffnet und man wird generell vor der Gesundheit abträglichen Dingen warnen müssen: „Der Genuss von Schokolade verursacht Karies“; „Schweinespeck verklebt Ihre Adern“; „Verweilen auf der Couch tötet!“; „Dieser Partner verursacht ein Magengeschwür“; „Ihr Bankinstitut kann zur Verarmung beitragen“; „Der Genuss der vorliegenden Zeitschrift verblödet“. Risiken für Leib und Seele sind einfach überall. Warnungen hatten auf die Gewarnten immer schon die Wirkung, nicht ernst genommen zu werden. Man denke nur an das Gefühl, das uns beim Anblick eines an einer Vitrine angebrachten Schildes „Nicht berühren“ überkommt.

Wenn die Marlboro-Männer- und Frauen nicht mehr als Vorbild dienen können, so tut sich hier eine Lücke für neue Vorbilder auf. Sogar Lucky Luke kaut mittlerweile vorbildlich am Grashalm, statt am Glimmstängel. Wobei der Begriff „Gras“ nicht näher definiert ist. Möglicherweise können in den Sonnenuntergang reitende Apfel essende Männer, die im Flachmann Kräutertee mitführen und auf dem Weg zur Vorsorgeuntersuchung nach Prostata-Creek sind, den Menschen den Weg weisen.

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