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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 27. April 2015

42 (Zweiundvierzig)

Mathematische Modelle sollen unser zukünftiges Erkrankungsrisiko voraussagen. Ein mögliches Ergebnis: 42

Der Super-Computer „Deep Thought“ soll die Antwort auf die Frage aller Fragen, also „dem Leben, dem Universum und den ganzen Rest“ berechnen. Nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit spuckt das Gerät die lang ersehnte Antwort aus: 42!

Was Douglas Adams in seinem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ noch als Zukunftsszenario beschrieben hat, ist zum Teil schon Wirklichkeit geworden. In einer Studie der MedUni Wien wurden Millionen von Daten von Arztbesuchen ausgewertet und einem Computer zum Fraß vorgeworfen.

Endlich scheint die Quadratur des Kreises gelungen zu sein, die unberechenbaren Patienten berechenbar zu machen. Denn aus den Daten wurden Prognosen: Leidet man etwa mit 45 Jahren an Diabetes, so verdreifacht sich das Risiko, später an Demenz zu erkranken, das Risiko für Bluthochdruck ist zehnmal so hoch, wie bei den Normalos. Das beruhigt die betroffenen Patienten natürlich ungemein und sorgt bei Versicherungen und Erben für leuchtende Augen.

Ob ein Seher nun aus dem Kaffeesatz liest oder ein Chirurg in den Eingeweiden seiner Patienten, Prophezeiungen hatten immer schon Konjunktur. Genetiker erblicken mehr oder minder zuverlässig die Zukunft in der DNA, Epidemiologen extrapolieren vergangene Trends und Sportreporter errechnen das Ergebnis eines Länderspiels aus einem Mittel ihrer eigenen Tagesverfassung und der Unterhosenmarke des Torwarts.

Aktuell ist es ein mathematisches Modell, das das zukünftige Erkrankungsrisiko für jede einzelne Krankheit abhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft exakt berechnet.

Zugegeben: Wenn man zum Frühstück ein paar Knollenblätterpilze hatte, ist die Wahrscheinlichkeit gering, jemals ein weiteres Frühstück einnehmen zu können. Und hat man beim Bungee-Sprung das Seil vergessen, wird dies wohl auch zu einer verkürzten Lebenserwartung führen, so man nicht gerade im 95. Lebensjahr steht und zufällig noch im Fall an Altersschwäche das Zeitliche segnet.

Ich habe allerdings kleine Bedenken gegen große Berechnungen. Zumal solche Vorhersagen etwas Wichtiges ausklammern: Dass das Leben eben nicht sonderlich linear verläuft. Die statistischen Prognosen basieren auf der Annahme, dass sich nichts ändert. Änderungen scheinen jedoch die einzige verlässliche Konstanz in der Geschichte der Menschheit zu sein.

So mag es sinnvoll sein, vorausschauend zu agieren, meist handelt man jedoch voraus-ratend. Ein wesentlicher Grund, warum Wettbüros noch nicht allesamt Pleite gegangen sind.

Ob nun Wirtschaft, Politik oder Mode, die Trendforscher patzen regelmäßig, sind jedoch eloquent genug, diese Patzer als gelungene Vorhersage zu verkaufen. Wie schon Kollege Nestroy sagte: Hinterher ist jeder ein Prophet!

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