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Von Dr. Ronny Tekal-Teutscher Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.peter-teutscher.at
 
Leben 9. März 2015

Mac Rolide und andere Burger

Eine Fast-Food-Kette hat nun beschlossen, Antibiotika-Hühner aus dem Programm zu nehmen. Das verunsichert auch Ärzte.

Von den weltweit erzeugten Antibiotika finden gerade mal zehn Prozent in der Humanmedizin Verwendung. Da nicht anzunehmen ist, dass man mit den restlichen 90 Prozent Häuser baut, Knetmasse herstellt oder sie als Feuerwerkskörper gebraucht, kann man davon ausgehen, dass sie letztendlich irgendwie auch auf unseren Tellern landen. Schließlich soll das Tier, das sich auf diesen Tellern in der Panier versteckt, zumindest bis zu seinem Verenden gesund gewesen sein.

Mit der Zufütterung von Medikamenten züchtet man sich nicht nur ein paar Milliarden glückliche Fabrikhühner, sondern auch ein paar Billiarden glückliche, multiresistente Keime. Da man Keime jedoch nicht grillen oder frittieren kann, die Dinger nicht mal in der Lage sind, Eier zu legen, sind sie bei Weitem nicht so beliebt wie die Hühner. So sieht man sich im Krankenhaus Erregern gegenüber, die beim Anblick eines Fluorchinolons oder eines Aminopenicillins höchstens einen Lachanfall bekommen. Das ist die Kehrseite der 1-Euro-Aktions-Henne. Während die WHO seit Jahren ein Verbot des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht verlangt, verlangt die Tierzucht seit Jahren ein Verbot der WHO. Denn von so einer dahergelaufenen Non-Profit-Organisation lässt man sich nicht gerne in die Hühnersuppe spucken.

Natürlich dürfen wir nicht die armen, kleinen Landwirte mit ihren geschätzten drei Milliarden Hühnern, Rindern oder Schweinen im gemütlichen Stall dafür verantwortlich machen. Nein, in erster Linie tragen wir selbst unser Scherflein bei, indem wir auch in der Patientenzucht massenhaft Antibiotika einsetzen. Wenn jedes Hüsteln bei uns reflexartig den Griff zum Rezeptblock bewirkt, auf dem wir auch immer wieder dieselben zwei Antibiotika verschreiben, weil wir uns das Dritte partout nicht merken können, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Keime sich an den bitteren Geschmack gewöhnen. So verlangt die WHO mittlerweile auch ein Verbot des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der medizinischen Praxis und empfiehlt den Ärzten, die Namen von zumindest zwei weiteren Antibiotika auswendig zu lernen. „Antibiotic Stewardship“ nennt man dieses Rotationsprinzip, sodass mit diesem Begriff bereits die Speicherkapazität für die zwei Namen ausgeschöpft wäre.

Daher ist es sinnvoll, ein solches Prinzip auch im Fast-Food-Bereich einzusetzen. Dann könnte man wählen aus dem MacRolid Burger, einem Big-Bac(itracin) und dem Double Am(erican)-Oxicillin-Wrap. Die gefährlichen Bakterien, der Leserschaft auch als „schonungslos brutale Killer-Keime“ bekannt, sind von einer derartigen Antibiotikavielfalt so verwirrt, dass sie sich freiwillig zurückziehen. Bis sie schnallen, dass die moderne Menschheit tatsächlich so dämlich ist, eine keimfreie Welt schaffen zu wollen. Dann kommen sie wieder, übernehmen die Weltherrschaft und entwickeln Medikamente, die sie davor schützen, sich mit Menschen zu infizieren.

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